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Städtetrip Hamburg: Kurzurlaub mit Kindern


Städtetrip HamburgBild: icephotography@fotolia.com

Mal rauskommen am Wochenende. Etwas mit den Kindern unternehmen. Als Erwachsener daran genauso Freude finden. Wo es nichts ausmacht, wenn es regnet. Wo man einfach hinkommt, auch ohne Auto. Dann ist eine Städtetrip ideal. Und Hamburg ist für einen Kurzurlaub mit Kindern und Familie gut zu erreichen.

„Nee“, sagt Max. „Will ich nicht. Dann rennt ihr immer in ein Museum und das ist langweilig.“ OK. Kurz durchatmen und schnell mit der Liebsten beraten, wie diesem Widerstand des Achtjährigen zu begegnen ist. „Hamburg“, sage ich. „Pauli oder HSV?“ „Weder noch, die haben spielfrei“. „Dann nicht“. „Da gibt’s einen riesigen Tierpark, mit Hotel nebenan.“ „Mit Krokodilen? Und Haien?“ „Klar, aber nicht im Hotel“. „Haha. Aber kein Museum.“ „Auch keins, in dem man Schokolade selber machen kann?“ „Okayhay“ kommt es zögerlich. Jetzt auf der Siegerstraße nur nicht falsch abbiegen. „Und Radau kommen ja auch aus Hamburg.“ „Dann darf ich aber die ganze Fahrt über CD hören“. „Aber nicht beim Essen, Erzählen und Witze-machen“, werfe ich pädagogisch gekonnt noch ein. Max hebt die Hand zum Abklatschen.

Hamburg-Städtetrip: Das Hotel


Nur 20 Minuten brauchen wir mit der U-Bahn vom Hamburger Hauptbahnhof bis zur Station Hagenbeck. Wohin wir müssen, ist sofort sichtbar: Eine riesige Giraffe des Kasseler Künstlers Stephan Balkenhol weist den Weg. Von außen erinnert das Lindner Park Hotel Hagenbeck an einen 70er-Jahre-Zweckbau, super-renoviert, natürlich. Hinter der Drehtür ist der erste Eindruck gediegen. Selbstverständlich gibt es einen eigenen Kinder-Check-In mit Treppe zum Tresen. Aber Max ist ja schon groß und schaut eher gelangweilt zu den Vierjährigen, die immer wieder die drei Stufen rauf und runter rennen. Der Check-In geht wunderbar schnell.

Und schon fahren wir mit dem Fahrstuhl in unser Stockwerk. Die Lift-Kabine erinnert an eine Schiffskabine, mit Holzplanken und Bullauge. An der Wand hängt eine Weltkarte aus dem Jahr 1850. Das passt, schließlich sind wir auf Expedition nach Afrika. Beim Aussteigen empfängt uns ein direkt auf den Erdteil (bei der Reservierung kann man zwischen Afrika und Asien wählen) abgestimmter Duft, so wurde uns an der Rezeption erklärt. Keine Bange, nicht nach Elefanten-Dung oder Gnu-Pipi. „Schade“, hatte Max grinsend erwidert. „Lecker, anregend“, meint meine Liebste mit einem interessanten Seitenblick. Auf Afrika soll auch die Einrichtung der Zimmer einstimmen. Über dem Bett ein Assegai, ein südafrikanischer Speer. Und im Bad sieht das Waschbecken wie eine große Bongo aus. Groß genug sind die Familienzimmer in jedem Fall; hier können wir uns auch tagsüber ausruhen, ohne uns auf die Nerven zu gehen.

Kurztrip nach Hamburg: Restaurant mit guter Kinderkarte


Zum Abendessen gehen wir ins Hotel-Restaurant Augila. Auf der Kinderkarte steht überraschend mehr als Chicken-Nuggets und Pommes, auch einfallsreiche Gemüsegerichte sind zu haben. Oder man bedient sich am Buffet. Was Max ausgiebig tut, vor allem an der Ketchup-Flasche. Erstaunlicherweise kommt kein Kommentar meiner Liebsten. Was ich ihr hoch anrechne, schließlich wollen wir zu dritt eine schöne Zeit erleben. Wo wir schon beim Essen sind: Auch zum Frühstück gibt es eine besondere Kindertheke. Mit verschiedenen Brötchen, Brot, Müsli, Cornflakes, Obst – und zum Aufstrich natürlich Nutella. Aber auch Marmeladen, Wurst, Käse. Wer will, kann sich also durchaus vegetarisch durchfuttern.

