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Wickelkommode selber bauen


Wickelkommode selber bBild: Volker Wollny

Eine Wickelkommode ist eine feine Sache - so lange das Baby in die Windeln macht. Dann wird sie jedoch meist zu einem unnützen Möbel. Das hier gezeigte Modell kann, wenn seine Dienste als Arbeitsplatz nicht mehr nötig sind, sich in einen Spieltisch verwandeln.

Variable Höhe


Die Arbeitshöhe der Wickelkommode lässt sich auf die Körpergröße von Mutter oder Vater anpassen, wenn entsprechend hohe Füße angebracht werden. Mit den in Abb. 9 und 10 angegebenen Maßen für die Füße beträgt sie einen Meter. Am günstigsten ist es, wenn man locker aufrecht stehend die Hände mit etwa 90° angewinkelten Ellenbogen auf das Baby legen kann. Wer keine Füße, sondern durchgehende Seitenwände haben möchte, kann entsprechend längere Leimholzplatten für Seitenteile und Rückwand nehmen. Dann muss man aber 800 mm breite Platten mit der Maserung in senkrechter Richtung verbauen anstatt 600 mm breite mit waagerechter Maserung wie hier gezeigt. Das Maß für die Länge ergibt sich aus der gewünschten Arbeitshöhe + 100 mm für die Umrandung.
Bild: Wickelkommode

Exakte Kanten


Ein Problem beim Selbstbau von Möbeln besteht darin, exakte Kanten an Teilen zu erhalten, die mit anderen Teilen zusammenstoßen, sodass saubere Fugen entstehen. Als Heimwerker behilft man sich, indem man bei Rahmenschenkeln und Kanthölzern die Maße verwendet, die als gehobelte Ware erhältlich sind und beim Kauf darauf achtet, dass man gerade Stücke erhält und den Zuschnittservice im Baumarkt nutzt. Als Holz eignen sich vor allem Kiefer oder Buche.

Lassen Sie sich sich die Teile nach Abb. 2 bis 7 zuschneiden: Seitenteile, Rückwand und Platte aus einer 38 mm starken Leimholzplatte 600 x 2500 mm. Seitenwand und Boden für das Ablagefach unter der Platte bestehen aus 28 mm starken Leimholzplatten. Die großen Rundungen mit dem 200er Radius an den Seitenteilen stellen Sie selbst mit der Stichsäge her und arbeiten sie mit Raspel und/oder Surformhobel nach. Sie können die Teile zusammenspannen und gemeinsam bearbeiten. Dabei sollten Sie jedoch einen Winkel verwenden, damit die Schmalseiten schön winklig zu den Fronten werden.

Bild: Wickelkommode Seitenwand

Füße und Ablage


Bild: Wickelkommode Rückwand

Auch die Füße müssen oben und unten sauber winklig geschnitten sein. Wenn Sie selbst dazu keine Möglichkeit haben, lassen Sie diese Arbeit vom Zuschnittservice erledigen.
Die Eckleistchen für das Ablagefach fertigen Sie aus Glattkantleisten 20x20 mm. Sie müssen die Schrauben tief versenken, damit die Köpfe nicht beim Verrunden der Kante freigelegt werden. Die Leistchen verrunden Sie bereits jetzt, da Sie nach der Montage schlecht drankommen. Achten Sie aber darauf, dass Sie keine der Kanten bzw. Flächen herunterziehen, die später auf dem Holz aufliegen. Sonst entstehen Ritzen.

Falls Sie die Leiste in der linken unteren Ecke des Ablagefaches nicht haben möchten, können Sie die Seitenwand auch mit Holz- oder Spanplattenschrauben 6x50 direkt an den Boden schrauben. Dazu müssen Sie drei oder vier Schraubenlöcher 14 mm von der Unterkante der Seitenwand entfernt anbringen. Auch hier müssen Sie die Schrauben tief versenken, weil sie recht nahe an der Kante liegen. Da die Schraubenlöcher in den Eckleistchen (und gegebenenfalls in der Seitenwand des Ablagefaches) nicht so sichtbar sind, können Sie statt der Holzstopfen auch einen farblich abgestimmten Holzkitt verwenden.

Die Verschraubungen


Seitenteile, Rückwand und Platte können Sie mit Holz- oder Spanplattenschrauben 8x60 (am besten mit Torx- oder Vielzahnkopf) verschrauben. Da die Schrauben später mit Stopfen versteckt werden sollen, müssen sie als Stufenbohrungen ausgeführt werden. Der kleine Durchmesser beträgt 8,5 oder 9 mm, da die Teile mit 8 mm starken Spanplattenschrauben verbunden werden sollen. Der größere Durchmesser richtet sich nach den Stopfen, die Sie haben.

Am besten sind Stopfen, die mit einem Hohlbohrer quer zur Faser des Holzes ausgebohrt wurden. Man kann sie aus Abfallstücken des verwendeten Holzes bohren, aber der dazu erforderliche Hohlbohrer ist nicht billig. Notfalls kann man die Stopfen auch aus Rundstäben machen. Das hat den Nachteil, dass man an den versteckten Schraubenlöchern Hirnholz statt Langholz sieht. Außerdem saugt dieses Hirnholz beim Firnissen des fertigen Werkstückes das Öl stärker auf, sodass die Schraubenlöcher als dunklere Punkte zu sehen sind. Das kann sogar gut aussehen, wenn die Schraubenlöcher exakt verteilt sind, sodass sie ein regelmäßiges Bild ergeben.

