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Vaters Sohn

Vaters Sohn
Bild: Sanjarok - photocase.com

Wie geht Mann-Sein? Das schauen Jungen sich von ihrem Vater ab. Der Vater ist als männliches Geschlechtsrollenvorbild die erste Wahl, positiv wie negativ. Und er fungiert als Gegengewicht zur häufiger anwesenden Mutter.
Kinder brauchen Väter! Die Zeit zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr gilt in der Psychoanalyse für besonders wichtig. Denn in dieser Phase löst sich das Kind aus der Symbiose mit der Mutter – ein angstbesetzter und schmerzhafter Prozess! Mutter und Kind brauchen dabei einen präsenten Vater: Er schützt das Kind vor schweren Verlassensängsten und hilft, die Symbiosewünsche mit der Mutter aufzugeben. So kann das Kind die Mutter realitätsgerechter wahrnehmen.

Dabei spielt die Beziehung zwischen den Eltern selbstverständlich auch eine wichtige Rolle. Die Mutter kann das Kind eher in seinen Autonomiewünschen unterstützen, wenn sie sich von ihrem Partner geliebt fühlt – dann muss sie nicht von sich aus das Kind festklammern. Und der Vater kann dem Kind besser Sicherheit geben, wenn er sich von seiner Partnerin in seinem Engagement akzeptiert und erwünscht fühlt.

Männliche Vorbilder verzweifelt gesucht



Jungen müssen sich, um eine positive Geschlechtsidentität zu entwickeln, mit ihrem Vater identifizieren. Von Frauen können Jungen vieles lernen, von der Säuglingspflege bis zur Autoreparatur. Frauen vermitteln ihnen dies jedoch immer als Angehörige des anderen Geschlechts. Sie zeigen, wie es ist, wenn eine Frau diese Dinge tut, wofür Frauen zuständig sind, wie wichtig das für Frauen ist. Sie können den Jungen nicht vermitteln, welchen Stellenwert das alles in der Welt der Männer hat. Das kann nur ein Mann.

Und das wird sehr früh sehr intuitiv verkörpert. Vom Vater schaut sich der Sohn ab, wie ein Mann geht oder steht. Ob er den Bauch einzieht und die Brust herausstreckt, ob er den Kopf und die Schultern hängen lässt, ob er sich drahtig oder elegant bewegt. So übernehmen Söhne grundsätzliche Haltungen und Lebenseinstellungen, selbstverständlich nicht 1:1 und in individueller Ausprägung. Später haben die Peer Group und das Umfeld, in dem er sich bewegt, ebenfalls starken Einfluss.

Die Übermacht der Weiblichkeit



Hier wird der Vorbildcharakter deutlich: Sieht der Junge, dass der Mann nicht nur abends müde von der Arbeit nach Hause kommt und dann das Spiel im Fernsehen schaut, sondern sich auch um den Haushalt kümmert, die Frau umarmt und mit seinen Kindern spricht, lernt er, dass das kein Weiberkram ist, sondern Männersache. Wenn die Mutter allerdings ständig hinter ihrem Sohn her putzt und ihm alles abnimmt, dann lernt er, dass Frauen für ihn den Dreck weg machen. Darüber sollten die Eltern miteinander sprechen!

Während ihrer gesamten Kindergarten- und Schulzeit sind Jungen hauptsächlich von Frauen umgeben: Erzieherinnen, Grundschullehrerin, Gymnasiallehrerin, Fachpädagogin, Kinderärztin... die eigene Mutter und die der Freunde und Klassenkameraden. Um ihre Geschlechtsidentität gegenüber dieser weiblichen Übermacht zu behaupten, müssen sie sich abgrenzen. Also andere Werte verinnerlichen, andere Vorlieben entwickeln, ein anderes Verhalten an den Tag legen. Wenn ihnen kein Mann hilft, sich mit dem eigenen Geschlecht zu identifizieren, bleiben sie in der Dauerabgrenzung vom Weiblichen und Kindlichen stecken. Auch das ist ein Grund für Frauenfeindlichkeit: Indem Männer nicht in den Erziehungsprozess eingebunden werden, sind die Jungen gezwungen, ständig Gegenpositionen einzunehmen, um ihre Identität zu finden und zu wahren.

