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Kinder ohne Zwang zu mehr Bewegung motivieren


Kinder in Bewegung beim SeilspringenBild: ©Robert Kneschke@fotolia.com - Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Wie aber lässt sich dieser in Zeiten digitaler Medien und ständiger Ablenkung noch fördern?

Ausreichend Bewegung ist für die gesunde körperliche Entwicklung von Kindern wichtig. Das weiß jeder Vater. Und dass sich die meisten Kinder nach wie vor zu wenig bewegen ebenfalls. Oder zumindest besteht der Verdacht, wenn man beobachtet, wie viel und gerne die Kleinen lieber vor dem Smartphone oder TV sitzen, als raus zu gehen und zu toben.

Und Studien, wie die repräsentative Kiggs-Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) unterstreichen diesen Verdacht. Bei der Langzeitstudie "Momo" werden noch bis 2020 rund 18.000 Kinder in drei Wellen untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Im Alltag vieler Kinder herrscht Bewegungsmangel. Das lässt sich nicht schönreden.

Was viele Väter so auch nicht wissen, ist: Wie schafft man es, den Nachwuchs zu mehr Bewegung zu bringen, ohne ihn dazu zu zwingen und ohne zu viel Druck auszuüben?

Eine Vorbildfunktion einnehmen


Bewegung beginnt nicht erst beim Sport. Bewegung beginnt bei alltäglichen Handlungen. Und diese alltäglichen Handlungen schauen sich Kinder oftmals von ihren Eltern ab. Genau, wie sie sich auch andere Dinge von den Eltern abschauen und sie nicht selten dadurch irgendwann zur Gewohnheit werden lassen. Internationale Forscher kamen sogar zu dem Schluss, dass Kinder bis ins Kleinste imitieren, was Erwachsene vormachen. Und da die Eltern nun mal meistens die präsentesten Bezugspersonen sind, imitieren sie eben genau deren Verhalten.

Was den Umgang mit Medien, das Ernährungsverhalten und die Kommunikation untereinander angeht, gilt somit auch für die Bewegung: Die Kinder lernen in der Familie. Väter, die abends gerne vor der Glotze sitzen oder Computerspiele spielen und am Smartphone rumtippen, müssen sich nicht wundern, wenn die Kinder abends auch ungerne ein Buch in die Hand nehmen. Und Väter, die die Rolltreppe nehmen, werden wohl keine treppensteigenden Kinder großziehen.

Auf verschiedene Kleinigkeiten sollten Väter (neben etwa dem Treppensteigen) also achten:
  • Sie sollten zum Einkaufen oder zu anderen Orten in der Nähe laufen oder Radfahren, statt das Auto zu nehmen. Wollen die Kinder mit, müssen diese sich auch bewegen und gewöhnen sich daran, auf diese Weise kleinere Strecken zurückzulegen
  • Sie sollten davon schwärmen, wie gut es tut, aktiv gewesen zu sein und wie viel entspannter sie sich danach fühlen
  • Sie sollten selbst Sport treiben und die Kleinen vielleicht mal mit dorthin nehmen, damit diese sehen, wie viel Spaß das machen kann und damit die Lust geweckt wird
  • Sie sollten den Kindern zeigen, welche Übungen oder Bewegungen beim Sport besonders viel Spaß machen und zum Beispiel einen kleinen Wettbewerb innerhalb der Familie ins Leben rufen. Das motiviert die Kleinen von ganz alleine, sich reinzuhängen und sich viel zu bewegen
Übrigens sind Väter gerade für Jungen absolute Bewegungsvorbilder. In einem Interview, das wir mit Prof. Dr. Klaus Bös geführt haben, sagte der Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft und Vorsitzender des Forschungszentrums für den Schulsport (FoSS) am KIT (Karslruher Institut für Technologie): "Jungen ahmen den Gang von Papa nach, imitieren Fußballstars oder Filmfiguren – gerade auch in den Bewegungsabläufen. Wie ein Mann geht und sich bewegt kann ein Junge nur von einem Mann lernen. Aber hier haben wir das Problem, dass Erziehung ein fast ausschließliches Frauenterrain ist: Mutter, Tagesmutter, Erzieherin, Grundschullehrerin – auch an den Gymnasien unterrichten inzwischen deutlich mehr Frauen als Männer."