Max gefällt am besten die Honigwabe. An der kann man sich Honig abkratzen fürs Brötchen, man kann sich aber auch ein Stück abschneiden und mit Wabe probieren. „Ist gar nicht so süß“, meint Max, der Experte für Zuckerhaltiges, „und ist sonst ein bisschen wie Kaugummi.“ Der Honig stammt von der Imkerei Heimann, deren Bienenstöcke auch auf dem Hotelgelände stehen. Die kann man sogar vom Speisesaal aus sehen. „Aber Stech-Gefahr besteht nicht“, betonen die Hotel-Mitarbeiter. Und erklären, dass der Honig deshalb so viele unterschiedliche Aromen bietet, weil die Bienen sich sowohl am Küchengarten als auch an den vielen unterschiedlichen Bäumen im Tierpark bedienen.

Hamburger Kolonialstil: Reste des kolonialen Erbes


Nach dem Essen noch ein Cocktail in der Baobab-Bar. Für Max ohne Alkohol, schön fruchtig. Für die Eltern mit, ebenfalls schön fruchtig. Wir schauen uns um und spüren (nein, nicht den Alkohol), dass wir uns schon ein wenig in einer anderen Welt fühlen. Die Lobby ist gestaltet wie es in der Zeit der Expeditionen und der Gründung des Tierparks üblich war. Kolonialstil eben, dunkel, an den Wänden Stiche mit Krokodilen, Büffeln und anderen Tieren, auf einem Sims eine tönerne asiatische Prozession, die den Fürsten und sein Gefolge auf seinen Elefanten darstellt. Ja, Kolonialismus. War weder für die Tiere, noch für die kolonialisierten Völker angenehm. Aber es geht um Dekoration, nicht um eine historische Ausstellung. Dennoch wäre der eine oder andere Hinweis, dass nicht nur in artgerechten Netzen gefangene Tiere unter bester medizinischer Betreuung zur Anschauung durch ein fachkundliches und freundliches Publikum nach Hamburg verfrachtet wurden, einfach ehrlich. Für Max ist toll, dass dort auch verschiedene Tierbücher ausliegen. So kann er genau schauen, was er am nächsten Tag im Tierpark unbedingt sehen will. Und am Abend könnte er noch einmal nachschauen, wie die Tiere in ihrem ursprünglichen Lebensraum herumstreifen. Wenn er nicht zu müde wäre...

Tierpark Hagenbeck: Für jeden ein Erlebnis


Aber selbstverständlich muss er am nächsten Morgen früh raus. Schließlich geht es in den Zoo. Schon falsch, Tierpark heißt dieses Gelände, gerade mal 300 Meter vom Hotel entfernt und logischerweise gut zu Fuß zu erreichen. Am Eingang werden wir von Dienern begrüßt, sehr freundlich nicken sie uns in ihren rot-weißen Anzügen und den weißen Hüten zu. Und sind überhaupt grundsätzlich für alles ansprechbar. Wie z.B. wo die Elefanten sind und wo man einen Bollerwagen zum Kleinkindertransport bekommt.

Für alles andere ist heute Michelle Baensch zuständig. Sie hat Biologie studiert und arbeitet als Pädagogin in der Zooschule. Mit unserer Gruppe geht sie zunächst in den Schulraum. Der ist nicht gerade geräumig und wirkt improvisiert, sprich unterfinanziert. Tische stehen da, in alten Konservendosen finden sich Stifte und Pinsel, Papier liegt aufgerollt in Kellerregalen. 1800 Tiere leben im Tierpark, erzählt Baensch, sie brauchen täglich für gut 4000 Euro Futter. Stolz sind die Betreiber vor allem auf die 29 bedrohten Tierarten, die hier gepflegt und gezüchtet werden, überwacht vom Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramm.

Tierpark Hagenbeck: die Zoo-Schule



Dann greift sie ins Terrarium und holt eine Schlange heraus. Die züngelt ein wenig, die meisten Kinder wissen, dass das ihre Art zu riechen ist. Gefuttert hat sie schon, giftig ist sie auch nicht, also wollen Max und die anderen sie gern auf den Arm nehmen. Aber nach dreimal weiterreichen ist Schluss, menschliche Kinder werden ja auch nicht gern von Schoß zu Schoß zum Streicheln übergeben. Natürlich regnet es, wir sind ja in Hamburg. Macht aber nix, wir können Schirme leihen.

