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Ein Baumhaus selber bauen


Baumhaus selber bauenBild: fotolia - vladiwelt

Ein Baumhaus selber bauen: einer der ganz großen Kinderträume. Ein Baumhaus ist ein Rückzugsraum, ein eigenes Reich, in dem Kinder noch mehr für sich ein können als im Kinderzimmer. Hier kann man Gäste empfangen, ohne vorher die Eltern fragen zu müssen und es muss auch nicht immer ganz so sauber sein wie in der Wohnung. Außerdem träumt und spielt es sich wunderbar geborgen im Geäst eines Baumes, der mit seinen Blättern ein zweites, grünes Dach bildet.


Wie die Kids beim Baumhaus bauen helfen können


Das größte Problem beim Baumhaus bauen ist der passende Baum. Er muss groß genug sein, entsprechend weit ausladend und natürlich gesund. Ein Baum, der im Inneren bereits morsch ist, eignet sich selbstverständlich nicht. Wenn man jedoch einen passenden Baum im Garten hat, ist der Rest vom Baumhaus bauen eigentlich gar nicht so schwer.

Natürlich können die Kinder beim Baumhäuser bauen auch mithelfen. Der Vater sollte jedoch auf jeden Fall die "Bauleitung" inne haben, dafür sorgen, dass das richtige Material verwendet wird und alles - unauffällig, aber sorgfältig - kontrollieren, damit es auch hält. Größere Kinder können hier schon einiges selbst machen, nur mit gefährlichen Maschinen wie der Handkreissäge sollte man sie beim Baumhäuser bauen nicht hantieren lassen. Das muss auch nicht sein, die Hölzer kann man größtenteils mit der Handsäge zusägen. Die Zeit drängt ja nicht und beim Umgang mit Handwerkzeugen lernt man das Material kennen.

Kleinere Kids können, während die Großen die komplizierten Teile vom Baumhaus bauen, Material zureichen, Bretter festnageln, hier mit dem Bleistift nach Vaters Angabe an einer Latte entlangfahren und da ein Holz beim Absägen halten. Auch kleine "Teilprojekte" können sie erledigen: Zum Beispiel ein Fensterbrett zuschneiden und aufnageln oder die Sprossen für die Leiter absägen.

Wichtig ist, dass sie das Gefühl haben, mitzuhelfen, selbst wenn die Hilfe den Fortschritt beim Baumhaus bauen eher verlangsamt. Ganz wichtig ist auch das Gespräch - "Na, wie wollen wir das jetzt machen?" - "Wo gehört der Nagel hin?" - das den Kindern den Eindruck vermittelt, dass sie auch am geistigen Teil der Arbeit beteiligt sind. Dann wird das ganze Baumhaus bauen nicht nur zu einem tollen Spaß, sondern hilft den Kindern auch, Selbstbewusstsein, Kreativität und die Fähigkeit zum Durchdenken und Lösen von Problemen zu entwickeln.

Die Plattform des Baumhauses


Ein Rahmen aus vier RundhölzernBild: Abbildung 1

Da Bäume keine genormten Formen und Abmessungen haben, ist beim Baumhausbau Kreativität gefragt; man muss sehen, wie man das Baumhaus in den vorhandenen Baum hinein konstruiert. Ein idealer Baum für ein Baumhaus hat eine Hohlkrone mit vier starken Ästen, die annähernd rechtwinklig zu einander stehen und praktisch eine umgedrehte Pyramide bilden. Zwischen diesen Ästen kann man einen Rahmen aus vier Rundhölzern mit gut 150 bis 250 mm Durchmesser oder zwei Rundhölzern und zwei vierkantigen Balken einbauen, so wie das in Abb. 1 zu sehen ist. Diejenigen Hölzer, die auf den Ästen aufliegen, sollten auf jeden Fall rund sein, damit keine Kanten den Baum beschädigen. Die Hölzer des Rahmens vernagelt man mit passenden Sparrennägeln.

Auf die oberen Hölzer des Rahmens nagelt man im Abstand von etwa 35 oder 50 cm Kanthölzer 40 x 60 oder 80 x 120 mm oder und zwar hochkant, damit sie besser tragen. Darauf wiederum kommt der Boden, der 24 oder 48 mm stark wird. Dieser Aufbau ist in Abb. 2 zu sehen. Die kleineren der angegebenen Maße gelten für Spannweiten bis zwei Meter, darüber solltest du die stärkeren Hölzer verwenden, mit diesen kannst du bis etwa drei Meter Spannweite gehen. Das ist aber bereits ein richtig großes Baumhaus, für das man auch einen entsprechend starken Baum braucht. Im Garten wirst du kaum über zwei Meter Spannweite bzw. Seitenlänge kommen und kannst die schwächeren Hölzer verwenden. Die sind auch wesentlich preisgünstiger.

