väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

unterstützt von
FolioMen
zur Druckansicht

Gute-Nacht-Geschichten von Papa - Warum das Vorlesen so wichtig ist


Bild: Smolina Marianna – 517312831 / Shutterstock.com

„Liest du mir noch eine Geschichte vor, Papa?“ wird von vielen Kindern auch in der digitalisierten Welt noch häufig vor dem Einschlafen verlangt. Seinen Kindern aus Büchern vorzulesen, gehört seit jeher zu einer gesunden Erziehung dazu. Es fördert nicht nur die Vater-Kind-Bindung, sondern hat auch positive Auswirkung auf die Kompetenzen und Fähigkeiten der Kleinen. Warum das Vorlesen so wichtig ist, erfahren Sie hier.

Die Gute-Nacht-Geschichte darf nicht als zusätzliche Belastung gesehen werden, wenn es dem Kind, unbeachtet des harten Tages des Erziehungsberechtigten, nach einer Runde Vorlesen verlangt. In der Regel lesen mehr Mütter als Väter ihren Kindern vor, was vor allem an der alten Rollenverteilung liegt. Die Väter arbeiten meist länger und haben auch für recht simple Sachen wie dem Vorlesen nicht mehr die Muße. Zu den häufigsten Aussagen von Vätern, die ihren Kindern nicht vorlesen, zählen:
  • „Es genügt, wenn die Frau vorliest.“
  • „Die Frau kann besser vorlesen.“
  • „Ich habe nicht genug Zeit.“
  • „Die Kinder sind es gewohnt, wenn die Mutter vorliest.“
  • „Mein Kind schläft schon, wenn ich nach Hause komme.“
Dies sind alles schlechte Gründe, seinem Kind nicht vorzulesen. Selbst wenn man abends spät nach Hause kommt, sollte man an anderen Tagen Zeit für sein Kind finden. Denn ist es sehr wichtig für die Entwicklung des Kindes, wenn es Geschichten erzählt bekommt, nicht nur von der Mutter, auch vom Vater.

Kleine Kinder sind mit einer Neugier ausgestattet, die ihresgleichen sucht und beim Älterwerden bei den meisten natürlicherweise abnimmt. Durch diese Neugier erfährt das Kind zahlreiche neue Einzelheiten über die Welt und versucht diese zu verknüpfen.

Phantasie entwickeln durch Zuhören


Darüber hinaus entwickeln die Kinder durch Geschichten ihre Phantasie, die wichtig ist, um Zusammenhänge zu erkennen und verschiedene Dinge miteinander zu verknüpfen. Der Leser bzw. in diesem Fall auch der Zuhörer wird in fremde Welten entführt und quasi gezwungen, sein Vorstellungsvermögen anzustrengen. Und was könnte die Phantasie besser anregen als Kinderbücher über Feen und Wichtel?

Die Autorin Kristin Franke schreibt nicht nur Kinderbücher, sondern hat auch Türen entworfen, über die ebenjene Fabelwesen in unsere Welt herüberwandern können. Schmücken solche Wichtel-, Feen- oder Elfentüren zusätzlich das Kinderzimmer, entsteht der Eindruck einer in sich schlüssigen (Traum-)Welt für Kinder.

Die Autorin beschreibt dies folgendermaßen:
„Es ist ein Bruch in der Fiktion, den ich reizvoll finde. Normalerweise bleiben die fiktiven Figuren in ihrer Geschichte. Klappt das Buch zu, sind sie weg. Mit einer Feentür kann man sich aber genau diesen heilsamen Zauber nach Hause holen. Die Tür an der Wand lässt sich nicht öffnen bzw. nur magische Wesen können das. Somit können sich Kinder alles Mögliche dahinter vorstellen und sich in ihrer grenzenlosen Fantasie ihre eigene Fee, ihren eigenen Wichtel oder Elf dahinter erschaffen.“
Bei Kinderbüchern, Märchen und Geschichten, die nicht auf einen ausschmückenden Erzählstil zurückgreifen, wird die Phantasie der Kinder besonders angeregt, da sie kein vorgefertigtes Bild vorgelegt bekommen, sondern die Welt zu großen Teilen mit ihren eigenen Gedanken erschaffen müssen.

