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Schaukel, Sandkasten, Klettergerüst - viele Gründe sprechen für den Eigenbau

Eine Schaukel aus rohen Stämmen gibt´s nicht im Baumarkt
Bild: väterzeit.de

Klar bieten Fachgeschäfte und Baumärkte (fast) alles, was das Kinder- und Elternherz begehrt: Es gibt fertige Sandkästen, vormontierte Schaukeln und Wippen, perfekt passende Wickelkommoden, praktische Kinderbetten, wunderschöne Schaukelpferde und eine ganze Reihe von Spielzeugen, von deren Existenz man gar nichts wusste, bevor man die neuen Kinder(einkaufs)paradiese kennen lernte.
Warum also die Mühe machen und selbst Hand anlegen? Warum mutieren Handwerksmuffel plötzlich zu Heimwerkern, sobald sie Väter geworden sind? Fünf Gründe, warum es sich lohnt, selbst zu bauen.

1. Die Suche nach der Väter-Rolle

„Es war für mich wie ein großes Fragezeichen, als ich zum ersten Mal Vater wurde“, sagt Harald Holtz, „meine Frau hatte die Tochter zur Welt gebracht, sie stillte sie, sie tröstete sie. Und ich? Meine Vaterrolle schien sich auf Windelwechseln und Kinderwagen-Schieben zu beschränken.“ Also besann sich der inzwischen 36-Jährige auf die vermeintlich männliche Rolle: Er baute eine Wiege, später eine Schaukel, ein Baumhaus, eine Eisenbahn. „Natürlich ist das Vatersein mehr, aber in meiner ersten Unsicherheit hat mir das Bauen geholfen. Und meine inzwischen drei Kinder waren allesamt begeistert.“

Für viele Väter ist das Basteln eine - von vielen - Möglichkeiten, einen eigenen Platz in der neuen Familie zu finden. Es ist eine Hilfe, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Und die Chance, ganz praktisch dabei aktiv zu werden.

2. Das Kind in sich erleben

„ Ich war ein bisschen verlegen, als ich das Riesenpaket im Spielwarenladen zur Kasse trug. Ich war inzwischen 28 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern“, gibt Jonathan Knudsen zu. Der Autor aus Princeton, New Jersey, hat „Das inoffizielle Handbuch für Lego Mindstorms Roboter“ geschrieben. Der Programmierer entdeckte mit seinen Kindern das Spielen wieder. Was als Spiel begann, entpuppte sich schon bald als ein großes Projekt. Eines, das ihn selbst weiter brachte. „Als ich neue Roboterprojekte für mein Buch zu entwickeln versuchte,“ sagt er heute, „wurde mir erschreckend deutlich, wie flach mein Denken durch das mehrjährige Programmieren am Computer geworden war. Mit seinen eigenen Händen ein dreidimensionales Objekt zusammenzubauen, ist für Programmierprofis wie mich äußerst lehrreich. Man kann einen Roboter im Laufe eines Nachmittags mehrmals umbauen und lernt dabei immer wieder etwas Neues.“

Ähnlich geht es vielen Vätern, die ein zweites Mal in ihrem Leben in die Welt der Modelleisenbahnen, Baumhäuser oder Baukästen eintauchen. So lernen sie, viele Dinge neu zu sehen und zu entdecken. Eine großartige Erfahrung. Und eine, die die Beziehung zu den Kindern stärkt.
Wenn viele mitmachen, macht´s am meisten Spaß
Bild: väterzeit.de

3. Rollenmuster aufbrechen

„Papis Erziehung war nie streng, aber für mich unlogisch“, sagt Alexandra Freund, Tochter von TV-Ansagerin Petra Schürmann über ihren Vater Gerhard Freund. „Ich lernte von ihm Wasserski laufen und ein Baumhaus bauen. Und er hat mir die Sicht eines Mannes erklärt, wenn ich Krach mit meinem Freund hatte.“

Wer seine Töchter in das Bauen der Schaukel oder des Baumhauses einbezieht, der zeigt ihr auch: Das kannst du genauso wie dein Bruder! Und wenn die Kleine schon lernt, ihr Fahrrad selbst zu reparieren, dann wird sie auch im späteren Leben nicht vor technischen Fragen kapitulieren. Und vielleicht wird sie es in der nächsten Generation sein, die ihren Kleinen zeigt, wie Baumhäuser und Schaukeln gebaut werden...

4. Ein bisschen Stolz darf sein

„Den hat mein Papa selbst gebaut,“ freut sich der dreijährige Fabian, als er bei seiner Geburtstagsfeier den neuen Sandkasten präsentiert. Sein Vater Jochen lächelt. Ein bisschen verlegen, aber auch ein bisschen stolz. Obwohl es wirklich kein Kunststück war, die Balken zusammen zu schrauben und den Sand in den Kasten zu füllen. Was aber kann schöner sein als die Anerkennung seiner Kinder? Das pure Glück in ihren Augen zu sehen, wenn sie die Burg in den ersten eigenen vier Wänden bauen? Da darf ein bisschen Stolz ruhig sein.

5. Gut und preiswert

Das Schaukelpferd gibt es im Discounter für knapp 30 Euro, den Sandkasten im Baumarkt für 19,99. So billig kann man selbst kaum bauen. Wer aber Qualitätsware haben will für seine Kinder, den kosten die fertigen Spielwaren im Fachhandel schnell mal mehrere hundert Euro. Und dann lohnt sich die Alternative „Selber bauen“ auch finanziell. Massivholz direkt ab Sägewerk oder vom Förster kostet nur knapp die Hälfte wie im Baumarkt. Und wer mit Hobel und Säge umzugehen weiß, der spart noch einiges mehr. Da kann man über kleinere Mängel in der Verarbeitung oder im Design gut hinwegsehen. Zumal das die Kinder überhaupt nicht stört, wenn sie wissen, dass der Vater sich selbst für sie ins Zeug gelegt hat.

Es gibt sicherlich noch viele gute Gründe mehr, selbst zu basteln, zu bauen und zu werkeln. Der entscheidende aber ist: Es macht sehr viel Spaß und Freude, mit und für den eigenen Nachwuchs etwas Schönes zu (er)schaffen. Den Kindern und dem Papa.

Stephan Günther

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Kommentare von Lesern:

 
Martin L Aalen Dew.:
20.04.2013 06:29
hey VäterZeit... für mich war klar, keine Plastik oder Baumarktschaukel!
Für meine Süsse Tochter nur das Beste und vor Allem aus Holz!!! danke für all diese Tips Inspiration und Ansporn!

Get Lucky!
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Patrick B., Bietigheim:
21.09.2010 21:03
Wenn dich während und nach deinem "Bau" Kinderaugen anblitzen, dann weiss man warum man es gemacht hat. Meine Kleine (bald 2 Jahre) freut sich immer sehr, wenn wir zusammen was handwerkliches machen und Sie hilft bereits aktiv mit! So lernt Sie auch gleich was ein Hammer, oder eine Schraube ist...

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