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Wann geht die Geburt wirklich los?


Wann geht die Geburt wirklich los?Bild: Foto-Rhein-Main - Fotolia.com

Je näher die Geburt rückt, umso nervöser werden oft die Eltern: Wie sollen sie wissen, wann es wirklich losgeht? Vor allem Väter fühlen sich häufig hilflos - und ganz real "außen vor". Wir erklären dir, worauf du achten kannst, um der Entbindung gelassen entgegenzusehen.

Der errechnete Geburtszeitpunkt


Eine Schwangerschaft dauert etwas mehr als neun Monate. Am Anfang rechnet der Arzt genau aus, wann das Kind zur Welt kommt. Das ist zu 95% der Termin, an dem das nicht geschehen wird - nur etwa 5% der Kinder werden geboren wie errechnet! Das ist für die Planung wenig hilfreich. Denn natürlich wollt ihr nicht zu spät zum Krankenhaus aufbrechen. Aber auch wenn ihr zu früh dort seid, hat das Nachteile. Paare, die länger als 24 Stunden auf die Entbindung warten, werden nicht selten als "Altlast" betrachtet. In so einem Fall kann es sein, dass das Klinikpersonal den Wehen mit Medikamenten auf die Sprünge hilft. Allerdings brauchen Frauen, bei denen die Wehen künstlich unterstützt werden, doppelt so häufig Schmerzmittel. Auch der Einsatz von Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt wird bei einem langen Krankenhausaufenthalt wahrscheinlicher. Das sind natürlich nur statistische Werte und ihr habt da ein Wörtchen mitzureden. Doch sicher kannst du dir vorstellen, dass der Druck auf dich und deine Partnerin größer wird, je länger ihr in der Klinik auf die Geburt wartet. Eine Situation, die ihr besser vermeiden solltet.

Wie aber sollst du wissen, wann es richtig los geht, wenn sich sogar die Mütter oft nicht sicher sind? Vielleicht kannst du das aber von außen sogar besser beurteilen. Wichtig ist, dass du aufmerksam bist und Ruhe ausstrahlst.

Erste Anzeichen


Auch wenn das errechnete Geburtsdatum vermutlich nicht stimmt, ist er ein wichtiger Hinweis. Je näher ihr diesem Termin kommt, umso aufmerksamer solltest du deine Partnerin beobachten. Manche Frauen werden in der Zeit kurz vor der Geburt unruhig. Dann bekommen sie einen regelrechten Nestbautrieb. Es wird geputzt und gewaschen und auf Vorrat gekocht. Und wenn du sie nicht zurückhalten kannst, renoviert deine Frau vielleicht sogar noch das Bad! Das klingt zwar praktisch, aber natürlich muss sie sich schonen. Deshalb solltest du ihren Tatendrang nach Möglichkeit etwas dämpfen. Und gleichzeitig solltest du dir klar machen, dass es nicht mehr lange bis zur Geburt dauern kann.

Wichtig ist: immer gut in Kontakt sein! Ein Zeichen, nach dem du deine Frau fragen kannst, ist blutiger Ausfluss. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Schleimpfropfen der den Muttermund verschließt. Er schützt die Gebärmutter und das Kind während der Schwangerschaft vor Infektionen. Wenn sich der Muttermund zu weiten beginnt, wird dieser Verschluss als hellbrauner oder rosa Ausfluss mit Blut vermischt ausgeschieden. Nun kann es zwar noch immer bis zu zwölf Tage dauern, bis es endlich los geht, wahrscheinlich beginnt die Geburt aber in den nächsten ein bis zwei Tagen.

"Richtige" und "falsche" Wehen


Manche Frauen bekommen vor dem Einsetzen der Wehentätigkeit ein Muskelzittern, das mehrere Minuten andauern kann. Auch Übelkeit und Erbrechen können ein Zeichen für den Geburtsbeginn sein. Oft tritt auch Durchfall auf. Das ist völlig gesund und ein gutes Zeichen. Durch die Darmentleerung macht der Körper Platz für das Kind. Außerdem regt die Darmtätigkeit die Wehen an.

Natürlich können die Wehen auch "einfach so" einsetzen. In dem Fall können sie leicht mit den sogenannten ‚wilden Wehen’ oder auch ‚Übungswehen’ verwechselt werden. Damit ‚übt’ die Gebärmutter für die Entbindung. Solche Kontraktionen können schon in der 20. Woche auftreten. Sollte sich deine Partnerin nicht sicher sein, ob sie schon in den Geburtswehen ist, gibt es eine einfache Möglichkeit, um das zu prüfen: Lass ihr ein warmes Bad ein! Übungswehen werden dadurch schwächer, während echte Wehen stärker werden. Zudem wirkt ein Bad beruhigend und nimmt der Situation die Hektik, die sonst vielleicht aufkommt. Zeit habt ihr in dieser Phase jedenfalls genug.

Wenn die Kontraktionen zwischen 20 und 60 Sekunden dauern, über eine Stunde hinweg alle zehn Minuten oder öfter wiederkehren und kontinuierlich schmerzhafter werden, dann ist das ein sicheres Zeichen für Geburtswehen. Sobald sie in Abständen von fünf Minuten kommen, ist es Zeit zum Krankenhaus zu fahren.

Geduld und Aufmerksamkeit


In der Regel läuft die Geburt gemächlich ab. Vom ersten Anzeichen, wie zum Beispiel dem Erbrechen, bis zu dem Moment, an dem die Wehen alle fünf Minuten wiederkehren, werden wahrscheinlich viele Stunden vergehen. Eigentlich kannst du in der Zeit noch etwas erledigen oder ein paar Besorgungen machen. Solche Gedanken solltest du aber besser streichen. Deine Partnerin wird nicht den Eindruck haben, dass du die Geburt ernst nimmst, wenn du ihr nicht vom ersten Augenblick an deine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkst. Außerdem kann immer etwas vorfallen, was ein schnelles Handeln erfordert. Bei einem vorzeitigen Blasensprung z.B. müsst ihr sofort ins Krankenhaus. Denn wenn sich die Fruchtblase öffnet und das Fruchtwasser im Schwall oder auch im Rinnsal entweicht, besteht eine zunehmende Infektionsgefahr für das Kind.

Ansonsten wirst du nur wenig tun können. Die Hauptaufgabe liegt bei deiner Frau, die in allen wichtigen Punkten von der Hebamme oder dem Arzt unterstützt wird. Du musst vor allem da sein und Zuversicht ausstrahlen, was aber in den oft langen Stunden der Geburt sehr fordernd sein kann.

Sven Stemmer

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