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Die letzten Wochen der Schwangerschaft


Die letzten Wochen der SchwangerschaftBild: IKO - Fotolia.com

"Das Kamasutra kannst du vergessen" - Zwei werdende Papas erzählen im Interview mit Väterzeit, wie es ihnen wenige Wochen vor der Geburt geht und wie sie mit dem immer größer werdenden Bauch klar kommen. Und vor allem, wie sich die Partnerschaft in dieser Zeit entwickelt.

Alles wird anders


Die letzten Wochen vor der Geburt. Die hochschwangere Liebste erinnert körperlich nur noch entfernt an die Frau, mit welcher der Vater damals, vor acht Monaten, die Laken zerwühlte. Väterzeit hat mit zwei werdenden Vätern gesprochen, deren Partnerinnen nur noch wenige Wochen vor dem großen Finale stehen. Wir wollten wissen, wie sie mit der veränderten Frau, der veränderten Lebenssituation umgehen. Kein Problem - aber nur mit geänderten Namen.

"Ich werde Vater. Das ist der absolute Hit"


Väterzeit: Wie läuft es bei euch, so kurz vor der Geburt?

Frank: Müde. Ich fühle mich ziemlich erschlagen, schiebe viele Überstunden bei der Arbeit, um nach der Geburt ein paar freie Tage extra zu haben. Weil Julia zu Hause nicht mehr so viel machen kann, sieht es bei uns in der Wohnung ein bisschen unordentlicher aus als sonst. Ich tue mein Bestes, aber es ist einfach ziemlich viel zu tun.

Michael: Dito - wir haben uns erst kürzlich darüber gestritten. Meine Freundin ist geistig total in Action, Nestbautrieb und so. Aber körperlich schafft sie einige Sachen einfach nicht mehr. Das macht sie total fertig. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, tue ich, was ich kann. Aber bei uns hat sie sich meistens um den Haushalt gekümmert, mir fehlt da ein bisschen das Auge. Ich finde es ordentlich, sie nicht, schwupps, schon streitet man.

Väterzeit: Das klingt ja nicht gerade begeistert.

Frank: Ja, das ist ja auch nur die eine Seite. Man macht es ja gerne, ich meine hey, ich werde Vater! Das ist der absolute Hit, aber klar, ein Zuckerschlecken ist es nicht.

Michael: Zwar streiten wir gelegentlich, aber es geht schnell vorüber. Ich habe sofort ein schlechtes Gewissen. Sie sitzt da, hochschwanger und weint. Nur, weil ich zu bequem war, das Geschirr mal eben weg zu räumen. Da ärgert man sich oft über sich selbst. Eigentlich ist es ja super, dass ich sie auf diese Weise entlasten kann.

Frank: Wenn es anders wäre, würde man sich schlecht fühlen. So leidet man gemeinsam.

Väterzeit: Fühlt ihr euch denn schon als Väter? Habt ihr schon begriffen, was da auf euch zu kommt?

Frank: Ich glaube, diese Mischung aus Erschöpfung und Vorfreude bereitet einen ganz gut auf die Sache vor.

Michael: Ich habe es erst so richtig im siebten Monat realisiert. Als der Bauch immer größer wurde und Anna immer weniger tun konnte. Vorher läuft ja alles fast normal weiter. Klar, sie war schwanger. Aber sie hat weiter gearbeitet, gekocht, gemacht. Jetzt merkt man, sie ist so richtig schwanger, mit großem Bauch, Müdigkeit, geschwollenen Füßen und so. Seitdem fühle ich mich wie im Rausch, möchte ihr alles abnehmen.

"Das Kamasutra kann man vergessen"


Väterzeit: Findet ihr eure Partnerinnen denn noch attraktiv mit dem dicken Bauch?

Frank: Sie war nie schöner.

Michael: Natürlich ist sie wunderschön. Hallo, sie trägt mein Baby!

Frank: Am Anfang habe ich mich auch gefragt, ob ich sie so kugelrund noch sexy finden werde. Und ja: das tue ich.

Frank: Ich liebe meine Frau über alles und finde, sie sind hinreißend aus. Aber vor kurzem stand sie vor dem Spiegel und nölte, sie wäre fett wie eine Mastkuh. Ich sagte daraufhin lächelnd zu ihr, ‚du siehst toll aus, so dick, so rund, so schwanger’. Daraufhin brach sie in Tränen aus und verschanzte sich eine halbe Stunde im Schlafzimmer. Versteh einer die Frauen.

Väterzeit: Ihr habt also Angst, eure Partnerinnen mit euren Aussagen zu verletzen?

Frank: So kann man das auch nicht sagen. Aber zur Zeit ist ja alles so durcheinander. Julia reagiert auf einige Sachen total empfindlich. Da will ich kein Risiko eingehen.

Michael: Gerade was Fragen über den Körper angeht, da gibt es wohl nur falsche Antworten.

Väterzeit: Habt ihr noch Sex?

Frank: Ja, bis vor kurzem schon. Jetzt nicht mehr, weil es wehenfördernd ist. Aber das heißt nicht, dass im Bett nichts mehr geht.

Michael: Also ich und Anna haben noch Sex.

Väterzeit: Und? Ist das anders?

Michael: Wegen dem Bauch? Klar, das Kamasutra kann man vergessen. Und so richtig wilder, animalischer Sex ist das auch nicht. Mehr so Kuschelsex, in Löffelchenstellung. Der schönste Sex, denn ich je hatte.

"Wunderschön, auf eine ganz besondere Art"


Väterzeit: Fühlen sich eure Frauen noch schön?

Frank: Mal so, mal so. Ich versuche ihr das Gefühl zu vermitteln und meine das auch so. Aber wie gesagt, sie fühlt sich irgendwie unförmig. Ich denke nicht, dass man als Mann in der Lage ist, ihr dieses Gefühl zu nehmen und ihr klar zu machen, dass sie wunderschön ist, auf eine ganz besondere Art.

Michael: Anna trägt ihren Bauch mit Stolz. Ich finde sie super sexy, so fraulich. Aber sie klagt auch über ihr Aussehen. Besonders schlimm findet sie, dass sie in keine ihrer alten Jeans mehr passt. Deswegen sag ich auch nichts, wenn sie Unsummen für Umstandsmode ausgibt. Sie muss sich ja auch gefallen.

Väterzeit: Für euch beide ist es in wenigen Wochen soweit. Ihr werdet Väter. Habt ihr an alles gedacht? Seid ihr gut vorbereitet?

Frank: Ja. Alles bereit. Notfallkoffer ist gepackt, Geburtshaus ausgesucht, Vorbereitungskurs absolviert. Ich wollte kein Risiko eingehen. Habe mich durch mehrere Väter-Ratgeber gekämpft - übrigens: fast alles Quatsch - und sogar das Kinderzimmer ist eingerichtet.

Michael: Toll, jetzt fühl ich mich schlecht.

Väterzeit: Warum?

Michael: Einen Koffer hab ich noch nicht gepackt und im Kinderzimmer ist auch noch nicht alles fertig. Aber daran liegt es nicht. Ich weiß noch nicht wirklich, wie das alles wird.

Das Interview führte Karsten Frei.

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