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Elternzeit als Qualifikation


väterzeit im Gespräch mit Volker Baisch


Überzeugt davon, dass Elternschaft unter anderem beruflich relevante Fähigkeiten wie Multitasking, Empathie, Verhandlungsführung oder Geduld verstärkt, bewegt er Personalabteilungen und Vorstände zum Umdenken: Sie beginnen, Elternzeit als Qualifikation zu verstehen und aktiv Anreize zu setzen, damit Väter diese Auszeit nehmen können. Volker Baisch vernetzt Väter über seine Internet-Plattform und propagiert ein Rollenmodell, das aktive Vaterschaft und Karriere nicht als Widerspruch versteht, sondern als optimale Ergänzung. Sein Ziel ist es, dass Paare sich frei entscheiden können, wie sie ihre Zeit zwischen Familie und Beruf aufteilen.

väterzeit: Wie hat sich die Rolle des Vaters in den letzten Jahrzehnten verändert?

Volker Baisch: Heute sehen sich 67 Prozent der Männer als Erzieher ihrer Kinder und nicht mehr als der klassische Ernährer, wie noch vor zehn Jahren. Väter verbringen heute achtmal mehr Zeit mit ihren Kindern. Die Zeitbudgetstudie des statistischen Bundesamtes (Peter Döge, 2003) hat ergeben, dass Väter heute mit einem Kind im Alter bis zu sechs Jahren durchschnittlich täglich 168 Minuten Hausarbeit und 75 Minuten für Kindererziehung aufbringen. Männer mit Kindern sind also heute viel präsenter, übernehmen viel selbstverständlicher Aufgaben in der Erziehung. Dreiviertel der Väter möchten laut Allensbach heute gerne ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Auch die Einführung des Elterngeldes hat gezeigt, dass die Bereitschaft und die Rollenvorstellungen von Vätern sich stark verändert haben in Richtung einer gelebten Vaterschaft.

väterzeit: Wie wichtig ist der Vater für die Entwicklung des Kindes?

Volker Baisch: Der Vater des Kindes ist für die Entwicklung des Kindes genau so wichtig wie die Mutter. Das bestätigen vielfältige Untersuchungen und aktuelle Forschungen. Jean Le Camus (Anm. d. Red.: Psychologe und Professor an der Universität von Toulouse-Le Mirail, dessen Forschungsarbeit und zahlreiche Publikationen sich mit der frühkindlichen Entwicklung und dem besonderen Anteil der Väter hierbei befassen) hat beispielsweise herausgefunden, dass Väter offensiver spielen als Mütter. Er stellte fest, dass Väter - häufiger als Mütter - ihre Kinder necken und ihre Erwartungen an das Spiel mit impulsiven Gesten und Ideen stören. So ermutigen sie ihre Kinder, neue Lösungen zu entdecken und Hindernisse zu überwinden. Ab und zu mal über Grenzen zu gehen, scheint ein häufiges Merkmal väterlichen Spielverhaltens zu sein. Auch Wettkämpfe und körperliches Spiel schaffen wichtige Voraussetzungen für soziale Entwicklungen. Grenzen erkennen, Regeln einhalten, Mitgefühl entwickeln, hierzu scheinen nach Beobachtungen von Le Camus vor allem Väter aufzufordern. Untersuchungen von anderen Väterforschern , wie Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis (Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie an der Freien Universität Bozen), haben deutlich gezeigt, dass Väter durch ihr Spiel die Neugier und das Durchhaltevermögen ihrer Kinder mehr fördern und damit das Selbstbewusstsein in die eigenen Fähigkeiten stärken.

väterzeit: Neben der klassischen Kleinfamilie entstehen immer mehr so genannte Patchworkfamilien. Und es gibt jede Menge Väter, die nicht in traditionelle Denkkategorien passen, z.B. Adoptivväter, Pendelväter, Pflegeväter, Ein Drittel-, Zwei Drittel-, Fifty-fifty-Väter, homosexuelle Väter, Tagesväter, Hausmänner, "Opapas" und zunehmend allein erziehende Väter. Wie wirkt sich das auf unsere Gesellschaft aus, welche Folgen hat das für die Kinder?

Volker Baisch:Die Mehrzahl der Kinder leben immer noch in der klassischen Kleinfamilie (Vater/Mutter/Kind), doch Sie haben Recht, dass sich die Formen zunehmend wandeln. Am stärksten wächst die Form der Patchwork- und der Trennungsväter. Gesellschaftlich spürt man diesen Trend bisher nur in den Medien und an der Nachfrage an Beratungsangeboten. Doch heute ist es viel selbstverständlicher unter Erwachsenen und Kindern über ihre neuen Familienformen zu reden. Während früher Trennungskinder noch stigmatisiert wurden, ist diese Form in einigen Kitas und Schulen in Hamburg schon die häufigste Form und viel akzeptierter. Das hat zur Folge, dass auch Beratungsangebote leichter von den Beteiligten angenommen werden und das Fachpersonal in den Einrichtungen auf die unterschiedlichen Schwierigkeiten und Probleme reagieren kann.

Teil 1

Wie hat sich die Rolle des Vaters in den letzten Jahrzehnten verändert?

Wie wichtig ist der Vater für die Entwicklung des Kindes?

Familientypen ändern sich. Welche Folgen hat das für die Kinder?

Teil 2

Gibt es eigentlich den idealen Vatertyp?

Was hat sich mit Einführung des neuen Elterngeldes verändert?

Welche Einflussmöglichkeiten hat ein stark berufstätiger Vater?

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