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Kürzeres Männerleben


Kürzeres Männerleben - LebenserwartungBild: eurytos-photocase.com

Gemeinsam alt werden - ein Ideal vieler Paare. Bleibt aber leider oft ein Wunsch, denn Männer sterben im Durchschnitt früher als Frauen. In Deutschland liegt der Unterschied z.Z. bei fast fünf Jahren. Warum die Lebenserwartung der Männer geringer ist, haben Forscher der University of California herausgefunden.

Niedrigere Lebenserwartung der Männer


Überall in der Welt liegt die Lebenserwartung der Frauen über der von Männern. Besonders hoch ist der Unterschied in den Industrienationen. Auch in Deutschland. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden heute geborene Jungen hierzulande durchschnittlich knapp 79 Jahre alt werden, Mädchen hingegen gut 83,5 Jahre.

Dies sei historisch gesehen eine relativ neue Entwicklung, so Hiram Beltran-Sanchez von der University of California in Los Angeles. Er untersuchte mit seinem Team die Sterblichkeitsrate der Geburtsjahrgänge von 1880 bis 1935 in 13 Industrieländern und die Todesursachen ab einem Alter von ca. 40 Jahren.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war die Lebenserwartung von Männern und Frauen etwa gleich. Aufgrund besserer Versorgung, höheren Hygienestandards und des medizinischen Fortschritts nahmen die Mortalitätsraten für beide Geschlechter während der letzten 200 Jahre deutlich ab. Tödliche Infektionen wurden seltener, chronische Erkrankungen hingegen stiegen deutlich an. Das ist logisch, denn die meisten treten eben erst in der Mitte des Lebens zutage.

Rauchen und fettes Essen


Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts klafft das durchschnittliche Todesalter von Männern und Frauen deutlich auseinander: In den Geburtsjahrgängen ab 1880 lag das Sterberisiko von Männern über 50 Jahre um knapp 40 Prozent über dem der Frauen, in den Jahrgängen ab 1900 um 68 Prozent und zwischen 1920 und 1935 gar um 90 Prozent.

Ein wesentlicher Grund: Der blaue Dunst. Rauchen, so das Forscherteam, sei für etwa ein Drittel des Unterschieds verantwortlich. Und Rauchen war hauptsächlich ein Privileg der Männer: Die Zigarre galt dem gut-bürgerlichen Mann als Statussymbol, der Arbeiter drehte sich eine Zigarette. Dabei ist das Rauchverhalten in verschiedenen Ländern durchaus unterschiedlich. In den Niederlanden und Belgien beispielsweise beginnen die Jungen relativ früh, per Glimmstengel ihre Gruppenzugehörigkeit unter Beweis zu stellen. Hier liegt die Differenz in der Mortalitätsrate sogar bei über 40 Prozent.

Und noch ein weiterer Grund für den früheren Tod des Durchschnittsmanns liegt in seiner Lebensweise: Burger, Chips und anderes fettreiches Essen führen zu Gefäßerkrankungen - Bluthochdruck und Herzinfarkt fordern ihren Tribut. Allerdings seien für die niedrigeren Werte des HDL-Cholesterins auch biologische Ursachen maßgeblich, so die amerikanischen Forscher. Frauen haben vor der Menopause einen deutlich höheren Östrogengehalt im Blut - und der schützt eben vor Gefäßerkrankungen.

Tödliche Männerberufe


Aber noch etwas kommt hinzu, worauf der einzelne Mann kaum einen Einfluss hat: die Arbeit. Männer üben deutlich häufiger körperlich anstrengende Berufe aus als Frauen. Und auch ungesunde und sogar gefährliche - nicht umsonst heißt es eben "Bergmann". Auch Ofensetzer, Maurer oder Hochseefischer sind rein männliche Berufe - mit einem hohen Gesundheitsrisiko. Darauf weist das Max-Planck-Institut für demografische Forschung hin.

Welche Berufe Männer und Frauen ausüben und was die Ursachen für die Berufswahl sind - das wird immer wieder neu erforscht. Für den einzelnen Jungen von heute sind das Ansehen in der Peer-Group und die persönlichen Bilder und Vorstellungen maßgeblich. Status und Einkommen sind weniger wichtig als noch vor wenigen Jahren. Vielleicht hilft das ja auch beim Gesundbleiben.

Ralf Ruhl

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