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Elterngespräche mit Vätern


Elterngespräche mit VäternBild: © contrastwerkstatt-fotolia.com

"Väter nehmen sich zu oft zurück", sagt Lothar Reuter, der im Saarland und in Rheinland-Pfalz etliche Kindergarten-Teams coacht. Denn sie dringen in der Kita in eine fremde Frauenkultur ein. Das schafft Unsicherheiten und Fragen auf beiden Seiten. Im Interview mit Ralf Ruhl erklärt er, wie Elterngespräche dennoch erfolgreich sein können.

Väter ernst nehmen


väterzeit: Herr Reuter, was ist anders, wenn in einem Elterngespräch in der Kita der Erzieherin auch der Vater gegenübersitzt?

Lothar Reuter: Frauen und Kinder sind in der Kita unter sich. Das hat eine über hundert Jahre alte Kultur. Dadurch haben sich Kommunikations- und Umgangsformen herausgebildet, die Vätern fremd sind. Männer sind dort immer noch selten beschäftigt und dass Väter sich engagieren, ist eine relativ junge Entwicklung. Dass Väter wichtig sind, steht in den Kitas außer Frage. Ich habe es auch noch nie erlebt, dass sie nicht willkommen wären. Aber die weiblichen Kita-Teams müssen sich dem öffnen. Das bietet Neues, das schafft aber auch Ängste.

väterzeit: Das klingt als wüssten Erzieherinnen nicht, wie sie mit Männern umgehen sollen.

Lothar Reuter: Wenn Mütter in die Kita kommen, dann setzen sie sich mit den Erzieherinnen zusammen und beginnen schnell ein Gespräch. Beim Mütterabend sitzen sie im Kreis und reden miteinander. Diese Kommunikationsform ist Männern eher fremd. Sie fragen "worum geht es denn, was ist der nächste Punkt?" Sie brauchen mehr Struktur im Gespräch, eine Art Tagesordnung, damit sie wissen, woran sie sind und was die Erzieherin von ihnen will. Das gibt ihnen Sicherheit, dann können sie sich öffnen.

Väter direkt ansprechen


väterzeit: Männer brauchen also eine autoritäre Gesprächskultur?

Lothar Reuter: Das wäre zu viel gesagt. Aber eine klare Struktur bietet ihnen Sicherheit, dann wissen sie, woran sie sind und sind auch sehr bereit, sich zu engagieren. Wenn Väter in die Kitas kommen, ist das ja nicht nur für die Erzieherinnen eine neue oder gar fremde Situation. Das ist es auch für die Männer. Und ja, auch die Männer müssen sich dem öffnen, dass sie da in eine Kultur geraten, die weiblich geprägt ist.

väterzeit: Wie kann das gelingen?

Lothar Reuter: Die Erzieherinnen sind die Chefinnen, die Kita ist ihr Betrieb, hier arbeiten sie, hier haben sie das Sagen. Diese Rolle müssen sie annehmen und vertreten und die Väter einladen, zu kommen. Das beginnt bereits damit, dass im Brief nicht "liebe Eltern" als Anrede steht, sondern "liebe Mütter, liebe Väter". Damit sind die Väter auch in ihrer Eigenschaft als Träger eines Geschlechts angenommen. Denn bei allem, was sie tun, sind sie als Mann präsent. Ob das die Erwerbsarbeit ist oder das Trösten der Kinder. Alles, was sie tun, tun sie als Mann, als Vertreter ihres Geschlechts. Damit zeigen sie, dass alles, was sie tun männlich ist und Männersache. Das kann man nicht ausblenden. So wie Frauen im Beruf und in der Öffentlichkeit, z.B. bei Straßennamen, stärker sichtbar sein wollen, gilt das für Männer in den traditionell weiblich geprägten pädagogischen Einrichtungen auch.

Väter unter Müttern


väterzeit: Wie lässt sich das praktisch umsetzen?