Für Väter von Jungs gilt somit in besonderer Weise, darauf zu achten, ein sportliches und aktives Vorbild darzustellen.

Die Rahmenbedingungen für Bewegung optimieren


Kind spielt im SandkastenBild: ©Ekaterina Pokrovsky@fotolia.com - Manchmal reicht es schon, einen Sandkasten und eine kleine Rutsche aufzustellen und schon sind die Kleinsten stundenlang mit sich selbst und körperlich beschäftigt
Ein natürlicher Bewegungs- und Aktivitätsdrang ist in jedem Kind angelegt. Doch häufig stimmen die Rahmenbedingungen einfach nicht. Dann muss eigentlich nur an den richtigen Stellschrauben gedreht werden, damit sich die Kleinen von ganz alleine bewegen, rumtoben und Spaß am Aktivsein haben. Doch welche Rahmenbedingungen sind gemeint?
  • Es geht darum etwa Bewegungsmöglichkeiten auch in den eigenen vier Wänden und etwa im Garten zu schaffen. Wenn zu Hause die einzige Unterhaltungsmöglichkeit die Spielkonsole oder ein Buch ist, dann wird bevorzugt zum ersteren gegriffen. Und beim Lesen bewegen sich die Kinder auch nur geistig vorwärts. Vor allem Väter sollten hier die Initiative ergreifen und ihre handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Eine Reckstange im Türrahmen ist noch recht schnell installiert und ein Trampolin im Garten oder Wohnzimmer ist ebenfalls unkompliziert aufgestellt. Doch wenn ein kleiner Kinderspielplatz im Garten nebst selbstgebautem Sandkasten errichtet werden soll, wird es schon aufwendiger. Doch genau dieser Aufwand zahlt sich aus und bringt, wenn dabei an die wichtigsten Dinge gedacht wird, im Nachhinein eine Menge Spaß an der Bewegung. Außerdem können die Kleinen vielleicht schon beim Bau des Spielplatzes mithelfen und kommen somit alleine schon hierbei ins Schwitzen.
  • Jugendliche ab der Pubertät sträuben sich meist irgendwann gegen die Hausarbeit. Kinder dagegen halten es oftmals kaum aus, wenn Papa den Boden saugt oder mit dem Hund Gassi geht. Sie wollen das übernehmen und zeigen, dass sie schon groß und in der Lage sind, Aufgaben verantwortungsvoll zu erledigen. Warum die Kleinen also nicht regelmäßig in die Hausarbeit einbeziehen? Das spart den Eltern Arbeit und die Kleinen lernen, wie alles richtig gemacht wird und bewegen sich dabei oftmals mehr, als man für möglich halten mag.
  • Eine Grundregel, die sich alle Eltern merken sollten: Es gibt keine unsportlichen Kinder, sondern höchstens die falschen Sportarten. Denn irgendetwas macht einem Kind immer Spaß. An den richtigen Stellschrauben drehen bedeutet im Bezug auf Sport also: Mit dem Kind alle möglichen Sportarten ausprobieren, Vereine abklappern und ihm die Möglichkeit geben, die eine (oder natürlich gerne auch mehrere) Sache zu finden, die wirklich Spaß macht und bei der die Bewegung nicht wie eine anstrengende Aufgabe wirkt.
  • Fußball, Handball und Schwimmen mögen naheliegen – Sie sind aber für ein Kind vielleicht absolut uninteressant. Warum nicht also auch mal zum Klettern, Rudern, Slacklining oder Yoga fahren, um sich etwas ganz Anderes anzuschauen?

Spannende Bewegungsspiele und -geräte, statt langweiligem Sport


Kinder spielen TauziehenBild: ©JackF@fotolia.com - Stehen die richtigen Geräte zur Verfügung, werden sie oft auch liebend gerne eingesetzt. Ein einfaches Seil etwa kann zum Tauzieh-Wettbewerb führen, nachdem alle ausgepowert sein dürften.
Wenn den Kleinen der "normale" Sport zu langweilig ist, wenn ihnen die anderen Kinder in einer Mannschaft auf die Nerven gehen oder wenn sie einfach lieber häufig viele verschiedene Dinge machen, dann sollten Eltern den Rahmen für spannende Bewegungsspiele schaffen. Einerseits, indem sie einfach mitspielen, bzw. sich mitbewegen und andererseits, indem sie den Kleinen diverse dieser Spiele zeigen oder die dafür notwenigen Geräte anschaffen (die in der Regel keine großen Investitionen darstellen).

