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Ich bin Deine Welt - Erfahrungen aus zwei Jahren Teilzeitvater


Nochmal das Ganze?



Würde ich es wieder so machen? Gute Frage. Eine Frage, auf die ich an einem normalen Tag sicher zehn Mal meine Meinung ändere. Nehmen wir einen normalen, durchschnittlichen Tag:

07:00 Tanja wecken und zum Knuddeln ins Elternbett holen. Tanja ist noch ganz verschlafen und schmiegt sich an mich. Ich muss sie wachkitzeln. Wir knuddeln. Wie schön, so sollte jeder Tag beginnen.

07:05 Tanja hat genug geknuddelt und will ihr Lieblingsbuch anschauen. Das Buch, das ich schon etwa 2375 mal mit ihr angeschaut habe. Oh Gott, nicht schon wieder. Warum kann ich nicht einfach im Büro sein?

08:00 Tanja unterstützt mich vorbildlich beim Frühstück machen. Wir sitzen einträchtig am Tisch und essen. Ich werfe einen Blick in die Zeitung. Schön entspannend so ein langsamer Tagesbeginn.

08:15 Tanja zappelt rum und kippt die volle Apfelsaftpackung einmal quer über den Tisch. Verdammt noch mal, muss das denn sein? Ich will ins Büro.

09:15 Nach dem Aufräumen, Zähne putzen etc. beschließen wir, in den Zoo zu gehen. Au ja, da ist es schön. Tiere anschauen, aber vor allem die Spielplätze. Und das Wetter ist gut. Wie schön.

10:15 Im Zoo weigert sich Tanja, auch nur einen einzigen Schritt zu laufen. Was soll das denn? Sie wollte doch unbedingt in diesen blöden Zoo. Nerv!

11:30 Ging dann doch. Eigentlich war es ganz nett. Und es ist schön, wenn man einem Kind das ein oder andere zu den Tieren erklären kann. Tanja schaut mich plötzlich an und sagt: "Ich bin Deine Welt". Ich schmelze dahin.....

11:35 Was soll das denn? Warum fragt sie denn jetzt zum wiederholten Mal, wo die Bären Winterschlaf halten? Das habe ich doch schon 10 mal erklärt. Als wir zum Auto zurückwollen, fängt sie an zu heulen. "Ich will aber im Zoo bleiben!" Kinder sind echt die Pest.

12:15 Zuhause Übergabe an meine Frau. Tanja winkt mir nach. Tschüss, Süße, bis später.

12:45 Ankunft im Büro. Mein Schreibtisch erwartet mich. Erst mal in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken und mich entspannen. Ach, ist das schön.

13:15 Der Abteilungsleiter ist mit der Präsentation unzufrieden. Wie oft soll ich dieses Teil denn noch ändern? Bürokratischer Blödsinn. Ich will nach Hause und mit meiner Tochter spielen.

17:15 Ich komme nach Hause. Tanja kommt mir entgegen und berichtet stolz, was sie alles gemacht hat. Wir knuddeln. Wie schön ist es, eine Tochter zu haben.

18:30 Beim Abendessen führt sich Tanja mal wieder unmöglich auf. Das ausdrücklich von ihr angeforderte Essen gefällt ihr nun doch nicht. Die Hälfte der Nudeln landet auf dem Boden. Bekommt man eigentlich mildernde Umstände, wenn man in so einer Situation die Axt nimmt?

20:00 Uhr Tanja geht ins Bett. Wird auch Zeit, sie ist nämlich müde und quengelig. Endlich Ruhe.

20:15 Ich setze mich mal an den Computer, um meine Mails zu checken. Aus Tanjas Kinderzimmer lautes Singen und Erzählen. Sie unterhält ihre Kuscheltiere. Wie süß.

21:00 Uhr Tanja schläft endlich. Wie niedlich sie aussieht mit ihren goldenen Locken. Wie liebe ich sie doch.

21:30 Ich setze mich mit meiner Frau auf ein Glas Wein zusammen. Wir unterhalten uns über den Tag und natürlich über Tanja. Wir ärgern uns über ihre Ausraster und amüsieren uns über die Anekdoten. Das Leben ist schön.

01:30 Tanja weckt uns mit lautem Geschrei. Verdammt, kann man nicht mal eine Nacht durchschlafen? So ein saudämliche Entscheidung, jemals Kinder zu bekommen.

01:35 Ich habe Tanja geknuddelt und ihr etwas vorgesungen. Jetzt schläft sie wieder. Wie sie sich an mich geklammert hat. Ach ja, ich mag sie doch.

Meine Frau ist wieder schwanger



P.S. Ach ja, meine Frau ist wieder schwanger. Und wir wollen es wohl wieder so machen. Diesmal unterstützt durch das Elterngeld, was unsere finanziellen Sorgen deutlich lindert. Mein Behördenleiter wird toben, wenn ich weiterhin Teilzeit arbeiten will. Meine Karriere wird wohl endgültig beendet sein. Was soll`s?

Der Country-Sänger Toby Keith erzählt in seinem Song "My List" davon, was wirklich wichtig ist im Leben, nämlich sein Leben entspannt zu leben. Und darin sind u.a. die folgenden Zeilen, die ich für mich ein wenig zu einem Motto erkoren habe.

"Wouldn't change the course of fate
but cuttin' the grass just had to wait
'Cause I've got more important things
like pushin' my kid on the backyard swing"


Frei übersetzt:

"Es änderte den Lauf der Welt nicht,
aber das Rasenmähen musste einfach warten.
Denn ich habe Wichtigeres zu tun,
zum Beispiel mein Kind auf der Gartenschaukel anschubsen."


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