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20.08.2013 47. Woche
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Zeichen und Wunder

Von Pferden, Hexen, Tomaten und (be-)zaubernden Töchtern
Ich bin von dem Waldkindergarten in Dresden so begeistert, ich kann es kaum in Worte fassen. Sie ermöglichen es der ersten Tochter, am ganzen Zuckertütenfest teilzunehmen und alles mit den Vorschulkindern zusammen zu erleben. Dazu gehört eine Abschiedsnacht im Wald, ein super leckeres Frühstück in der ganzen Kindergartengruppe, eine Bewährungsprobe, die zeigt, dass man nun ein Schulkind sein kann und am Ende des ganzen Abenteuertages im Wald gibt es den Zuckertütenbaum, an dem die leckeren Früchte hängen, die dann erklettert und gepflückt sein wollen. Im Anschluss noch ein Fest in der ganzen Gruppe mit allen Eltern und dann die Verabschiedung. Auf Wiedersehen Waldkindergarten. Euch alles Liebe und Gute, es war eine schöne Zeit mit euch.

Und dann gibt es das nächste kleine Wunder: die zweite Tochter kann neue Wörter und reflektiert darüber, dass sie das bisher so noch nicht sagen konnte. "Die Maten" sind jetzt Tomaten: "Das hab ich bis neulich noch nicht gesagt." Um nur ein Beispiel zu nennen. Aber es gibt auch wieder einige herrliche Sätze Kindermund, die ich später noch erwähnen werde.

Ein drittes Erlebnis der o.g. Kategorien ist ein Artikel in der heutigen örtlichen Presse, der Tipps und Tricks zur Schuleinführung gibt und Ranzen aus Leder, Baumwolle oder Leinen empfiehlt. Toll. Ebenso geht er auf die Gefahren bei Schreibutensilien und Pausendosen aus Plaste ein. Ich bin begeistert. In der Zeitung hier auf dem Lande stehen solch zu beachtende Hinweise für Konsumentenverhalten drin. Klasse. Das trifft genau meinen Geschmack.

Muss denn immer alles aus Plaste und Kunststoff sein? Wir als Familie denken: Nein. Es gibt gute Dinge aus natürlichen Materialien, die genutzt werden können. Und diese verfügen oft noch über viel mehr positive Eigenschaften, als nur weniger gesundheitsschädlich zu sein. Oft sind solche Sachen nachhaltiger, ökologisch erzeugt und wenn man dann noch auf regionale Kreisläufe achtet, ist alles schick. Ja und schmucker als der knallbunte Plastekram sind sie auch noch. Das finden wir zumindest. Und nicht nur bei Tornistern, auch bei Kleidung sehen wir das so. Mir sind lieber Leinen, Hanf, Wolle, Seide und Co. statt Gen-Baumwolle von überm Teich oder Plastekleidung, die früher mal ne Trinkflasche war aus Asien.

Oft löst Plastespielzeug bei den Kindern große Freude und nachhaltigen Zwist aus: "Nein, das sind meine Mini-Pferde. Die kannst du nicht haben. Damit darfst du nicht spielen." Dabei sind das zwanzig neue Tiere. Statt sich daran zu freuen, gibt es Ärger und statt Klasse gab es Masse. Schade. Dabei kann es auch so einfach sein: wenn ein Kind was Neues kriegt, bringt man dem anderen auch eine Kleinigkeit mit. Und vielleicht ein Stück, was voll Freude und Genuss Beachtung bei den Kindern findet und ins Herz geschlossen wird, statt sie mit viel Krams zu überhäufen.

Auch fein, wenn schon Plastekram, dann in Mehrfachnutzung, zum Beispiel günstig auf dem Flohmarkt erworben. Da können mehrere Fliegen mit einer Klappe getroffen werden: Jemand kriegt für seinen Ramsch noch ein paar Pfennige, jemand anderes freut sich über für ihn unbekanntes Spielzeug und dafür mussten nicht viel Energie und Rohstoffe eingesetzt werden. Super.

Aber man kann nicht Jedem, der es gut mit uns meint, einen Einkaufsführer geben. Doch außer offen darüber reden, was kann man noch machen, wenn man Geschenke bekommt, die den Kindern gefallen mögen, doch den Eltern nicht? Die Kinder sind kaum ein Richtwert dafür, was angeschafft werden sollte. Sie können die Abläufe im Hintergrund und die Strukturen von Markt und Kapital nicht durchschauen. Also liegt die Verantwortung bei den Eltern und bei denen, die ihnen eine Freude machen wollen. Sie wissen um die dahinter stehenden Abläufe und Prozesse. Sie entscheiden, nach welchen Werten konsumiert wird. Dass Einkaufen eine politische und marktrelevante Entscheidung ist, ist ja wohl allen bekannt. Das, was gekauft wird, wird auch weiterhin produziert - auch unter den entsprechenden Bedingungen und wenn es billig sein soll, dann auch auf Kosten von anderen.

Doch es geht eben auch anders. Was mich total freut, sind so liebe Geschenke meiner Schwiegereltern: es gab die Tage leckeren selbstgemachten Likör von der Kornelkirsche vor deren Haus und welchen vom Holunder aus ihrem Garten. Und in der letzten Woche gab es leckere Kirschmarmelade, benannt nach dem Enkel, auf dessen Plazenta der Baum gepflanzt wurde. Sowas erfreut mein Herz. Das ist einfach schön.