Sprach- und Lesefähigkeiten fördern


Das ist für die Entwicklung der Phantasie bzw. des schöpferischen Denkens von entscheidender Bedeutung. Vor allem im Alter zwischen 3 und 7 Jahren werden diese Bereiche im Gehirn besonders ausgeprägt. Dennoch kann man kaum zu früh mit dem Vorlesen anfangen.

Selbst für Babys eignen sich Bücher, um die Sprachentwicklung bereits in den jüngsten Jahren zu fördern. Beginnen sollte man aber am besten nicht mit Tolstoi, sondern mit Pappbilderbüchern, die von Babys auch in den Mund genommen oder heruntergeworfen werden können. Neben der Phantasie werden aber auch noch andere Kompetenzen der Kinder durch das Vorlesen gefördert:
  • Die (zukünftige) Lesebereitschaft wird stark erhöht.
  • Während der Vorlesezeit haben die Kinder die volle Aufmerksamkeit des Vaters.
  • Es entsteht eine enge Bindung zwischen Vater und Kind.
  • Die Kommunikations- und Sprachfähigkeiten des Kindes werden verbessert.
  • Nach dem routinemäßigen Vorlesen fällt das Einschlafen leichter.
Nicht nur, dass das Vorlesen vor dem Einschlafen als Ritual angesehen werden kann und dadurch Struktur und Ordnung – zumindest zum Teil – im Tagesablauf Einzug halten, sondern Vater und Kind gehen dadurch auch eine andere Beziehung ein.

Kinder benötigen zum Einschlafen Ruhe und Routine. Neben dem gemeinsamen Abendessen und Fertigmachen für das Bett eignet sich eine Gute-Nacht-Geschichte ideal, um von den Strapazen des Tages Abstand zu gewinnen. Das gilt übrigens nicht nur für das Kind, auch der Vorleser kann durch ein Abtauchen in die Phantasiewelt Alltagssorgen vergessen.

Bindung aufbauen


Man kuschelt sich zusammen ins Bett oder aufs Sofa und das Kind entwickelt so eine feste(re) Bindung zum Vater. Dabei können sie ihrer Phantasie beim Zuhören freien Lauf lassen oder sich die Bilder anschauen. Häufig kommt es vor, dass Kinder immer wieder die gleichen Geschichten oder Passagen hören möchten, da sie ihre Lieblingsbücher in- und auswendig kennen wollen. Seien Sie hier gnädig und freuen sich auf eine Verbesserung ihrer Performance, wenn Sie selbst durch wiederholtes Vorlesen die Geschichte auswendig können.

Ihr Kind hat dabei die Möglichkeit, ganz besonders Ihre Nähe zu spüren und fühlt sich dadurch geborgen. Anschließend fällt auch das Einschlafen leichter, vor allem, wenn daraus eine Routine oder Ritual geworden ist. Natürlich muss für das Wohlbefinden eine gemütliche Atmosphäre frei von Streit und Stress herrschen, damit sich auch die Wichtel aus ihren Behausungen trauen und über die Träume der Kinder wachen können. Hier stehen natürlich die Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund, die Besprechung von Streitpunkten und erzieherische Maßnahmen sollten auf einen anderen Zeitpunkt verschoben werden.

Man muss zwar nicht mit Action vorlesen, während der Geschichte ist es aber wichtig, lebendig zu lesen bzw. zu erzählen. Zum einen hören die Kinder dann besser zu und zum anderen fördert es die Lesebereitschaft der Kleinen in der Zukunft, wenn man es schafft, Spaß und Begeisterung beim Lesen zu vermitteln. Wer auf dem Gebiet des Vorlesens nicht so bewandert ist oder gar Versagensängste hat, der sollte sich vor dem Auftritt Tipps zum Vorlesen anschauen.

Kommentar zu diesem Thema schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:
Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

zur Druckansicht