Für Stabilität sorgen!


Aufbau des RahmensBild: Abbildung 2

Nageln Sie bitte jedes Brett auf jedem Kantholz. Das ist vor allem bei den äußeren Brettern wichtig, die über den Tragbalken liegen, denn durch die starre Verbindung bildet sich eine Art Gitterträger, der die Tragfähigkeit des Balkens erhöht. Wenn das Baumhaus sehr breit wird, leg am besten für die obere Lage des Rahmens noch ein weiteres Rundholz in die Mitte.

Einen idealen Baum wie den beschriebenen wird man aber kaum finden. Es reicht aber auch, wenn man eines der beiden unteren Rundhölzer des Rahmens im Baum (oder auch in zwei nebeneinander stehenden Bäumen) befestigen kann. In diesem Falle macht man für das zweite einen Bock, wie er in Abb. 3 zu sehen ist. Als Ständer verwendet man auch wieder Rundhölzer mit gut 150 bis 250 mm Durchmesser. Grabe die Ständer unten nicht ein, sondern setze sie auf Steinplatten und befestige sie mit zwei schrägen Pflöcken, so wie das in der Abbildung zu sehen ist. Die Verstrebungen macht man aus zölligen, also 25 mm starken Brettern.

Plattform und Konstruktion


Beim Baumhausbau gibt es zwei grundsätzliche Teilaufgaben: Die erste besteht darin, eine Plattform in den Baum hinein zu bauen, auf der das Baumhaus stehen kann. Die zweite ist der Bau dieses Hauses, der sich im Grunde wenig vom Bau eines Holzhäuschens auf dem Boden unterscheidet. Im Grunde ist es sogar einfacher als auf dem Boden, denn man hat die Plattform als Untergrund, auf der man prima schrauben und nageln kann um die Wandkonstruktionen zu befestigen.

Apropos Schrauben und Nageln: Selbstverständlich wird in das Holz des Baumes nicht geschraubt und nicht genagelt. Die Plattform wird mit Seilen an den Ästen des Baumes befestigt und ein Schutzvlies untergelegt, wie man es auch beim Anbinden von jungen Bäumen an Pfähle verwendet. Außerdem gibt man auch sonst beim Bau Acht, dass man die Rinde des Baumes nicht beschädigt.
Ständer aus RundholzBild: Abbildung 3

Die Wände vom Baumhaus


Rahmenkonstruktionen aus KanthölzernBild: Abbildung 4

Die Wände baut man als Rahmenkonstruktionen aus Kanthölzern 100 x 100 oder 50 x 50 mm, die wiederum mit zölligen Brettern beplankt werden, wie das in Abb. 4 und 5 zu sehen ist. Wenn du zwei Lagen aufnagelst, sodass die Bretter der oberen Lage über den Stößen der unteren liegen, gibt es keine Ritzen, wenn die Bretter schwinden. Lass zwischen den Brettern 2 - 3 mm Luft, dann wirft sich auch nichts auf, wenn die Bretter bei feuchtem Wetter quellen. Für die obere Lage kannst du auch ruhig schmalere Bretter nehmen, die nur so breit sind, dass sie die Brettstöße der unteren Lage verdecken.

Wände bei kleinen Baumhäusern


Rahmenkonstruktionen aus KanthölzernBild: Abbildung 5

Bei kleinen Baumhäusern kannst du auch nur eine Lage 14 mm starke Nut- und Feder-Bretter als Außenhaut aufnageln. Nagel die Beplankung aber erst auf, wenn du die Dachkonstruktion fertig hast. Ein diagonal aufgeheftetes Brett - ein so genanntes Schwert - steift den Rahmen so lange aus, bis die Beplankung diese Aufgabe übernimmt. Es ist auch kein Fehler, eine solche Aussteifung innen fest anzubringen und auch nach der Beplankung dort zu belassen. Damit sie nicht aufträgt, kann man sie auch aus den gleichen Hölzern machen wie den Rahmen und in diesen integrieren.

Die Rahmenkonstruktion wird mit Eisenwinkeln verschraubt und besteht aus Stehern (Ständern) und waagerechten Hölzern. Außer den vier Stehern an den Ecken zieh zwei Stück dort ein, wo die Tür sein soll, und natürlich auch für jedes Fenster zwei. Die Tür bekommt oben ein waagerechtes Kantholz als Sturz und jedes Fenster außerdem noch unten eines für die Fensterbank. Darauf nagelst du ganz zum Schluss noch ein Brett, das außen etwas übersteht, damit das Hirnholz der Bretter unter dem Fenster gegen Feuchtigkeit von oben geschützt ist.