Schnell wird deutlich, warum dieses Areal Tierpark heißt. Große alte Bäume stehen dort, von Mammutbaum bis Gingko. Eine chinesisch anmutende Brücke führt über einen Wasserlauf, neben einer Buddha-Statue tummeln sich Enten. So entsteht der Eindruck von Weitläufigkeit, obwohl jeder weiß, dass der Raum begrenzt ist und die Wege durch das Gelände mäandern.

Tierpark Hagenbeck: die Polarlandschaft



Max will etwas sehen, was es nicht in jedem Zoo gibt. So machen wir uns auf zum Nordpol. Schon zur Eröffnung 1907 war im Tierpark eine Nordlandschaft zu bewundern. Die wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und erst vor wenigen Jahren in ihrer heutigen Gestalt wieder aufgebaut. Inzwischen umfasst sie über 8000 Quadratmeter, und ganz unnatürlich tummeln sich dort Eisbären und Pinguine. Natürlich nicht im selben Gehege.

„Boah, stinkt das hier nach Fisch“, ruft Max. Wir haben Glück, denn wir stehen direkt vorn am Gehege, als die Fütterung der Königs- und Eselspinguine beginnt. Daher der Geruch, schließlich sind die flugunfähigen Wasservögel keine Vegetarier. Mich beeindrucken die Walrosse und Robben, die gut sichtbar hinter Glasscheiben ihre Bahnen ziehen. „Trotz Fettschicht bewegen sie sich ganz behände“, meint meine Liebste, „bewundernswert.“ Und ich spüre, wie ich ganz unwillkürlich den Bauch einziehe.

Tierpark Hagenbeck: Fütterung von Mensch und Dinosaurier



Dann muss selbstverständlich eine Pizza her, schließlich wollen nicht nur die Pinguine gefüttert werden. Hochklassig ist sie nicht, aber hochpreisig, aber so ist das eben in Tier- und anderen Parks, die zum Vergnügen erholungssuchender Städter angelegt wurden. Schaufütterungen finden von 11.00 bis 15.30 statt, viele Anekdoten werden erzählt, Kunststücke vorgeführt und jede Menge Fragen zu den Tieren gestellt – und selbstverständlich auch beantwortet. Elefanten und Giraffen dürfen auch die Besucher Gemüse und Obst zuwerfen. Max will am liebsten gleich den Mund des kleinen Elefanten treffen, aber der läuft erschreckt ein paar Meter weiter.

Einer seiner Vorfahren, der Stegosaurus, läuft nicht weg. „Sind die nicht ausgestorben?“, fragt Max. Klar. Aber Dinos sind hier trotzdem zu bewundern. Vor über 100 Jahren hat der Bildhauer Josef Pallenberg sie geschaffen, und noch heute sehen sie ziemlich echt aus. Trotz aller Jurassic-Park-Filme. Und sie sind richtig gut in die Landschaft eingepasst, haben einen eigenen Teich und sehen aus, als würden sie gerade einen Familienausflug in den Tierpark machen...

Schokoladen-Museum in Hamburg: Chocoversum


Den nächsten tag haben wir halbe-halbe geplant. Das heißt, Max darf einen Besuch bestimmen, wir Erwachsenen einen anderen. Er wählt das Schokoladen-Museum. Chocoversum heißt es, die zugehörige Firma Hachez. Selbstverständlich hat Max bei der Sendung mit der Maus aufgepasst und weiß, dass die Schokolade aus Kakaobohnen gewonnen wird. Und zwar nicht aus dem Weißen, sondern aus den Kernen. Und dass die getrocknet und geröstet werden. Aber es ist schon erstaunlich, das noch einmal direkt vorgeführt zu bekommen an klassischen Maschinen, den Duft und die Röstaromen zu riechen...

Allerdings seien auch immer wieder ganze Schiffsladungen verfault oder verschimmelt, erklärt uns der Gästeführer, der uns 90 Minuten lang durch das Chocoversum leitet. Das sei auch einer der Gründe gewesen, warum die Elbphilharmonie so teuer geworden sei: Die Fundamente der alten Lagerhäuser, auf denen sie steht, hätten wegen des Schimmels grundsaniert werden müssen.