Gemeinsam bewegt wird sich am besten im Rahmen von Ausflügen. Mit Papa zum Skatepark oder zur Boulderhalle oder abends auf die Eisbahn – das ist spannend und den Kleinsten vor allem auch noch nicht peinlich. In der Pubertät kann sich das natürlich auch wieder ändern. Auch können auf Radtouren oder Spaziergänge durch Felder, Wiesen und Wald, Dinge, wie eine Frisbee, ein Wurfheuler oder ein kleiner Fußball mitgenommen werden. Die eigentliche Tour erscheint den Kindern dann gar nicht mehr so anstrengend, weil sie sich auf die Spiele zwischendurch freuen. Ebenfalls cool: Geocaching – die moderne Schnitzeljagd, die Eltern genauso viel Spaß machen dürfte, wie den Kleinen.

Und in den eigenen vier Wänden sorgen eben die richtigen Hilfsmittel dafür, dass Kinder ganz von alleine von Couch und Schreibtisch aufstehen und die Wohnung zum Spiel- und Sportplatz machen. Bei genügend Platz empfehlen sich:
  • Schwung- und Rhythmiktücher
  • Hüpfpferde und Hüpfbälle
  • Balance-Scheiben mit Labyrinth
  • Springseile
  • Trampolins
  • Pedalos
  • Rollbretter
  • Kriechtunnel
Im Garten oder Hof wiederum können vorhanden sein:
  • Diabolo
  • Hamsterrolle
  • Hüpfgummis
  • Hüpfsäcke
  • Steine und Baumstämme zum Balancieren
  • Selbstaufgebaute Hindernisläufe
  • Rasensprenger, durch den im Sommer gehüpft wird
  • Diverse Bälle und Schlägerspiele.

Das Sicherheitsbedürfnis aufgeben


Abschließend wollen wir vor allem eben auch allen besorgten Vätern mit übertriebenem Beschützerinstinkt ans Herz legen, diesen doch im Sinne der körperlichen Gesundheit der Kinder einmal im Zaum zu halten. Denn ebendiese Gesundheit ist durch ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis eher gefährdet, als gesichert.
Denn diverse Fähigkeiten und Eigenschaften, die Kinder während sie sich bewegen, während sie aktiv experimentieren und Dinge ausprobieren oder auch einmal riskieren, lernen, gehen verloren, wenn Eltern sie immer kontrollieren und zurückhalten.

Das sind etwa hochkomplexe Abläufe, die eben immer und immer wieder gemacht werden müssen, bis Kinder sie wirklich verinnerlicht haben. Wie etwa, Hindernisse möglichst schnell und ungefährlich zu überwinden oder den Sprung von einer Mauer so abzufedern, dass er nicht weh tut. Oder ein Gefühl für Nähe und Entfernung im Rahmen von Bewegung zu entwickeln.

Doch wenn Papa ständig verbietet oder sagt, dass etwas zu gefährlich ist, dann bleibt das erlaubte Bewegen eben auch langweilig. Und dann verkümmert das Interesse an der Bewegung im schlimmsten Fall eben sogar irgendwann, denn dann wird Bewegung jedes Mal mit Langeweile assoziiert. Viel besser als sich ständig Sorgen zu machen, ist es also, zu denken: "Ein aufgeschürftes Knie oder ein paar blaue Flecken in der Kindheit verhindern einen Oberschenkelhalsbruch oder Knochenbrüche als Erwachsene."

Natürlich kann es nie schaden, dafür zu sorgen, dass die Kleinen beim Toben dennoch gut geschützt sind. Ihnen etwa zu zeigen, wie man am besten fällt, ohne sich weh zu tun und dass man sich am besten immer aufwärmen und dehnen sollte, bevor starke Verrenkungen und komplizierte Bewegungsabläufe ausgeführt werden, ist sinnvoll. Und wenn die Kinder schnell unterwegs sind und stürzen können – etwa beim Skaten, Radfahren oder auch beim Slacklining – sollte zumindest ein Helm auf den Kopf und gegebenenfalls Schützer an Knie, Ellenbogen und Handgelenke.

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