väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

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Ich bin Deine Welt - Erfahrungen aus zwei Jahren Teilzeitvater


Kinderbetreuung in Teilzeit



Wir haben schon immer eine moderne Ehe geführt. Dass wir die Hausarbeit teilten, war für uns klar. Und wurde und wird auch so praktiziert. Bei der Betreuung unserer Tochter lag zunächst die Hauptarbeit bei meiner Frau. Nach zwei Wochen Urlaub unmittelbar nach der Geburt arbeitete ich noch Vollzeit. Ich ging möglichst früh zur Arbeit, kam in der Mittagspause nach Hause, damit ich sie wenigstens für eine halbe Stunde ablösen konnte, und war am Nachmittag wieder baldmöglichst zurück. Doch wir merkten, dass das nicht genug war. Ich beantragte Elternzeit für ein halbes Jahr. Und arbeitete in dieser Zeit halbtags in der Privatwirtschaft. Mit Arbeitszeiten, die ich selbst gestalten konnte. So ging es schon viel besser. Meine Frau konnte nun tatsächlich mal 1-2 Stunden in die Stadt verschwinden oder im Garten arbeiten. Doch gleichwohl blieb die Hauptarbeit eindeutig bei ihr.
Und dann stellte sich die Frage, wie wir weiter verfahren wollten.

Krippe - Nein danke!



Nun leben wir in einer größeren Stadt im Osten Deutschlands. Es wäre insofern nicht das geringste Problem gewesen, Tanja in eine Kinderkrippe zu geben. Ja, es ist hier sogar der übliche Weg. Wer hier sein Kind nicht in die Krippe gibt, wird in etwa so schräg angesehen wie jemand im Westen, der es tut.
Doch wir hatten uns entschieden: Wenn schon ein Kind, dann wollten wir es wirklich selbst erziehen, selbst für es da sein. Finanziell konnten wir es uns leisten, mit einem Gehalt auszukommen.
Wie wollten wir es nun machen? Sollte meine Frau zu Hause bleiben und ich weiter arbeiten gehen, wie es ansonsten der übliche Weg war? Oder sollten wir beide halbtags arbeiten? Wir entschieden uns für Letzteres.

Was für ein Vater wollte ich sein?!



Ich habe in einer Untersuchung gelesen, dass Väter, die sich aktiv um die Erziehung ihres Kindes kümmern, zum größten Teil aus zwei Gruppen kommen. Entweder hatten sie das so in ihrer Kindheit selbst erlebt, waren also durch ihre Väter mit erzogen worden. Oder sie hatten das genaue Gegenteil erlebt, nämlich Väter, die sich überhaupt nicht gekümmert hatten.
Bei mir ist die Ursache ganz eindeutig das letztere. Bei meinem Vater habe ich es bis heute nicht verstanden, warum er drei Kinder hat, für die er sich nie interessiert hat. Noch heute ist mein Verhältnis zu meinem Vater distanziert.
Als meine Frau schwanger wurde, war mir eines klar. So ein Vater wollte ich nicht sein. Ich wollte ein Vater sein, der sich wirklich einbrachte. Für meine Tochter und für meine Frau.


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