Bild: Wickelkommode Platte

Bohrprobleme


Bild: Wickelkommode Eckleisten

Bei den Stufenbohrungen wird der größere Durchmesser zuerst gebohrt. Holzbohrer zentrieren sich nicht mit der Bohrerspitze. Wenn man versucht, ein kleineres Loch mit einem größeren Bohrer aufzubohren, findet dieser keinen Halt. Bohren Sie also zunächst mit dem Bohrer für die Stopfen etwa einen Zentimeter tief und dann mit dem 8,5er oder 9er Bohrer vollends durch.

Reißen Sie die Schraubenlöcher nach den Maßen in den Abb. 2 - 4 an, am besten mit einem Streichmaß und bohren Sie immer zuerst den großen Durchmesser auf die erforderliche Tiefe für die Stopfen und anschließend mit 8,5 oder 9 mm.

Die Bohrungen für die Schrauben an den Füßen können Sie nicht verdecken, wenn die Füße abnehmbar sein sollen. Daher nehmen Sie statt der Spax Schlüsselschrauben, die offiziell "Sechskant-Holzschrauben nach DIN 571" heißen in der Größe 8x60, am besten aus Edelstahl. Damit die Sechskante dieser Schlüsselschrauben nicht hervorstehen, müssen Sie sie ca. 10 mm tief versenken (Kofhöhe der Schraube + Dicke der Unterlagscheibe). Der Durchmesser der Senkungen muss so groß sein, dass man die Schrauben mit einem Steckschlüssel oder einer Nuss anziehen kann: Machen Sie mit einem 20er Forstnerbohrer zunächst eine hinreichend tiefe Topfbohrung und bohren Sie anschließend das Durchgangsloch zentrisch dazu mit 8,5 oder 9 mm. Um den Druck der Schraube besser zu verteilen, verwenden Sie statt gewöhnlicher Unterlegscheiben Karosseriescheiben mit einem Außendurchmesser von 20 mm, auch aus Edelstahl. Um die erforderliche Versenktiefe zu ermitteln, messen Sie die Höhe von Schraubenkopf und Scheibe im zusammengesteckten Zustand oder halten die Schraube mit aufgesteckter Scheibe zum Probieren kopfüber in das Loch.
Bild: Wickelkommode Fuss

Die Montage


Für die Montage der Wickelkommode reißen Sie das Maß 138 mm (100 mm Umrandungshöhe + Materialstärke) von der Oberkante Seitenwände/Rückwand an, am besten mit dem Streichmaß. Das gleiche machen Sie für die Füße und die Eckleistchen für das Ablagefach. Unter die Anrisse heften Sie mit Glaserstiften Glattkantleistchen. Diese sollen beim Zusammenbau als Auflagen bzw. Anschläge für die Teile dienen. Es reicht, wenn Sie an jedem der beiden Seitenteile vorne und hinten ein kurzes Stückchen anheften. Auch die Eckleistchen für das Ablagefach sollten Sie jetzt anbringen. Das Ablagefach können Sie auch mit ein oder zwei Leistchen an der Rückwand befestigen.

Setzen Sie nun auf einer hinreichend großen, ebenen und glatten Unterlage ein Seitenteil mit der Rückwand zusammen und markieren Sie die Schraubenlöcher auf dem Hirnholz des Seitenteils und bohren Sie vor. Fixieren Sie die Teile mit großen Schraubzwingen.

Versenken mit Trick


Bild: Wickelkommode Fachboden
Als nächstes montieren Sie das Ablagefach und anschließend die Füße. Wenn Sie die Füße mehrfach wechseln wollen, können Sie statt der Sechskant-Holzschrauben auch Maschinenschrauben verwenden. In diesem Falle müssen Sie die Füße auch mit 8,5 oder 9 mm durchbohren und auf der Rückseite eine Versenkung wie in der Seitenwand anbringen.

Das geht am besten mit einem kleinen Trick: Markieren Sie die Bohrungen durch Anbohren, wie für die Schlüsselschrauben. Anstatt für die Holzschraube vorzubohren, bringen Sie die gleiche Stufenbohrung an, wie in der Seitenwand und zwar exakt rechtwinklig, am besten auf einer Tisch- oder Ständerbohrmaschine bzw. einer Handbohrmaschine in einem Bohrständer. Da Sie den Fuß zur Montage umdrehen müssen, muss der Randabstand der Bohrung in der Seitenwand exakt die halbe Breite des Fußes (45 mm) bzw. diese plus dem Abstand des Fußes von der Vorderseite (165 mm) haben, also "auf Umschlag passen".

Das Finish


Wenn Sie alles zusammengeschraubt haben, verblenden Sie die Schraubenlöcher. Verrunden Sie alle Kanten erst mit grobem und dann mit feinem Schleifpapier und schleifen sie gegebenenfalls alle Oberflächen.

Als Wickelunterlage können Sie statt der im Handel üblichen Artikel auch einen kochfesten Kopfkissenbezug 80 x 80 cm nehmen, in den Sie eine ebenfalls kochfeste, passend gefaltete Decke stecken.

Volker Wollny

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