väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

unterstützt von
FolioMen
zur Druckansicht

Familienferien in Süd-Dänemark


Familienferien in Süd-DänemarkBild: Ralf Ruhl

Ein Wochenende mit Sohn im Legoland Billund in Süd-Jütland in Dänemark - wer kann da schon widerstehen? Außerdem laufen in der Umgebung Löwen frei herum und für Kultur und Drinks ist auch gesorgt. Perfekt!

Pilotenschule für den Sohn, Märchenshow für Papa


Kopfüber rollt die Kabine, dreht sich um sich selbst, übt eine Art Seitfallzieher. Ein Glück, dass Max für die Pilote School eine Freundin gefunden hat, die ein ebenso begeisterter Achterbahn-Fan ist. Mir hüpft schon beim Zusehen der Magen, allerdings nicht vor Freude. Die steht Max und Begleitung jedoch ganz deutlich in den Augen. "Ich habe gleich die härteste Prüfung einprogrammiert", erklärt er stolz, nachdem er den Sicherheitsgurt abgelegt hat. Von einer Wiederholung sieht er jedoch angesichts der Warteschlange ab. Da düsen die beiden lieber noch eine Runde im Polar-Express, während ich mir altersgerecht die Hanswurst-Akrobatik-Märchen-Show ansehe. Trotz meines äußerst mangelhaften Dänisch habe ich keine Verständnisprobleme, die Gestik ist überdeutlich.

Ein Wochenende mit Sohn in Südjütland, eine Stunde hinter der deutsch-dänischen Grenze - da konnte ich nicht "nein" sagen. Eingecheckt haben wir im Legoland Hotel in Billund. Das Doppelbett eignet sich zum Hüpfen, wie Max sofort festgestellt hat. Und mir springt der Hosenbügelautomat im Zimmer ins Auge. Die Fenster sind geöffnet - erst später fällt mir auf, dass vom Freizeitpark Legoland direkt gegenüber kein Lärm herüberdringt. Ein klarer Pluspunkt. Max gefällt vor allem der lange Flur: "Da kann man prima Fußball spielen." Ich rate dringend ab, denn die Gesichter empörter Mütter, die sich in dutzenden Sprachen über die Zweckentfremdung beschweren, mag ich mir nicht ausmalen.

Lewandowski in der Family Lounge


Lieber gehe ich mit meinem Sohn in die Family Lounge. Der Billardtisch ist besetzt, also ran an den Kicker. Die Abwehr ist meine Stärke, aber Max scheint Götze im Mittelfeld und Lewandowski für den Sturm verpflichtet zu haben. Trotz der Niederlage bin ich stolz, wie schnell er meine Lücken erkannt und ausgenutzt hat. Weshalb ich ihn zu einem alkoholfreien Cocktail an der Bar einlade. Mir gönne ich einen Erdbeer-Daiquiri. Erstklassig, schmeckt wirklich nach Frucht und es fällt mir schwer, auf einen zweiten zu verzichten.

Das Frühstücksbuffet bietet neben Müsli, Brötchen und der englischen Variante mit Bohnen und Würstchen auch Pfannkuchen und die köstlichen skandinavischen Zimtschnecken. Davon stecke ich noch zwei in die Tasche, bevor wir zur "Good-Morning-Tour" in den Givskud-Zoo aufbrechen. Unsere Führerin heißt Lone und sieht aus, wie eine Dänin aussehen muss: groß, blond, sportlich und ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Aber jetzt ab in den in mit Zebrastreifen verzierten Bus, denn schließlich wollten wir das größte Löwenrudel Europas sehen.

Wie streichelt man ein Rhinozeros?


Familienferien in Süd-DänemarkBild: Ralf Ruhl

Das Löwenrudel liegt noch im Stall und begrüßt uns mit dem typischen Brüllen. Erst lange, tiefe Töne, dann schnellere, kürzere. "So grenzen sie ihr Revier ab und zeigen den anderen, wie groß ihre Gruppe ist", erklärt Lone. Und sie weist darauf hin, dass wirklich nicht alle Besucher in den Genuss einer solchen Gesangseinlage kommen.