Lothar Reuter: Ach, da gibt es so viele Kleinigkeiten. Zum Beispiel die Frage, wer wird angerufen, wenn das Kind krank wird oder sich verletzt hat. Hat die Erzieherin überhaupt die Nummer des Vaters? Eine Handy-Nummer, unter der er auch erreichbar ist? Oder auch, um beim Beispiel mit dem Einladungsbrief zu bleiben, dass die Themen, um die es gehen soll, gleich benannt werden, quasi als Tagesordnung.
väterzeit: Oft sitzen beim Elternabend ja nur ein oder zwei Väter unter vielen Müttern...

Lothar Reuter: Ja, das ist schwierig. Da brauchen die Väter Ermunterung, das geht Frauen in fast reinen Männerrunden ja nicht anders. Väter nehmen sich da immer noch zu sehr zurück, weil sie sich in der Situation nicht so sicher fühlen und auch mit dem Themenbereich Erziehung nicht so vertraut fühlen. Eine direkte Ansprache durch die Erzieherin hilft da sehr. Auch das Formulieren von direkten Wünschen oder Bitten, "liebe Papas, das wollen wir von euch". Häufig ist ja gar nicht bekannt, welche Berufe die Väter haben, in welcher Situation sie stecken, ob sie getrennt oder gemeinsam erziehen. Da kann ein Fragebogen hilfreich sein, in dem Väter darstellen, was, wann und wie sie sich in der Kita engagieren wollen. Auch kann es sinnvoll sein, einmal nur Väter zu einem Elternabend einzuladen um die die Rolle zu thematisieren oder die Interessen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.

väterzeit: Ändert sich das dadurch, dass mehr Männer in Kitas arbeiten?

Lothar Reuter: Ja, aber sehr langsam. Es gibt zwar Regionen, in denen zehn bis 15 Prozent der Erzieher männlich sind, aber es gibt auch immer noch viele Kitas mit rein weiblichem Personal. Ich habe Erzieher gefragt, wie würde die Kita aussehen, wenn hier nur Männer arbeiten würden? Da kam richtig Leben in die Bude, die Vorschläge prasselten nur so auf mich ein: Ferrari-Gruppe statt Marienkäfer- oder Bärchen-Gruppe, mehr körperliche Aktivität wurde gefordert, mehr Rausgehen, nicht nur Toben und Kicken, auch Gänge in die Stadt, das Umfeld erforschen, es wurde aber auch der Ton am Esstisch genannt, ganz allgemein die Art des Umgangs miteinander. Aber eine reine Männerkita gibt es ja noch nicht.

Väterengagement in der Kita


väterzeit: Zeigen die Väter mehr Engagement jetzt, wo doch viele von ihnen auch nach der Elternzeit stärker im Alltag ihrer Kinder präsent sein wollen?

Lothar Reuter: Es nehmen viele Väter Elternzeit, gut ein Drittel, was vor zehn Jahren ja noch undenkbar schien. Dennoch ist es nicht die Mehrheit. Das muss man auch klar sagen. Und was dem stärkeren Engagement der Väter entgegensteht, ist immer noch die Struktur der Arbeitswelt. Familienfreundliche Maßnahmen gibt es nur in wenigen Branchen, in denen die hochqualifizierten Mitarbeiter gebraucht werden. Und die werden schnell wieder abgeschafft, sobald ein Unternehmen in die Krise gerät. Aber die Väter sind oft sehr engagiert. Da gab es in einer Kita statt des Spielzeug-Mitbring-Tages den Papa-Mitbring-Tag. Und die Väter haben sich dafür frei genommen, Schichten getauscht oder früher mit der Arbeit aufgehört. Aber wer die Väter ernst nehmen will, der muss auch auf ihre Bedingungen Rücksicht nehmen und vielleicht einen Sprechtag auch an einem Abend anbieten.

väterzeit: Es ist also mehr möglich als das klassische "Väter bauen das Außengelände um"?

Lothar Reuter: Unbedingt. Allerdings sollten wir uns nichts vormachen: Das Männerklischee trifft auf viele Männer zu. Da kann man sie packen und das sollte man auch. Allerdings sollte man nicht beim Klischee stehen bleiben, denn dann reproduziert man es immer wieder.

Mit Lothar Reuter sprach Ralf Ruhl

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