Viel Vater, wenig Aggression



Können Väter als Modell für Erfolg, Ehrgeiz, soziale Anpassung und zwischenmenschliche Beziehungen dienen, zeigen Söhne hohe Werte bei der Messung von Verantwortungsgefühl und Erfolg, niedrige bei Aggression, wie Studien bereits in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigten. Ist die Elternbeziehung schlecht, der Vater schwach, neurotisch oder an der Erziehung nicht beteiligt, tendieren Söhne zu Macho-Verhalten als Kompensation, gekennzeichnet durch Unterwürfigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl und hohe Aggressionsbereitschaft.

Mit steigendem Alter wollen und sollen Söhne sich abnabeln und auf eigenen Füßen stehen. Die Gruppe der Gleichaltrigen wird immer wichtiger. Deren Werte können sich sehr von denen der Familie unterscheiden. Und ein Junge mag in einem Konflikt in der Familie hohe Sozialkompetenz beweisen, auf dem Schulhof dennoch zuschlagen, einfach, weil das den Regeln seiner Gruppe entspricht. Welches Verhalten er zukünftig wählt, hängt von seinen Werten, seiner Selbstsicherheit und dem Erfolg dieses Verhaltens in seiner Umgebung ab.

Ralf Ruhl

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Kommentare von Lesern:

 
Nik Dracula:
30.06.2016 15:32
Man kann NIE alles verallgemeinern, aber ein abwesender Vater ( ich bin alleinerziehend aufgewachsen ) wirkt auf die Söhne "zerstörend" in höherem Ausmaße

es gibt zwar ausnahmen, die "fehlerfrei" durchs leben marschieren nebst frau und arbeit im gepäck

aber viele, die die vaterlosigkeit nicht heil überstehen

ich kenne so einige männer, die jetzt verheiratet sind, guten job haben und alles gebacken kriegen

laut datenstatistik sollen diese "fälle" aber in der minderzahl sein

keine ahnung
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@Kiel:
07.06.2016 10:53
Ich weiß, späte Antwort auf eine drängende Frage. Sorry, bin gerade erst über Deinen Post gestolpert. Das was Du da schilderst kommt leider sehr häufig vor, besonders bei Vätern, die entweder beruflich sehr stark eingebunden sind oder aber, die gar nicht wissen, was ein Sohn denn so braucht. Vielleicht weil sie selbst hauptsächlich von Frauen erzogen wurden oder keine männlichen Bezugspersonen haben. Also liegt es sehr oft am nicht können, weniger am nicht wollen. Wenn Du magst, klick mal rein auf www.Maenners.com. Dort werden spezielle Camps für Vater&Sohn angeboten, in denen es auch darum geht die Beziehung zwischen den Beiden zu stärken. Hoffe Dir (auch so spät) eine Antwort auf Deine Frage gegeben zu haben.
- Kiel:
23.07.2014 23:44
Bin 13 Jahre alt und finde es scheiße dass mein Vater so wenig in meinem Leben mitwirkt . Hab das Gefühl das ich meinen Vater kaum kenne . Meine Mutter hingegen muss mich immer und überall nerven als müsste sie sich immer um alles kümmern .So treffen auch die Symptome des mangelnden Selbstwertgefühls zu.


Meine Frage an euch Erwachsene oder auch Kinder ist was für ein Vater Sohn Verhältnis ihr kenn und wie offen ihr dieses habt.
Und wie wichtig ist dieses für euch.

Bitte um eine Antwort. :(
Patrick S.:
17.07.2014 15:38
Sorry,patt73@web.de
Patrick S. :
17.07.2014 15:36
hallo gibt es gute literatur zum thema getrennt lebende eltern besonderst bezüglich Verhältnis Vater/Sohn? Am besten auch kindlefähig.Wenn ja,bitte kurze Mail an mich. patt74@web.de
maria, schwäbisch hall:
23.03.2014 07:25
Ich finde dieses Thema wirklich sehr interessant und hoffe, es wird nicht aus den Augen verloren, denn ich persönlich fände es wichtig, dass viele Menschen genau dies lesen und sich Gedanken zu machen( vll weil der Sohn als "schlägerer" gilt und die Mutter unbewusst schlecht dargestellt wird.
christian:
21.12.2013 02:48
hoffentlich hastz du einen sohn
Tamara, 37 Jahre:
20.07.2013 17:32
nicht kochen. Ich weigere mich einfach, dass lernen zu wollen.