Dach und Wandbeplankung beim Baumhaus


Am einfachsten ist es, das Dach als Pultdach auszuführen. Dazu nagel einfach auf der Seite, auf der die höhere Seite sein soll, noch ein Kantholz auf das obere Rahmenholz. Selbst wenn das Baumhaus drei Meter lang ist, hast du bei einem Kantholz 100 x 100 mm gute drei Prozent Gefälle und bei einem zwei Meter langen Modell aus 50er Hölzern immerhin auch noch zweieinhalb.

Als Sparren verwendest du Dachlatten 50 x 25 mm oder - wenn das Dach sehr lang ist - Latten mit 40 x 60 mm (sog. Rahmenschenkel) die du hochkant aufnagelst. Achte darauf, dass die beiden äußeren Sparren bündig mit der Rahmenkonstruktion der Seitenwände sind. Dann nagelst du die eigentlichen Dachlatten rechtwinklig zu den Sparren flach auf. Achte beim Ablängen der Hölzer darauf, dass das Dach an allen Seiten gut übersteht.

Dachpappe und Windbrett


Wenn du die Unterkonstruktion des Daches fertig oder zumindest die äußeren beiden Sparren aufgenagelt hast, kannst du die Wände beplanken. Dann siehst du, wie du die Bretter oben schräg zuschneiden musst: Halte jedes Brett an die Stelle, an der du es annageln willst und reiße den Sägeschnitt dort an. Diese Methode hat sich bei allen derartigen Arbeiten bewährt. Anhalten, anreißen, sägen - passt! Lass die Bretter auch unten gut überstehen, damit die Unterkonstruktion vor Schlagregen geschützt ist.

Die Dachhaut machst du aus so genannter Bitumen-Wellpappe, die im Volksmund auch (nach der bekanntesten Marke) "Onduline" heißt. Das ist gewissermaßen "Wellblech aus Dachpappe". Befestigt wird diese Pappe mit speziellen Nägeln, die oben ein Plastikhütchen haben, damit kein Wasser durchs Nagelloch eindringen kann. Nagel immer auf dem Berg der Welle und nie im Tal, denn dort läuft bei Regen das Wasser entlang.

Auf die Stirnseite ihres Pultdaches nagelst du ganz zum Schluss ein Windbrett, so wie es in der Abb. 6 zu sehen ist. Wenn du lieber ein flaches Satteldach möchtest, nagel das Kantholz für die Überhöhung einfach in der Mitte auf. In diesem Fall musst du den Stoß der Bitumen-Wellpappe am First mit einem passenden Firstprofil abdecken.
Die Stirnseite des PultdachesBild: Abbildung 6

Die Leiter


Natürlich braucht ein Baumhaus auch eine Leiter. Das kann eine Strickleiter sein, die man nach oben einziehen kann, wenn man ungestört sein will, aber die ist nicht ganz leicht zu besteigen. Eine normale Leiter macht man aus zwei hinreichend starken Rund- oder Kanthölzern, auf die man Sprossen aufnagelt. Die Sprossen müssen gegen Wegrutschen nach unten gesichert sein. In Abb. 7 sind drei Möglichkeiten zu sehen, wie man das erreichen kann: Durch Einkerben (I), mit unter der Sprosse auf den Holm genagelten Lattenstücken (II) oder mit speziellen Haken (III) die man bei Händlern und Versendern für Jagdbedarf bekommt.
Die Leiter für das BaumhausBild: Abbildung 7

Alternative Materialien für ein Baumhaus


Mit den größeren der angegebenen Materialquerschnitten kannst du ein recht großes Baumhaus bis etwa drei mal drei Meter mit annähernder Stehhöhe für Erwachsene bauen. Allerdings ist so ein Baumhaus auch richtig schwer und richtig teuer: In einem Baumhaus von drei mal drei Metern und zwei Metern Höhe stecken weit über zwei Festmeter Holz und es wiegt grob überschlagen mehr als anderthalb Tonnen! Wenn das Baumhaus kleiner werden soll, kannst du die schwächeren Querschnitte verwenden. Dann wird das ganze natürlich wesentlich leichter und auch erheblich preisgünstiger: Bei zwei mal zwei Meter und anderthalb Meter Höhe benötigst du weniger als einen Festmeter, das Baumhaus wiegt aber immerhin auch noch einige Hundert Kilo.