Im Haus nebenan wohnen die Nashörner. Durch ein Gitter schieben sie ihre rieseigen Köpfe. "Sie wollen gestreichelt werden", meint Lone und stellt außerdem einen großen Eimer mit Äpfeln vor uns hin. Max traut sich nach einiger Zeit, ein Rhinozeros zu füttern. "Das ist ja ganz weich", ruft er erstaunt. Dann traut er sich sogar, es an den Speckwülsten zu massieren. Und ist begeistert, als es zufrieden grunzt.

Wir fahren weiter, Aussteigen ist strengstens verboten, schließlich laufen in diesem Safari-Park Bisons, Wölfe, Giraffen und Grüne Meerkatzen frei herum. Auch die Löwen sehen wir wieder; sie lagern im Schatten einer Baumgruppe und worin sie mit ihren Zähnen wühlen, möchte ich lieber nicht so genau wissen. Max schon, er klebt mit der Nase am Fenster. "Ich glaube, die frühstücken gerade", meint er.

Darth Vader im Miniland


Zurück im Legoland begeistert sich Max für das Miniland. Aus Millionen von Noppensteinen wurden Sehenswürdigkeiten, Stadtansichten und sogar ein Flughafen errichtet - alles sehr detailgetreu. Neben der Bohrinsel drehen sich Wale im Wasser, auf Schloss Amalienburg in Kopenhagen weht die Fahne - die Königin ist also anwesend, hat sich aber wohl in ihre Gemächer zurückgezogen. Dafür fahren in Hollywood Stretch-Limousinen über den Walk of Fame und in Bergen macht ein Mann seiner Begleiterin einen Heiratsantrag. Mit Blumenstrauß. "Da waren wir doch letztes Jahr", ruft Max und zeigt auf eine dreistufige Schleuse, in die gerade eine Yacht einfährt. Recht hat er, den vorigen Urlaub verbrachten wir in Schweden am Göta-Kanal. Aber das Größte ist natürlich die Star-Wars-Szenerie. Drei Viertel aller zugehörigen Lizenzprodukte werden von Lego verkauft. Und hier staucht gerade Darth Vader seine Offiziere zusammen, die Band spielt im Kasino und der riesige Raumkreuzer ist von allen Seiten gut zu betrachten. Max freut sich am meisten über die Ewoks: "Die sehen fast so kuschelig aus wie im Film."

Letzter Tag, und jetzt darf ich das Programm bestimmen. Es geht ja auch schon langsam Richtung Heimat. "Kultur und Schwimmen", sage ich. Die Begeisterung auf der Rückbank ist nachgeradezu unermesslich. Wir stoppen in Vejle, kleine Stadt, lange Fußgängerzone, ein paar Fachwerkhäuser, viele Fassaden im holländischen Stil. Die alte Spinnerei findet Max schon interessanter. "Sieht echt verfallen aus", meint er. Im sehr schön renovierten Teil ist das Museum Spinderihallerne untergebracht, fünf Stationen, die von der Geschichte Vejles und der Textilherstellung erzählen, aber auch von der Zerstörung im 30-jährigen Krieg und dem Niedergang des Ortes. Max probiert in der Modehalle verschiedene Hüte auf, übt Tanzschritte aus den Zwanziger Jahren vor einer Videoleinwand und entdeckt einen Ofen voller Bügeleisen. Dann muss er mal. Und rennt aufgeregt herum, weil er die richtige Toilette nicht findet. Denn das entsprechende Schild zeigt Männlein und Weiblein gleichermaßen. Geschlechtergerechte Klos, das muss auch ich erst lernen. Übrigens dürfen in Vejle auch Frauen bei Grün den Fußgängerüberweg an der Lichtzeichenanlage überqueren. Denn hier gibt es Rock tragende Ampelmädchen!

