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Abendbrot von Papa


Abendbrot von Papa - Geschichten auf Tellern

Stinknormale Schnittchen? Das finden viele Kinder langweilig. Daniel Staffen-Quandt hat ein Buch geschrieben voller Ideen für schmackhafte Tellerbilder. Das ist lustig, regt zum Geschichten-Erzählen an - und vor allem zum Mitmachen in der Küche. Ralf Ruhl sprach mit dem Autor.

Witzige Stullen für kleine Genießer


Herr Staffen-Quandt, in Ihrem Buch geht es ums Abendessen. Sie haben ein Rezeptbuch geschrieben, aber kein Kochbuch...

Das ist richtig, gekocht wird hier nicht. Ich stamme aus Franken, da ist die Brotzeit als Abendessen normal. Und ich muss gestehen, ich esse gerne eine deftige Brotzeit.

Bei Ihnen kommt Gemüse aufs Brot, aber auch eine Scheibe Mortadella. Trifft das die Realität des Kindergeschmacks oder eher Ihren eigenen?

Ich bin kein Gesundheitsapostel. Je stärker das Essen mit Ge- und Verboten belegt ist, desto schwieriger wird es für die Kinder. Mir ist der Genuss wichtig, denn wenn das Essen nicht schmeckt, dann wird es nicht gegessen. Meinen Kindern will ich die Möglichkeit geben, vieles auszuprobieren. Man weiß ja inzwischen, dass man seine Essensvorlieben ein Leben lang behält. Da möchte ich nicht, dass die Kinder nur süß oder nur deftig mögen. Und es klappt! Mein kleiner Sohn mag Oliven, andere Kinder in seinem Alter verziehen dabei heftig das Gesicht. Er hat keine Scheu, etwas zu essen, was andere nicht mögen.

Mit Geschichten schmeckt’s besser


Zu Ihren Brottellern gehören Geschichten. Geht Essen heute nur noch mit einem anderen Medium?

Früher musste man beim Essen still am Tisch sitzen. Bei einem Freund von mir gab es zu den Mahlzeiten keine Getränke. Sonst sei der Magen voll und man würde keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, war das Argument. Ich fand das immer absurd. Meine Kinder dürfen auch mit dem Essen spielen, es auf dem Teller herumschieben und dabei komische Geräusche machen. Denn für Kinder ist alles Spiel. Allerdings ist klar, dass sie das, was sie sich selbst auf den Teller legen, auch aufessen sollen. Und selbstverständlich gibt es Grenzen: Auch der Resteverwertungspapa mag keine Karotte, die dreimal über den Fußboden gerollt ist.

Und dazu passen die Geschichten?

In vielen Familien, auch bei uns, sind beide Eltern berufstätig. Da ist die Familie oft nur zum Abendessen vollständig zusammen. Wann soll man sonst erzählen, was den Tag über wichtig war? Das gilt auch mittags, wenn die Kinder aus der Kita oder der Schule kommen. Dann haben sie das Bedürfnis zu reden, dem muss man Raum geben. Und dabei helfen die Geschichten, sie sind nicht nur Appetit-, sondern auch "Kommunikationsanreger". Sie haben übrigens alle einen "wahren Kern": Sie sind entweder beim Essen entstanden aus dem, was die Kinder erzählt haben. Oder die Brote waren die Vorlage, eine Geschichte gemeinsam zu erfinden. Hinzu kam ein praktischer Grund: Meine Frau kam als Uni-Dozentin abends öfters mal später nach Hause. Ich wollte dann mit ihr gemeinsam essen, wenn die Kinder schon im Bett oder mit etwas anderem beschäftigt waren. Die Kinder fanden es aber blöd, wenn ich nur einfach so daneben saß und ihnen beim Essen zugeschaut habe. Und einfach normale belegte Brote waren ihnen zu öde. Da kamen die Tellerbilder mit den Geschichten fast von selbst.

Kinder wollen mitmachen!


Was war zuerst da, das Bild, die Geschichte, oder das Essen?

Im Anfang war das Brot, historisch gesehen jedenfalls. Ich hatte eine Scheibe Brot mit Frischkäse bestrichen und entdeckte, dass sie die Silhouette eines Rennwagens hatte. Da mussten noch die Räder dran und der Fahrer eingesetzt werden, fertig. Inzwischen wünschen sich die Kinder Motive, so ist der Roboter entstanden oder auch die Rakete.

Sind die Kinder auch beim Abendbrotmachen aktiv?

Unbedingt. Anfangs fanden sie die Idee mit den Bildern einfach witzig. Inzwischen wollen sie mitmachen; je nach Alter schnippeln sie eine Gurke oder schälen die Karotten. Ich finde es wichtig, dass sie mitarbeiten. Schließlich sind die Väter auch Rollenvorbilder. Essen zubereiten, das kann auch der Papa. Die Küche ist ja längst nicht mehr, wie früher, der Raum der Mutter, zu dem nur sie Zutritt hatte oder in dem sie allein das Sagen hatte. Die Kinder müssen doch irgendwann lernen, sich selbstständig zu ernähren, dazu gehört auch das Zubereiten der Mahlzeit. Und später steht der Junge dann nicht ratlos vor der Tüte mit den Spagetti und fragt sich, wie die nun weich werden, damit man sie um die Gabel wickeln kann. Insofern ist mein Buch auch eine Aufforderung an die Väter, ihre Kinder in der Küche mitmachen zu lassen.

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