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Alte Väter - gesundheitliche Risiken


Risiko alter Vater?Bild: fotolia - Dimitry Pichugin

Deutschlands Väter werden immer älter. Doch das bringt auch gesundheitliche Risiken für die Kinder mit sich.

Deutsche Väter nehmen zu, jedenfalls an Jahren. Waren im Jahr 2000 34% der Männer zum Zeitpunkt der Geburt über 35 Jahre alt, so waren es 2008 bereits 44%. Das hat Vorteile: Altere Väter sind gelassener, wollen sich wirklich auf die Familie einlassen, brauchen sich nicht mehr im Hamsterrad der Karriere abzustrampeln und wollen viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. Doch diesem positiven Bild stehen gesundheitliche Risiken entgegen: Bei immer mehr Krankheiten finden Wissenschaftler Belege, dass sie im Zusammenhang mit dem Alter des Vaters stehen.

Erbkrankheiten nehmen zu


Für zwanzig Erbkrankheiten wurde bis heute eine Verbindung gefunden, vor allem bei psychischen Störungen. Das Risiko eines Mannes, ein autistisches Kind zu bekommen, wächst nach einer israelischen Studie bis zum fünfzigsten Lebensjahr von 6:10000 auf 5:1000. Von den Kindern der Väter über 50 erkrankt statistisch gesehen also eines von 200 an Autismus. Die Gefahr steigt mit jedem zusätzlichen Lebensjahrzehnt um ein Drittel. Doch nicht nur eine einzige genetische Störung ist dafür verantwortlich. Es sind mehrere Mutationen bekannt, die mit den psychischen Störungen zusammenhängen.
Doch gerade für Mutationen sind die Spermien älterer Männer anfälliger. Während Frauen bereits all ihre Eizellen bei der Geburt mit auf die Welt bringen, ist der Vorgang bei Männern deutlich komplizierter. Nach der Pubertät teilen sich die Vorläuferzellen der Spermien alle 16 Tage. Bei einem 50-Jährigen hat sich das also schon 840 Mal wiederholt. Jedes Mal wird dabei das komplette Erbgut kopiert, und jedes Mal entstehen einige kleine Fehler in dem drei Milliarden Buchstaben langen DNS-Faden. Über die Jahre können diese Fehler sich ansammeln. Die können zwar korrigiert werden, aber das Selbstreparaturprogramm funktioniert bei älteren Männern deutlich schlechter. Und gerade die Spermatogonien, die eine negative Mutation beherbergen, reifen häufiger zu fertigen Spermien heran. Warum - da tappt die Wissenschaft noch im Dunkeln.

Auch Neurofibromatose, Marfan-Syndrom und Apert-Syndrom werden häufiger vererbt. Sie alle sind auf eine einzige Mutation zurückzuführen und häufen sich bei Kindern älterer Väter.

Schlechtere IQ-Werte


Sogar in Bezug auf die Intelligenz haben Kinder älterer Väter Nachteile: Sechs IQ-Punkte beträgt der Unterschied zwischen dem Kind eines 20-jährigen Vaters und dem eines 50-jährigen Vaters im Durchschnitt. Das hat ein australisches Forscherteam von der Universität Queensland herausgefunden. Etwa 34.000 Kinder, die zwischen 1959 und 1965 in Amerika zur Welt kamen, wurden im Alter von acht Monaten, vier Jahren und sieben Jahren getestet. Dabei wurden unter anderem Konzentration, Gedächtnis und IQ untersucht und wie gut die Kinder lesen und schreiben konnten. Allerdings zeigt das nur statistische Mittelwerte, für das einzelne Kind lässt sich keine Prognose treffen.

Und das ist gut so. Denn das beste Mittel, um gesund heranzuwachsen, ist für ein Kind immer noch ein interessierter und zugewandter Vater. Egal welchen Alters.

In einem Punkt haben die Kinder älterer Väter anscheinend jedoch Vorteile: Sie leben länger. Dan Eisenberg und seine Kollegen von der North-Western-University Illinois/USA fanden heraus, dass die Chromosomenkappen an den Spermien mit jedem Lebensjahr wachsen. Und die sind u.a. verantwortlich für die Lebensdauer des daraus entstehenden Nachwuchses. Einen zugewandten Vater brauchen die Kinder natürlich trotzdem!

Ralf Ruhl

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