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"Es kam doch alles ganz anders" - Väter in der Geburtsvorbereitung


Nach einer Untersuchung der Universität Bonn erleben Väter, die einen Geburtsvorbereitungskurs nur für Männer besucht haben, die Geburt positiver als andere. Doch was passiert in einem solchen Kurs? Welche Fragen haben die Männer? Auskunft gibt Kursleiter Andreas Gerts.

väterzeit: Herr Gerts, Sie bieten Geburtsvorbereitungskurse für werdende Väter an. Mit welchen Fragen kommen die Männer?

Andreas Gerts: Eine zentrale Frage ist: Wie habe ich selbst meinen Vater erlebt? Die Männer reflektieren sehr schnell ihre eigene Biografie, also was sie über ihren Vater wissen, wie sie ihn erlebt haben, ob er bei der Geburt dabei war und wie er in den ersten Lebensjahren anwesend war. Dann gibt es pragmatische Fragen: Was brauche ich unbedingt, wenn das Kind da ist? Welcher Kinderwagen ist gut? Und ganz wichtig: Wo ist mein Platz während der Geburt? Woran muss ich unbedingt denken? Was sollte ich vermeiden?


Die Beziehung zum eigenen Vater

väterzeit: Wie wirkt sich das Verhältnis zum eigenen Vater auf das Geburtserleben aus?

Andreas Gerts: Ganz unterschiedlich. Manche Väter stellen fest, dass sie alles anders machen wollen als ihr Vater. Andere sagen, sie wissen nichts darüber, weil ihr Vater nie da war, sei es wegen der Arbeit oder wegen der Trennung der Eltern. Andere sagen, sie haben viel gelernt von ihrem Vater, viel mitgenommen. Die hinterfragen auch, ob das für sie selbst so übertragbar ist auf ihre Situation, aber viele sagen auch, dass sie es genauso machen wollen wie ihr Vater.

väterzeit: Wirkt sich ein positives Verhältnis zum eigenen Vater positiv auf die Vaterschaft aus?

Andreas Gerts: So grundsätzlich kann man das nicht mit dem Etikett "positiv" oder "negativ" beantworten. Die meisten Väter schauen sehr genau, was sie von dem, was sie mit ihrem Vater erlebt haben, mitnehmen wollen oder eben anders machen wollen.

väterzeit: Geld ist also nicht die Hauptfrage, wie es das typische Männerklischee behauptet?

Andreas Gerts: Nein.

väterzeit: Sind die Vätermonate bei allen Thema?

Andreas Gerts: Einige gut verdienende Väter sagen klar, dass sie die Vätermonate nicht nehmen werden. Sie überlegen aber, wie sie zum Beispiel verkürzt arbeiten können, wie sie den Urlaub am besten um die und nach der Geburt ihres Kindes legen können usw. Andere nehmen sieben bis acht Monate Elternzeit, einige sogar länger als die Mutter.
Der Klinik-Koffer für den Vater

väterzeit: Wo ist der Platz des Vaters bei der Geburt?

Andreas Gerts: Zunächst frage ich die Männer, was sie sich im Dialog mit der werdenden Mutter und der Hebamme überlegt haben. Fast alle wollen bei der Geburt dabei sein. Dann geht es darum, was sie tun wollen und was sie nicht tun sollten. Ebenfalls wichtig: Die Selbstversorgung. Dann packen wir virtuell die Kliniktasche für den werdenden Vater.

väterzeit: Was gehört da unbedingt rein?

Andreas Gerts: Zahnbürste, Deoroller, T-Shirt, Kleingeld, Ersatzakku fürs Handy, Zeitung oder Buch, oder anderes Beschäftigungsmaterial für lange Wartezeiten.

väterzeit: Wie sieht es mit der Verpflegung und Versorgung für die werdenden Väter aus?

Andreas Gerts: In den Geburtshäusern haben die Väter oft ein eigenes Bett und können sich selbst auch ausruhen. Selten gibt es nur eine Sitzgelegenheit und es ist Standard, dass sie mit verpflegt werden. Auch in den Krankenhäusern werden die Väter bei der Versorgung mitbedacht. Auch dort gibt es Orte, wo sie sich ausruhen können.

väterzeit: Fühlen sich die Väter gut vorbereitet durch den Kurs?

Andreas Gerts: In Nachgesprächen sagen viele "es war gut, das alles so gehört zu haben - es ist aber anders gekommen." In manchen Kursen sitzen auch Männer, die bereits ein oder zwei Kinder haben. Die berichten von ihren Erfahrungen, das ist für die "Neulinge" sehr wertvoll. Andere sind da, weil die Frau es wünscht. Grundsätzlich fühlen sie sich sicherer, die Situation ist ihnen ein wenig vertrauter geworden.

Die Fragen stellte Ralf Ruhl

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