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Taschengeld - wieso, weshalb, wie viel?


Taschengeld – wieso, weshalb, wie viel?Bild: st-fotograf - Fotolia.com

Spätestens, wenn das Kind eigene Wünsche anmeldet und sie sich selbst erfüllen will, kommt das Thema Taschengeld auf die Tagesordnung. Ab wann sollten Sie ihrem Kind Taschengeld geben und wie viel? Und - warum gibt es überhaupt Taschengeld?

Wie gerecht muss Taschengeld sein?


"Papaa" - da ist es wieder, dieses bittende, langgezogene ‚a’. "Ich möchte gerne mehr Taschengeld haben. Die Lisa bekommt viel mehr als ich, das ist ungerecht..."

Na Klasse, wie soll ich meinem Töchterchen jetzt erklären, dass das Taschengeld der Nachbarskinder nicht maßgeblich ist, ohne hinterher als der blödeste Papa der Welt dazustehen? Besser ich stottere jetzt nicht mit einem "ähm, also - weißt Du…" los. Deutlicher könnte ich nämlich kaum signalisieren, dass ich beim nächsten Augenaufschlag einknicke. Stattdessen hole ich mir mit einem bedächtigen "Hmm" etwas Bedenkzeit und atme erst einmal durch.

Die Taschengelddiskussion wird in den meisten Familien immer wieder geführt.Viele Eltern sind unsicher, wie sie richtig damit umgehen. Der erste Reflex ist, seinem Kind alle Wünsche zu erfüllen. Eine kluge Regel lautet aber: "Wenn Du Dein Kind liebst, verwöhn es nicht." Da ist etwas dran, und deshalb sollten Sie sich grundsätzlich überlegen, warum Sie eigentlich Taschengeld geben.

Warum brauchen Kinder Taschengeld?


Kinder sollten unter den Gleichaltrigen nicht ausgegrenzt werden. Wenn ein Kind nicht in einem bestimmten Rahmen vom Geldbeutel der Eltern unabhängig ist, wenn es nie eigene Entscheidungen über Ausgaben treffen kann und ständig nachfragen muss, dann merken das seine Altersgenossen schnell.

Außerdem sollen Kinder lernen, ihr Geld einzuteilen und damit auszukommen. Sie erfahren, dass ihre Wünsche nicht unbegrenzt finanzierbar sind. Dadurch müssen Sie planen, wie sie diese verwirklichen können. Die Freude, die sie an der beginnenden Selbständigkeit und der eigenen Verantwortung entwickeln, macht die Kinder stark. Sehr bald können Sie sie dann auch an den Gesprächen über das Wirtschaften beteiligen. Das ist die Grundlage, die sie für ein sinnvolles Haushalten im späteren Erwachsenenalter brauchen.

Mit eigenem Geld ist Ihr Kind zudem in der Lage, anderen eine Freude zu bereiten. Es heißt, derjenige ist wirklich arm, der nichts verschenken kann. Taschengeld machts möglich...

Manfred Günthers Taschengeldempfehlungen

Folgende Tabelle wurde von dem Pädagogen Manfred Günther entworfen. Seine Empfehlungen werden vom Deutschen Jugendinstitut und von verschiedenen Ministerien unterstützt.



Klasse / Jahrgang  wöchentlich in Euro 
vor der Schule  0,50 Euro 
1 Klasse  1 Euro 
2. Klasse  2 Euro 
3. Klasse  3 Euro 
4. Klasse  4 Euro 
5. Klasse  5 Euro 

Klasse / Jahrgang  14-tägig in Euro 
6. Klasse  12 Euro 
7. Klasse  14 Euro 
8. Klasse  16 Euro 
9. Klasse  18 Euro 

Klasse / Jahrgangsstufe  Monatlich in Euro  zzgl. Geld für Kleidung / Hygiene 
10. Klasse  40 Euro  30 Euro 
11. Klasse  50 Euro  40 Euro 
12. Klasse  60 Euro  50 Euro 
13. Klasse  70 Euro  60 Euro 

Ab wann und wie viel sollten Sie zahlen?


Wofür ist das Taschengeld?


Es würde seinem Sinn zuwider laufen, wenn die Kinder notwendige Anschaffungen wie Schulsachen oder Bekleidung mit ihrem Geld bezahlen müssten. Schon der Name deutet an, dass es in die Tasche gehört und nicht notwendiger Weise gespart werden muss. Es ist Geld zur freien Verfügung, und die Kinder können nur lernen, wenn sie auch Fehler machen dürfen. Natürlich können Sie Anregungen geben oder den Kindern helfen. Vorschriften sind aber nicht sinnvoll, weil sie die Freude am eigenen Geld zerstören. Dennoch eine wichtige Einschränkung: Das Geld darf nicht für gefährliche oder ungesunde Sachen verwendet werden.
Taschengeld ist für die individuellen, besonderen Wünsche wie CDs oder DVDs, Spielsachen oder Apps. Sie können auch Zuzahlungen bei Sonderwünschen, z.B. bei Kleidung oder Handys vereinbaren. Und natürlich ist das Geld für Kino, Kirmes oder Disco oder für zusätzliche Süßigkeiten gedacht.

Wenn Ihre Kinder reif genug sind und es selbst wollen: Bieten Sie ihnen an, sich Jeans und T-Shirts selber zu kaufen. Dann sollten Sie zusätzlich ein Bekleidungsgeld vereinbaren, das aber nur für diesen Zweck verwendet werden darf.

Ab wann und wie viel sollten Sie zahlen?


Natürlich können Kinder erst lernen mit ihrem eigenen Geld umzugehen, wenn Sie in entsprechenden Kategorien denken. Der Berliner Schulpsychologe Manfred Günther sagt dazu: "Vor der Einschulung scheint mir Taschengeld nur sinnvoll, wenn das Kind es wünscht, und es auch schon die Cent zusammenrechnen kann." Für den Anfang schlägt er 50 Cent vor. Spätestens ab der ersten Klasse bzw. mit sieben Jahren sollten Kinder dann regelmäßig und verlässlich einen festen Betrag bekommen, z.B. können Sie mit einem Euro pro Woche beginnen und auf 5 Euro im 6. Schuljahr steigern. Manche Eltern bevorzugen eine altersabhängige Staffelung, z.B. bis zum zehnten Lebensjahr ein Euro pro Jahr, danach zwei Euro pro Lebensjahr.

Ab der sechsten Klasse schlägt Günther eine 14-tägige Auszahlung vor, damit die Kinder lernen, auch über etwas längere Zeiträume zu planen. Bei monatlichem Taschengeld kommt es aber häufig zu "kleinen Pleiten".

Wichtig ist, dass Sie das Geld verlässlich und unaufgefordert auszahlen. Sie sollten es weder zur Strafe kürzen, noch zur Belohnung anheben. Geldgeschenke, Belohnungen oder selbstverdientes Geld sollten Sie nicht gegen rechnen.

Und noch ein Tipp für die Eltern: Verständigen Sie sich darüber, wer für die Zahlung zuständig ist und ob sie aus der Haushaltskasse finanziert wird. So können Sie nicht gegeneinander ausgespielt werden und vermeiden Streit untereinander.

Sven Stemmer

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