Preiswerte Material-Alternativen


Preisgünstiger wird auch ein größeres Baumhaus, wenn du statt der Kanthölzer Fichtenstangen und statt der Bretter für die Wände Schwarten nimmst. Notfalls könnte man auch für den Boden halbierte Stangen nehmen, aber das Schlitzen von Stangen mit der Kettensäge ist eine Kunst für sich und nicht ungefährlich. Nimm hier auf jeden Fall Bretter oder Dielen.

Fichtenstangen bekommt man sehr preisgünstig, wenn man sie selbst schlägt, von Privatwaldbesitzern manchmal sogar umsonst. Ein Stangenholz, also ein etwa 20jähriger Wald, muss durchforstet werden, damit die verbleibenden Bäume weiter wachsen können. Die Arbeitskosten sind aber höher als der Erlös für die anfallenden Stangen, da diese sich heute kaum mehr verkaufen lassen. Seitdem man auf dem Bau keine Stangengerüste mehr verwendet, fragen nur noch ein paar Jäger und der eine oder andere Pferdebesitzer dieses Holz für den Bau von Hochsitzen bzw. Koppelzäunen nach.

Schwarten sind die äußeren Teile von Baumstämmen, die keine Bretter mehr ergeben, weil sie auf einer Seite Rinde haben. Man bekommt sie günstig in Sägewerken. Und wo man Fichtenstangen herbekommt, erfährt man meist, wenn man bei einem Waldspaziergang jemanden fragt, der dort Holz macht. Der kennt möglicherweise die Bauern, die in der Gegend Wald besitzen und eventuell ein Stangenholz haben, bei dem das Durchforsten ansteht. Auch Jäger können hier weiterhelfen, denn sie brauchen solche Stangen, wie bereits erwähnt, für den Hochsitzbau und kennen daher ebenfalls Quellen.

Für die Wände kann man auch Sperrholz nehmen und zwar wasserfestes. Die billigste Qualität ist Seekiefer-Sperrholz, das man für Überseekisten verwendet. Es gibt auch grobe Spanplatten für diesen Zweck, die relativ preisgünstig sind. Die Wandbeplankung aus Sperrholz oder Platten hat den Vorteil, dass man die Aussteifung des Rahmens einspart.

Eine weitere Möglichkeit wäre - falls die Maße passen - auf die Plattform ein Bausatz- Gartenhäuschen aus Holz zu stellen. Diese sind unter Umständen billiger als das Holz für den Selbstbau. Aber denk auch hier wiederum an das Gewicht, denn diese Häuschen sind oft aus recht massiven Blockbohlen.

Haltbarkeit von Baumhäusern


Ein gutes Baumhaus hält um einiges länger als eine Kindheit dauert. Wichtig ist dabei, dass die Holzteile vor dauernder Feuchtigkeit geschützt sind. Dazu ist nicht unbedingt ein Anstrich notwendig, denn wenn er schadhaft wird, lässt er möglicherweise Wasser ins Holz hinein aber nicht mehr heraus. Konstruktiver Holzschutz tut hier unter Umständen mehr. Damit ist gemeint, dass Holzkonstruktionen so ausgeführt werden, dass Teile entweder erst gar nicht nass werden oder, schnell trocknen können und Hirnholzflächen nicht dem Regen ausgesetzt sind.

Problemstellen für Witterungseinflüsse


Ganz besonders gefährdet sind Verbindungsstellen, da hier oft die Struktur des Holzes verletzt ist und naturgemäß Ritzen entstehen, in die Wasser eindringen und sich darin halten kann. Bei einem Baumhaus sind das unter anderem die Stellen, an denen der Unterbau am Baum angebunden ist, da bei entsprechend starkem Regen Wasser an den Ästen herunter laufen kann. Diese Stellen sollten öfter überprüft werden, wobei man am besten gleich die ganze Unterkonstruktion einer Revision unterzieht. Ob ein Balken morsch ist, kann man wie beim Autoblech mit einem Schraubenzieher feststellen.

Übrigens hat sich für Holzkonstruktionen, die der Witterung ausgesetzt sind, neben Eichenholz auch das der Edel- oder Esskastanie bewährt. Diese Holzarten sind aber nicht billig. Eventuell verwendet man sie auch nur für die Unterkonstruktion, also die vier dicken Rundhölzer und, wenn vorhanden, die Stützpfosten. Wenn man dafür sorgt, dass das Holz trocken bleibt - dichtes, weit genug vorspringendes Dach, unter den Boden herunter gezogene Wände - hält aber auch hier einfaches Fichtenholz recht lange.

Volker Wollny

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