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Kinderwunsch und künstliche Befruchtung


Kinderwunsch und künstliche BefruchtungBild: SyB - Fotolia.com

Rein medizinische Beratung gut, Aufklärung über Risiken und emotionale Belastung mangelhaft: Das ist das Ergebnis einer Studie der Uni Bochum zur Reproduktionsmedizin. Daher fordern die Forscher verbindliche Checklisten zur Beratung.

Viele Paare sehnen sich nach Kindern. Stellen sie sich nicht auf natürlichem Wege ein, stellt sich die Frage nach einer künstlichen Befruchtung. Die Nachwuchsforschergruppe "Gerechtigkeit in der modernen Medizin" der Ruhr-Uni Bochum untersuchte, wie Reproduktionsmediziner die Paare auf die Behandlung vorbereiten.

Aufklärung teilweise mangelhaft


Der Medizinethiker Oliver Rauprich und seine Kollegen haben 1600 dazu Patienten befragt - 90% waren Frauen. Außerdem holten sie bei 230 Ärzten und 66 psychosozialen Beratern Auskünfte ein. Besonders gut aufgeklärt fühlten sich die Frauen über die Erfolgschancen und die Kosten der Behandlung. Wesentlich schlechter schnitt die Beratung über emotionale Belastungen der Kinderwunschbehandlung ab, auch auf die Möglichkeit einer unabhängigen psychosozialen Beratung werde nicht ausreichend hingewiesen, so die Forscher.

Über 80% der Frauen gaben an, dass die emotionalen Kosten hoch oder sehr hoch seien, erklärt Rauprich. Die Beziehung zum Partner werde stark belastet, auch Familie und Freunde hätten unter der Belastung zu leiden. Bei drei Viertel der Frauen wurde der Kinderwunsch in dieser Zeit zum alles beherrschenden Thema. Andere Lebenspläne träten in dieser Zeit völlig in den Hintergrund. Die Hälfte der Frauen gab sogar an, dass sie durch das überwältigende Verlangen nach einem Kind die Kontrolle über die Situation verlor.

Emotionale Belastung sehr hoch


Rauprich bezweifelt, dass emotional so stark belastete Menschen in dieser Situation noch in der Lage sind, Informationen auszuwerten und zum Beispiel über einen Abbruch der Behandlung wirklich zu entscheiden. Das liegt allerdings auch an der hohen Erwartungshaltung der Patientinnen. Jeder vierte Mediziner und 50% der psychosozialen Berater gaben an, die Frauen seien häufig überfordert, über ein Ende oder eine Fortsetzung der Behandlung zu entscheiden.

Nach fünf Behandlungszyklen sei meist das Ende der Belastbarkeit erreicht, eine Erfolgsaussicht nicht mehr gegeben. Daher fordert der Nachwuchswissenschaftler, Paaren den Ausstieg aus einer wenig erfolgversprechenden Behandlung zu erleichtern. In einer verpflichtenden Beratung mit verbindlicher Checkliste sollte gleich zu Anfang geklärt werden, wann die Bemühungen beendet werden sollten.

Wie die Männer ihre Frauen unterstützen und besser unterstützen können, wie sie selbst unter der Situation leiden und welche Art der Zuwendung oder Beratung sie brauchen - darüber schweigen sich die Veröffentlichungen über die Studie leider aus. Schade, denn zum Kinderkriegen gehören auch bei der künstlichen Befruchtung in der Regel zwei.

Ralf Ruhl

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