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Jugendliche und Alkohol


Jugendliche und AlkoholBild: DWerner - photocase.com

Jugendliche trinken in Deutschland so wenig Alkohol wie nie zuvor. Dennoch kann keine Entwarnung gegeben werden: Komasaufen ist nach wie vor angesagt. Gefährdet sind vor allem Jungen. Sie trinken sich mehr als doppelt so häufig in die Bewusstlosigkeit wie Mädchen.

Generell weniger Alkoholkonsum


Der Vollrausch hat bei Jugendlichen offenbar einen guten Ruf. Das geht aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor. "Alkohol ist nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen", sagt BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Alarmierend: "Beim harten Kern der Risikotrinker gab es im Vergleich zu vorherigen Untersuchungen keine Veränderungen."

Insgesamt geht der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zurück: Während 2004 noch knapp jeder Fünfte der 12- bis 17-Jährigen angegeben hatte, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken, lag dieser Anteil 2011 bei 15,2 Prozent. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen sank der Anteil von 43,5 Prozent auf 41,9 Prozent 2011. Das belegt die Drogenaffinitätsstudie Alkohol, auf die sich der Drogen- und Suchtbericht der Bundesbeauftragten für Drogen, Mechthild Dyckmans, bezieht.

Jungen besonders gefährdet


Besonders gefährdet sind die Jungen: 19,6 Prozent der Jungen, aber nur 10,5 Prozent der Mädchen in der Gruppe von 12 bis 17 Jahren gaben im Jahr 2011 an, einmal im Monat zum Binge-Trinker zu werden. Häufiger als vier Mal pro Monat trinken sich 7,6 Prozent der minderjährigen Jungen und 18,5 Prozent der jungen Männer zwischen 18 und 25 Jahren in den Vollrausch. Die Quote liegt in beiden Altersgruppen etwa dreimal so hoch wie bei den Frauen.

Die größte Menge reinen Alkohol nehmen Männer zwischen 18 und 21 Jahren zu sich - pro Woche 111 Gramm. Das entspricht etwa 2,75 Litern Bier. Frauen in dieser Altergruppe kommen auf umgerechnet einen Liter.

Komasaufen weit verbreitet


Auch die Zahl der Komasäufer (offiziell "Binge-Trinken" genannt) ging in allen untersuchten Altersgruppen leicht zurück. Binge-Trinken bedeutet laut offizieller Definition den Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit. Das ist aber kein Zeichen für Entwarnung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2011 rund 26 400 junge Menschen zwischen zehn und 20 Jahren mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert worden - ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber 2008 und sogar 178 Prozent mehr als im Jahr 2000. Den stärksten Anstieg gab es bei den Zehn- bis 15-Jährigen, Mädchen wie Jungen. Die meisten Krankenhauseinweisungen gab es mit über 450 pro 100.000 Einwohner im Saarland, dicht gefolgt von Bayern (knapp 430), die wenigsten in Berlin (etwa 130).

15,2 Prozent der minderjährigen Jugendlichen sind laut BZgA-Studie Binge-Trinker. 2004 waren es 22,6 Prozent. Besonders häufig und viel trinken junge Männer: Bei den 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil 2011 bei 49,5 Prozent, bei den Frauen waren es 25,9 Prozent. Insgesamt trinken männliche Jugendliche und junge Männer wesentlich häufiger und heftiger Alkohol als Mädchen und junge Frauen.

Laut Auskunft der Drogenbeauftragten hat die Bildung keinen Einfluss auf den Alkoholkonsum. Dennoch geben die Zahlen zu denken: 14,5 Prozent der Hauptschüler, aber nur 7,4 Prozent der Besucher von Gesamtschulen gleichen Alters hatten einen Monat vor der Befragung einen Vollrausch. Bei den Älteren sind es wesentlich mehr: Fast 45 Prozent der Azubis und knapp 41 Prozent der Gymnasiasten (Sek. II) soffen sich ins Koma. Die sei jedoch statistisch nicht signifikant, meint Dyckmans.

Die Bedeutung der Freunde


Wenn die Kumpels saufen, trinken Jungen gerne mit. So sagten 93,6 Prozent der häufigen Binge-Trinker im Jahr 2010, dass die meisten ihrer Freunde Alkohol trinken. Bei denen, die einen Monat vor der Untersuchung keinen Alkohol getrunken hatten, gaben dagegen nur 38,0 Prozent an, in ihrem Freundeskreis werde Alkohol konsumiert.

Die Sorgen wollen sich die Jugendlichen allerdings nicht wegsaufen. Mehr Spaß und weniger Hemmungen bei der Kontaktaufnahme sind die häufigsten Gründe. So stimmten 57,6 Prozent der Befragten den Aussagen zu, mit Alkohol "bin ich lockerer", ebenso viele meinten, dann "finde ich alles lustiger". Mit Alkohol "fällt es mir leichter, auf andere zuzugehen" sagten 52,9 % und gut die Hälfte meinte , dann "bin ich nicht mehr schüchtern". Bei den häufigen Binge-Trinkern lag die Zustimmung zu den Aussagen bis zu 25 Prozent höher.

Ralf Ruhl

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