Schwimmen und Kultur


Familienferien in Süd-DänemarkBild: Ralf Ruhl

Weil es regnet gehen wir in ein weiteres Museum. In vielen ist der Eintritt übrigens kostenlos. Das Ökolariet bietet - vor allem für Kinder im Grundschulalter - auf einem etwa 80-minütigen Rundgang eine Reise durch Ökosysteme und Klimazonen. Dabei wird vor allem auf die Auswirkungen der Ausbeutung natürlicher Ressourcen Wert gelegt. Max ist fasziniert von dem Tunnel, der eine Diamantmine nachstellt. Die Geräusche des Bohrers, die Dunkelheit, sogar Gerüche aus der Tiefe der Erde sind vorhanden. Oder hatten die etwa einen anderen Ursprung? Aber Max zeigt keine Regung.

Ja, ich hatte Schwimmen versprochen. Unter der Brücke über den Vejle-Fjord, kurz hinter Bölgen, den architektonisch wie Wellen gestalteten Wohnhäusern, liegt ein kleiner Sandstrand. Rein in die Badehose und rein ins Meer! Zum Sonnenbaden fehlt die nötige Sonne, also gibt es noch ein Eis und schon sitzen wir wieder im Auto.

Kolding heißt die nächste Station, mit 60.000 Einwohnern eine der größeren dänischen Städte. "Pizza", sagt Max. "O.K.", sage ich und wir bummeln durch die Altstadt. Bunt, geschäftig, aber nicht überdreht wirkt sie, kleine Plätze mit Cafes und Restaurants bieten eine schon fast romantische Atmosphäre. Die Preise, insbesondere der Gastronomie, sind für Bewohner der Euro-Zone allerdings immens. Dänemark hat ein anderes Entlohnungs- und Sozialsystem, das muss man dabei im Auge behalten.

Mit dem Tablet-PC in die Renaissance


Über der Altstadt, nah am Fjord, thront die Burg Koldinghuset. Ursprünglich als Wehranlage für den reisenden Königshof erbaut wurde sie in der Renaissance vom dänischen Sonnenkönig Christian IV zum repräsentativen Schloss umgestaltet. Durch einen Brand fast völlig vernichtet fristete sie hundert Jahre lang ein Dasein als Ruine und wurde erst seit Ende des letzten Jahrtausends renoviert. Spuren der Zerstörung blieben bewusst erhalten. Mit hellem Holz, modernen Materialien und viel Licht wird versucht, einen Eindruck des alten Schlosses herzustellen und gleichzeitig großzügige Ausstellungsräume zu schaffen.

Max begeistert sich vor allem für den Tablet-Computer. In der Burgkapelle kann er damit jeden Punkt ansteuern und virtuell besichtigen, wie sie wohl im 17. Jahrhundert ausgesehen hat. Außerdem hat er ein Kegelspiel entdeckt, bei dem die Kugel an einem Seil hängt, das an einen Mast geknotet ist. Sieben schafft er mit einem Schwung. Was heute wie ein einfaches Kinderspiel wirkt, hat damals die höfische Gesellschaft begeistert. Und ich finde es schade, dass sowohl die Beatles- als auch die Harley-Davidson-Ausstellung vorbei sind. Da hätte sich doch bestimmt noch einige Begeisterung vom Vater auf den Sohn übertragen. Meine ich.

"Und?", frage ich, als wir uns der Grenze nähern. "Jo, ganz gut", grunzt Max, die Ohren I-Pod-verstöpselt. "Dann können wir doch nächstes Mal Mama mitnehmen", überlege ich laut. Pause. "Hm", kommt es leise von der Rückbank. "Geht auch ohne Mama, nur wir beide?"

Ralf Ruhl

Kommentar zu diesem Thema schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:
Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

zur Druckansicht