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Väter in Südafrika


Väter in Südafrika - Erfahrungen in einer anderen WeltBild: fotoman_65 - Fotolia.com

Vater-Sein in Südafrika ist schon ein wenig anders als in Westeuropa: Angst vor Kriminalität, nur geringe Familienförderung sowie ein schlechtes Transportsystem verlangen von den Vätern ein hohes Organisationstalent. Doch der Zusammenhalt der Familie und eine schier unbändige Lebensfreude lassen diese Nachteile fast gering erscheinen.

Kriminalität beeinflusst den Alltag


Das Haus 15 Kilometer nordwestlich von Johannesburg liegt idyllisch. Innen im Esszimmer sitzt Uwe Birkner mit seiner Frau und den beiden Kindern Philipp (25) und Bianca (19) beim Frühstück. Elrike, die Älteste (29) ist verheiratet und bereits ausgezogen. So oft es geht versammelt sich die Familie Birkner zum gemeinsamen Treffen am Essenstisch. "Das ist uns wichtig und darauf lege auch ich großen Wert", sagt der 55jährige, der seit seiner Geburt in Johannesburg lebt. "Es ist eine Stadt mit viel Remmidemmi. Das mag ich an Johannesburg. Aber die hohe Kriminalität beeinflusst hier schon unser Leben."

Um das Haus von Uwe Birkner ist eine Grenzmauer gezogen. Es gibt eine Diebstahlsicherung und Schiebegitter. Das Schwimmbad und die große Grillanlage aber laden zum längeren Verweilen ein - trotz der Sicherheitsmaßnahmen. "Ich habe unsere Kinder schon früh darauf hingewiesen, dass man in Südafrika auf der Hut sein muss. Ansonsten kann man hier aber wunderbar leben." Vater sein in Südafrika ist grundsätzlich nicht anders als in Europa. "Aber man muss in gewissen Dingen vorsichtig sein." In vielen Familien müssen sich die Kinder bei nächtlichen Unternehmungen in regelmäßigen Abständen bei den Eltern melden. Sicherheit hat oberste Priorität.

Selten in Afrika: das europäische Familienmodell


Uwe Birkner ist ein Familienmensch. Die Beziehung zu seinen drei Kindern beschreibt er als sehr eng, auch wenn sie nun alle fast erwachsenen sind. "Als Philipp noch kleiner war, sind wir Samstag morgens immer gemeinsam zum Fußball gefahren. Er hat gespielt und ich habe ihm mit einem Kaffee gemütlich zugeschaut." Solche gemeinsamen Momente gab es früher nur wenige, weil Uwe Birkner in seinem Beruf sehr eingespannt war. Umso mehr kümmert er sich jetzt um seine drei Kinder.

Bei den Birkners findet man ein eher europäisches Familienmodell. "Meine Frau und ich kommen für den Lebensunterhalt gemeinsam auf. Meine Frau Carmen arbeitet von zuhause aus als Buchhalterin." In ärmeren Familien ist das meistens anders. Da hat nur der Mann Arbeit, wenn überhaupt, und muss mit wenig Geld seine Familie ernähren.

Vor drei Jahren hat Uwe Birkner mit seinem Bruder ihren Juwelierladen in Sandton, einem reichen Stadtteil von Johannesburg, verkauft. Während der Weltmeisterschaft hilft er einem deutschen Fernsehsender bei der Abwicklung von Fahrten und steht den vielen Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite.

Ohnehin ist Südafrika ein Land der Gegensätze. Was aber alle eint ist die Freundlichkeit und Lebensfreude der Menschen und es scheint, als würden Väter in Südafrika genau darauf Wert legen, egal wie hoch der Lebensstandard ist.

Staatliche Förderprogramme


Kindergeld, wie wir es aus Deutschland kennen, gibt es in Südafrika nur für ärmere Familien. Seit Einführung dieses staatlichen Programms ist die Geburtenrate gestiegen. Sechzehn Jahre nach Abschaffung der Apartheid ist Südafrika zwar ein demokratisches Land, doch die schwarze Bevölkerung ist immer noch stark benachteiligt. Arbeitslosigkeit, soziale Konflikte und immer mehr die Immunschwächekrankheit AIDS bedrohen die Zukunft der Familien.

Die Unterschiede zwischen arm und reich sind sehr groß. Deswegen unterstützt der Staat mit ihren Programmen hauptsächlich die schwarze Bevölkerung (black economy empowerment). Als Vater in Südafrika ist man nicht nur als Familienoberhaupt sondern auch als Organisator gefragt. Das Problem in Südafrika ist das nicht ausgereifte öffentliche Transportsystem. Die Kinder, die früher auf die deutsche Schule gingen haben damals einen privaten Vater-Shuttle bekommen. "Ich habe meine Kinder früher morgens immer selbst in die Schule gefahren. Für die Rückfahrt wurden dann gemeinsame Busse organisiert."

Auf Förderungen kann man sich in Südafrika nicht verlassen. "Als Vater ist man sein eigener Förderer", lacht Uwe Birkner "vieles muss man selbst oder gemeinsam mit anderen Vätern organisieren. Aber ich würde nie woanders wohnen wollen."

Robert Freis

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