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"Den Paar-Akku wieder aufladen"


Anton arbeitet selbstständig als Musiker und Fotograf. Die Elternzeit war für ihn auch Burn-Out-Prophylaxe. Und er freut sich darauf, den Kindern zu zeigen, was im Leben alles Spaß macht. Am meisten fehlt ihm aber Zeit zu zweit.

Der Partnerin Freizeit gönnen


Ich bin selbstständig als Musiker tätig. Da kann ich meine Arbeitszeit recht frei einteilen, bin aber auch immer wieder an meine Grenzen gekommen. Im Laufe der Schwangerschaft habe ich mich entschlossen, meine Berufstätigkeit herunterzufahren, vor allem auch, weil ich einen Burn-Out befürchtete. So habe ich den Unterricht für Schüler auf einen Nachmittag konzentriert. Während der Elternzeit habe ich das noch weiter reduziert, weil ich mehr mit meiner Partnerin und der Kleinen zusammensein wollte. Inzwischen ist unsere große Tochter zwei Jahre alt, die kleine drei Monate.

Vor der Geburt habe ich gedacht, dass wir mehr Zeit füreinander hätten, als Paar. Wir sind immer gern gereist und haben das auch während der Schwangerschaft und der Elternzeit gemacht. Wir waren in Griechenland in Urlaub und haben in Deutschland Freunde und Verwandte besucht. Aber das Leben mit Kindern krempelt alles total um. Das ist vorher einfach nicht vorstellbar. Richtig Elternzeit ist für mich, wenn der eine etwas mit dem Kind unternimmt und der andere dann frei hat. Da ist das Hochgefühl am größten, und ich gönne es meiner Partnerin auch total. Klar, beim Stillen ist die Krux, dass Männer das ihrer Frau nicht abnehmen können. Aber ich kann in Aussicht stellen, dass ich mal mit beiden Kindern wegfahre. Da freue ich mich jetzt schon auf die Freude, die das bei ihr auslösen wird.

Sich unterstützen lassen


Mich stresst es nicht, mit beiden Kindern allein zu sein. Das ist bei der stillenden Mutter natürlich anders. Wenn das Kind im Zug wegläuft, während das andere gestillt wird, das ist schon nervig. Andererseits kann es aus dem ICE ja auch nicht verschwinden, die findet man ja schnell wieder. Da kann man eigentlich recht entspannt sein. Da muss man es lernen, sich Entlastung zu schaffen, auch Nachbarn und Freunde anzusprechen, ob sie das Kind mal für eine Stunde oder zwei zu nehmen.

Ich habe mir vorgenommen, während der Elternzeit öfter mal ins Café zu gehen, Zeitung zu lesen, Freunde zu treffen, und die Kleine ist einfach dabei. Das ist beste Burn-Out-Prophylaxe: Man hat Kontakte, macht was für sich und ist dennoch mit dem Kind zusammen. Und das klappt auch ganz gut.

Unter der Woche würde ich gern mehr mit den Kindern machen. Das gelingt natürlich besser, wenn sie älter sind. Das stelle ich mir toll vor: mit ihnen in den Wald zu gehen, zu fotografieren, mit ihnen Tiere und Pflanzen zu beobachten, Geschichten auszudenken und einfach herumzustromern. Inzwischen kenne ich den Stadtwald so gut dass ich weiß, wo man Rehe sieht, das will ich gern den Kindern zeigen.

Mehr Zeit zu zweit!


Was mir am wichtigsten ist: Dass man den Paar-Akku wieder auflädt. Wenn ich mit anderen Eltern rede, merke ich, dass das bei allen so ist. Durch dieses dauernde Zusammensein mit den Kindern kommt das Paar zu kurz. Da wünsche ich mir mehr.

Meine Partnerin ist während der Schwangerschaft aus Hamburg hierher gezogen, hat ihr Umfeld aufgegeben, den täglichen Kontakt zu Freunden und zur Arbeit. Da hat sie mehr aufgegeben als ich, obwohl auch ich längst nicht mehr so aktiv bin wie vor der Geburt der Kinder. Meine Hobbys, vor allem das Billard-Spiel, habe ich auf einem niedrigen Level eingefroren. Ich kann einfach nicht mehr so viel üben. Ich gehe kaum noch abends weg, das ist mit den Kindern völlig weggebrochen. Ich bin aber noch in meinem Umfeld, fühle mich in der Stadt wohl, kann immer mal wieder das Umfeld reaktivieren. Das ist hier leichter als in der Großstadt.

Kinder haben - der große Stresstest für die Partnerschaft


Mit Freunden steht halt auch immer das Kind im Vordergrund, wenn es zahnt, wenn es nörgelig ist, wenn die Windeln gewechselt werden müssen. Das verlangt auch von Freunden, dass sie sich sehr darauf einstellen und die Bedürfnisse nach tiefen Gesprächen manchmal zurückstellen oder ganz ausblenden.

Es ist wunderbar zu sehen, wie die Kinder immer selbstständiger werden, wie sie soziale Partner werden, Kommunikation betreiben. Jetzt erzählt die Ältere morgens beim Frühstück etwas, baut immer kompliziertere Sätze; das mitzukriegen, das ist toll. Später möchte ich gern mit ihnen zum Basketball gehen und ihnen die Begeisterung, die ich selbst beim Zuschauen habe, vermitteln.

Kinder zusammen haben ist ein Stresstest. Man wird jede Nacht geweckt, das ist ja eigentlich Folter. Man lernt dann, nicht jedes Wort des Partners auf die Goldwaage zu legen. Um das zu schaffen braucht man viel Humor. Ich freue mich, wenn meine Partnerin gute Laune hat und wenn wir das hinkriegen als Familie. Sie einfach mal wieder nicht nur als Mutter sehen, das ist schon toll, danach habe ich Sehnsucht.

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