Chocoversum Hamburg: Fußballschokolade



Das interessiert Max nicht so, aber Seemannsgeschichten über Frachtschiffe, Stürme und Abenteuer hört er gern. Und auch, wie Milch, Aromen und Zucker zusammengerührt werden. Dann, endlich, ist es so weit: FC Sankt Pauli. Was der mit Schokolade zu tun hat? Jeder Besucher füllt eine Form mit Schokomasse und darf sie verzieren. Max wählt Nüsse und braun-weiße Knusperkrümel. „Die sind in den St. Pauli-Farben“, freut er sich. Das ist so gewollt, eine Woche vorher gab es blau-weißen HSV-Krokant zum Verknuspern. Aufpassen muss Max allerdings, denn die Schokomasse ist richtig heiß, die Form darf nur mit Handschuhen angefasst werden. Dann kommen die Tafeln für eine Viertelstunde in den Kühlschrank. Währenddessen schnuppern wir an Aromen, testen Zutaten, bewundern alte Maschinen.

Nach 20 Minuten werden wir wieder zum Kühlschrank geführt, der Gästeführer verteilt die Tafeln. Hübsch verpackt wird sie noch, mit Schleifchen und Bändern. Max würde sie am liebsten sofort aufessen (ich meine auch), aber wir haben ja 50:50-Tag. Weshalb es jetzt noch an die Elbe geht. Und dafür brauchen wir schließlich Proviant.

An der Elbe


Ja, natürlich kann man wunderbar mit einem der Ausflugsschiffe mit stolzen zwölf km/h über die Alster tuckern. Aber das dauert stundenlang, man muss sitzen, kann außer Kaffee-Trinken und Würstchen-Essen nichts machen – und das behagt Max gar nicht. Weswegen wir die wesentlich kostengünstigere Variante wählen und mit dem Linienboot, das zu den Hamburger Verkehrsbetrieben gehört, die Elbe entlang fahren. Das geht mit einem einfachen HVV-Ticket, mit der Hamburg-Card sogar noch günstiger.

Es stimmt schon, hier an Bord erzählt niemand launige Geschichten über die Frachter, die aus Fernost anlegen oder abfahren, auch keine Anekdötchen über alte Kapitäne und Hafenmeister. Ist eben wie Bus fahren auf dem Wasser. Aber die riesigen Kräne und die Containerschiffe sehen wir trotzdem, werden von den Bugwellen ein wenig durchgeschüttelt.

Museumshafen Övelgönne


Bei den auf schnelle und unfallfreie Logistik ausgelegten, weitestgehend digitalisierten und maschinenbetriebenen Hafenanlagen fahren ein paar große Autos herum, die Kräne bewegen sich, manchmal sieht man, wie eine Last auf ein Schiff gehievt wird. Von Seefahrer-Romantik und Fernweh ist das meilenweit entfernt. Also müssen meine Frau und ich uns ein paar Geschichten über fremde Welten, die sieben Weltmeere und natürlich Piraten einfallen lassen. Dafür ist die Fahrt nur kurz, im Museumshafen Övelgönne steigen wir aus.

„Die sind aber klein“, staunt Max. Er meint die Schiffe: Segel- und Dampfschiffe, die in den letzten beiden Jahrhunderten die Elbe befuhren. Dampfbarkassen, Schlepper, der Hochseekutter „Präsident Freiherr von Maltzahn“ liegen hier vor Anker, restauriert und gepflegt von im Verein organisierten Privatleuten. „Malzahn wie bei Jim Knopf?“ fragt Max. „Naja, fast“, antworte ich. „Dieser Maltzahn hat auf hoher See Fische gefangen.“ Der Star des Museumshafens ist das Feuerschiff „Elbe 3“. Bis 1966 lag es an der Wesermündung und wies den Schiffen den Weg. „So eine Art schwimmender Leuchtturm“, meint Max. Leider ist Wochenende, und das Schiff kann nur mittwochs besichtigt werden.

Hamburger Strandbar: Strandperle


Ist aber nicht so schlimm, denn langsam wird es Abend. Glücklicherweise kein Schmuddelwetter, dafür haben wir alle langsam Hunger. Also auf zur „Strandperle“! Die ist eine Institution in Hamburg. Eine Strandbar, Strandkneipe, Strandrestaurant. Ohne jeden Dünkel und direkt am Wasser. Dafür mit Nudeln, Wurst, Bier und manchmal auch Cocktails. Den Sand und alles, was ein Max so braucht, gibt es quasi natürlich hinzu. Meine Frau und ich sitzen an einem großen Fass, das als Tisch dient, nehmen einen Drink und noch einen, schauen Max beim Buddeln zu und den Schiffen, die elbabwärts fahren. Ach ja, so ein bisschen Romantik kommt dann im Sonnenuntergang doch auf...

Ralf Ruhl

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