Und ich frage mich immer wieder, womit ich das verdient habe....

Mein Mann ich und wollten das Gleiche: Eine Familie gründen und ein Kind bekommen. Das gleiche Ziel, und doch ein unterschiedliches Ergebnis in der Erlebniswelt!

Ich hatte einen regelrechten Schock, nachdem ich Mutter geworden bin. Nichts war wie zuvor. Bei meinem Mann läuft alles so wie eh und je...

Ich weigerte mich beharrlich, zu putzen und zu kochen. Wir konnten uns leider keine Zugehfrau leisten und ich musste erstmal lernen, dass alles geregelt zu kriegen.

Ich bin Akademikerin und bekomme nur noch befristete arbeitsverträge, seit ich Mutter bin und verteufele es wirklich, eine Frau sein zu müssen!

Also, liebe Leute; Erzieht eure Söhne und Töchter bitte zur Mündigkeit und bezieht eure Kinder mit ein in die täglichen Pflichten, die auch zu Hause anfallen.

Ich beziehe meinen Sohn mit ein in die die Hausarbeit, soweit es mir altersgerecht und zumutbar erscheint! Er soll lernen, was es heißt, sich selber versorgen zu können.

Und auch mein Mann muss mithelfen - er muss kochen!
Tamara, 37 Jahre:
20.07.2013 17:21
Ich habe durch die Erziehung, die ich in meiner Herkunftsfamilie genossen habe, auch gelernt, dass es Frauensache zu sein scheint, für andere den Dreck weg zu machen.

Meine Mutter hat mich auch nie dazu ermutigt, mich an der häuslichen Arbeit zu beteiligen und ich war insgeheim froh darüber, dass sie nicht darauf bestand, dass ich mithelfen sollte,

Sie war eine total pedantische Einzelkämpferin und wollte auch immer alles alleine machen im Haushalt; weil die anderen das auch alles immer nicht "richtig, schnell und grundlich genug" machten. Daraus hat sich dann bei mir auch eine regelrechte Anti-Haltung entwickelt. Habe mir dann irgendwann auch gedacht:Wenn das alles nicht richtig genug ist, wie ich das mache, wenn ich ihr mal helfen möchte, soll die alte Mecker-Kuh das doch alleine machen. Ich habe sie wirklich gehasst und wollte nie so werden wie sie.

.Ich fand das auch immer banal, niedere Tätigkeiten für andere Verrichten zu müssen und habe mich oft gefragt: warum macht die das eigentlich? Worin liegt der Sinn ihres Lebens? Sie tat mir schon sehr leid irgendwo, dass sie nur als Putzfrau und Köchin fungieren musste.

Ich fand die ganze Kiste auch mühselig und langweilig. war immer froh, dass ich zu meinem Vater in den keller flüchten konnte, der dort ein Büro eingerichtet hatte, weil er Grafiker und Programmierer war. Ich war wißbegierig und lernte viel und schnell. es machte mir viel mehr Spaß, Festplatten ein und auszubauen, als die Vorstellung kochen zu lernen. Mein Vater brachte mir programmieren bei und Autofahren. Ich bin ihm unendlich dankbar dafür, dass er sich meiner wissenshungrigen Seele angenommen hat!

Mittlerweile bin ich 37 J. und selber Mutter eines 3,5 jährigen Jungen. das erste, was ich nach der Geburt gedacht habe war: Wo ist meine Zugehfrau, die für mich den Dreck weg macht?

Soll das jetzt etwa meine Aufgabe sein, oder wie? Ich fühlte mich irritiert und überfordert...

Ich musste eine Psychotherapie machen und kann bis heute
Berthold, Freiburg:
06.05.2012 17:52
Wo sind denn da Vorwürfe?
XXX, Kiel:
03.05.2012 10:42
Leider zu viel Vorwürfe an die Mütter!

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