Kein Wunder gibt es leider bisher bei der Gesundung der Frau. Die Kinder verarbeiten dies auf ihre eigene Art und Weise. Es wird in Bildern und Geschichten thematisiert. So fragte die erste Tochter die Tage beim Anblick eines Simpsons-Posters, warum lauter Leute mit Hepatitis da gemalt würden: "Na die sind doch alle gelb." Ebenso ein Bild von mir und der Frau: "Du bist der Dicke da. Und hier habe ich Mama gemalt, als sie Hepatitis hatte. Ich habe extra Gelb genommen."

Die zweite Tochter spricht weiterhin "K" statt "T" und ihre Freude an etwas morbiden Dingen hält auch an. So nennt sie den Katzenkopf, der als Label auf verschiedensten Kleidungsstücken drauf ist "Titty Totentopf" und das große Loch in den Pullovern ist nach wie vor das "Topfloch". Darüber kann sich die erste Tochter köstlichst amüsieren.

Sowas wiederum mag die zweite Tochter nicht. Auch im Krankenhaus, als wir die Oma besuchten und sie mit ihrem "Liebli-Pulli" selbst angezogen herum lief und "Ich Herz Papa" auf dem Rücken war und das ihr eine Krankenschwester erzählte. Da war sie sehr getroffen. Natürlich wollte sie den Pulli nicht richtig herum drehen. Der ist selbst angezogen und da muss das so sein. Aber am nächsten Morgen beim Anziehen, fragte sie freundlich nach, wie rum das denn nun müsse, "weil das gestern die eine Schwester sagte, dass das falsch war."

Fein auch, als sich neulich der Bruder freute, Post bekommen zu haben: "Ein Päckchen! Ein Päckchen!" Die zweite Tochter: "Für mir oder für die Schwester?"

Es gibt eine Tür, die die zweite Tochter im Haus noch nicht öffnen kann. Wollte sie aber gerne. Sie steht davor und ruft laut: "Welcher hilft mir?" Pause. "Welcher - Pause (sie denkt angestrengt nach) - M e n s c h hilft mir?"

Ein neues "Liebli"-Spiel hat die zweite Tochter auch gefunden. Auf dem Flohmarkt am letzten Sonntag gab es ein neues Insel-Besiedlungs-Spiel für nur knapp ein Zehntel des Neupreises. So eins noch von der ersten Edition mit Holzstraßen und Holzhäuserchen und Holzkirchen. Dieses wird nun von der zweiten Tochter immer fein ausgepackt und dann in Reih und Glied aneinander gelegt. Sie kann damit viel Zeit des Tages füllen, alles zu sortieren, zu reihen und dann wieder umzugestalten. Sie ist eine prima Tiermutter. Sie kümmert sich um alle Spieltiere die wir haben und benennt sie alle fleißig mit immer neuen und sehr einfallsreichen Namen. Lina, Lofi, Lura, Finna, Feya und Rula sind nur einige wenige.

Sie selbst ist Ulla, die kleine Hexe und kann zaubern. Sie hat auch ein Zauberpferd. Das wohnt aber bei den Nachbarn, weil die noch nicht wissen, dass es unser Pferd ist. Das Pferd kann auch zaubern und weil es ihr Pferd ist, heißt es auch Ulla. Aber Ulla, das Pferd. So kann man die kleine Hexe und das Pferd unterschieden. Aber das Pferd müssen wir ja erst noch holen. Und das geht so: "Erstmal nehmen wir eine Schere. Und dann gehst du, Papa, an den Zaun und schneid schneid schneid, machst du den Zaun kaputt. Dann nach oben biegen und da fest machen. Dann gehen wir auf die Wiese. Du hältst dich am Schwanz fest und ich ich nehme die Beine. Nein, du nimmst die Beine und ich halte den Schwanz. Am besten nimmst du alle Beine. Dann hilfst du mir hoch und ich reite Ulla das Pferd und du kannst dich an mir dann festhalten. Aber du kannst dir Ulla dann auch borgen, wenn du mal reiten willst. Aber vielleicht sitzt du vorne und ich hinter dir. Nein, du nimmst die Beine. Wie viele Beine hat ein Pferd? Dann nimmst du zwei und ich zwei. Und dann geht es ganz ganz schnell nach Hause."

Uns reichen eigentlich die Kaninchen und bald gibt es auch noch eine Katze.
Eine "tierisch" gute Woche wünscht euch euer
Herr Gaigals

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Kommentare von Lesern:

 
Gerd, Norddeutschland:
26.08.2013 12:52
Zum Ranzen: bitte bedenke vor allem eines. Bereits die Erstklässler tragen bereits bei uns 5-6 Kilo (alles in allem) zur Schule. Entscheidend ist daher in meinen Augen ein gutes Tragesystem des Ranzens.

Tagebuch Herr Gaigals

Herr Gaigals
Alter: 36
Wohnort: bei Dresden
Beruf: Krankenpfleger und zukünftig Lehrer
Familienstand: verheiratet
Geburtstag Kind: 2 Töchter, 5 und 2 Jahre
Letzter Eintrag: 30.09.2013

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