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Kinder bekommen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?


Familienplanung: Vater mit BabyBild: ©PublicDomainPictures_CC0_Creative_Commons_Lizenz_pixabay.com

Junge Eltern, alte Eltern – gibt es den richtigen Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen und eine Familie zu gründen? Das Durchschnittsalter von werdenden Eltern ist in den letzten Jahrzehnten zumindest stetig gestiegen. Erst Studium oder Ausbildung abschließen, auf Weltreise gehen oder ein Haus bauen? Irgendwas ist immer! Und wie sehr beeinflusst die „biologische Uhr“ die Babywunsch-Entscheidung?

Bester Zeitpunkt zum Kinder-kriegen


Den perfekten Zeitpunkt für Nachwuchs? Eines vorweg: Den gibt es nicht! Irgendetwas hätte man gerne noch erlebt, wäre gerne noch ausgiebig verreist. Oder hätte lieber einen festen Job oder eine größere Behausung. Vielleicht auch mehr Geld. Und trotzdem kommen Kinder zur Welt, glücklicherweise werden es immer mehr.

Glaubt man übrigens der statistischen Mehrheit, dann ist der richtige Zeitpunkt mit 29,8 Jahren gekommen. In diesem Alter bringt eine Frau im Durchschnitt ihr erstes Kind zur Welt. Rein biologisch betrachtet, ist es für Frauen zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr leichter, schwanger zu werden. In der Regel tauchen während der Schwangerschaft und Geburt seltener Komplikationen auf. Für Väter liegt das „richtige“ Alter, um Kinder zu bekommen, bei unter 40 Jahren.

Mit Mitte dreißig sind Eltern emotional reifer, um Kinder aufzuziehen – im Vergleich zu Müttern und Vätern, die in ihren 20ern das erste Mal Eltern werden. Ihre Kinder agieren sozialer, sind emotional ausgeglichener und haben weniger Schwierigkeiten im Umgang mit anderen – das zeigt eine Studie der dänischen Aarhus Universität. Der Grund dafür könnte den Forschern zufolge sein, dass Ü30-Eltern stabilere Beziehungen führten, besser ausgebildet und auch finanziell oft besser abgesichert seien.

Kinder-kriegen statistisch betrachtet

  • Wann bekommen Frauen bzw. Männer ihr erstes Kind?

    Laut Daten des Statistischen Bundesamtes aus 2017 bekommen Mütter mit 29,8 Jahren durchschnittlich ihr erstes Kind. Durchschnittlich waren die Papas bei der Geburt 35 Jahre alt. Ob es das erste oder ein weiteres Kind ist, wird statistisch nicht erfasst.
  • Wie viele Kinder bekommen Eltern durchschnittlich?

    Die Geburtenrate in Deutschland steigt seit Jahren langsam an. 2016 lag sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 1,59 Kindern je Frau. Die Entwicklung ist laut dem Amt vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen bis 37 Jahre häufiger Kinder bekommen.
  • Wie viele Jahre liegen zwischen den Geburten des ersten und zweiten Kindes?

    Rein statistisch folgt das zweite Kind nach 4,1 Jahren, bei der Hälfte aller Kinder aber schon innerhalb von 3,2 Jahren. Kind Nummer drei kommt nach weiteren 4,8 Jahren zur Welt.
  • Wie lange dauert es, um schwanger zu werden?

    Pro Monatszyklus besteht eine 25-prozentige Chance, schwanger zu werden. Durchschnittlich vergehen 4 Monate bis zum positiven Schwangerschaftstest. 90 Prozent der Frauen werden innerhalb des ersten Jahres schwanger. Allerdings dauert es bei Frauen mit unregelmäßigem Zyklus im Durchschnitt etwas länger.

Biologisches Alter für die Familienplanung


Medizinisch betrachtet ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen leicht zu beantworten: Je früher, desto besser. Zumindest was die Fruchtbarkeit und das Risiko für Gendefekte wie Chromosomenabweichungen betrifft.

Risiko für Gendefekte

Je älter eine Frau zum Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby mit Down-Syndrom (Trisomie 21) zur Welt kommt. Bei einer Frau im Alter von 35 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:1.400. Bei einer 40-Jährigen steigt das Risiko auf ca. 1:1.100 und bei 45-Jährigen auf 1:20. Der Grund: Schon im Jugendalter ist der gesamte Eizellen-Vorrat angelegt. Zum Zeitpunkt der Befruchtung kann eine Eizelle also schon mehrere Jahrzehnte alt sein - mit einem entsprechend höheren Risiko für genetische Veränderungen und Defekte (fehlerhafte Verteilung der erbguttragenden Chromosomen).

Aber keine Panik, neben all den nüchternen und vielleicht sogar erschreckenden Zahlen gibt es auch Positives: Das Risiko steigt zwar – aber die meisten Kinder älterer Mütter kommen trotzdem gesund auf die Welt! Denn mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr einer Erkrankung nicht sprunghaft an, sondern es handelt sich vielmehr um einen kontinuierlichen Prozess. Auch Mediziner sind mit ihren Warnungen zu sogenannten Risikoschwangerschaften zurückhaltender geworden. Der Gynäkologe Dr. Walter Ronstedt erklärt warum: „Ältere Schwangere sind beruflich meistens etabliert und haben Zeit und Muße, sich auf die Schwangerschaft einzustellen. Sie verhalten sich sehr verantwortungsvoll, nehmen die Vorsorgetermine wahr, vermeiden Stress, ernähren sich bewusst, verzichten auf Alkohol und Nikotin und sind häufig viel ausgeglichener als jüngere Frauen.“

Fruchtbarkeitsentwicklung

Generell sinkt die Fruchtbarkeit einer Frau über 35. Auch hierfür sind in erster Linie die Eizellen verantwortlich. Denn deren Qualität und Anzahl nimmt mit zunehmendem Alter ab. Bei ihrer Geburt verfügen Mädchen über rund eine Million Eizellen – 40 Jahre später sind es nur noch wenige Tausend. Viele davon sind jetzt mit Schäden wie etwa Mutationen oder einer Fehlverteilung der Chromosomen behaftet. Mit 35 müssen Frauen zudem damit rechnen, dass pro Jahr etwa drei bis fünf Zyklen ohne Eisprung vorkommen (sogenannte „taube“ Zyklen), mit 40 sind es dann schon etwa sieben. Mit etwa 50 und den beginnenden Wechseljahren (wandelnder Hormonhaushalt) ist die weibliche Fruchtbarkeit zu einem Großteil versiegt.

So weit zumindest die Durchschnittswerte der Fertilitätsstatistik. Doch auch jenseits der 35 und sogar noch mit 40 werden viele Frauen problemlos schwanger. Was früher fast schon nach Schimpfwort klang, gehört heute einfach dazu: Frauen, die erst mit Mitte, Ende 30 ihr erstes Kind bekommen. Waren es in den 60er Jahren gerade einmal ein Prozent, so bildet die Altersgruppe heute fast ein Viertel der schwangeren Frauen.

Und beim Mann? – Entwicklung der Spermienqualität und Spermienzahl


Bis ins hohe Alter können Männer befruchtungsfähige Spermien bilden. Doch auch im männlichen Körper verändert sich mit zunehmendem Alter der Hormonhaushalt. Und damit verringert sich auch die Spermienanzahl. Vor allem das Sexualhormon Testosteron bedingt maßgeblich die Spermienproduktion. Sinkt der Testosteronspiegel, wirkt sich das auch vermindernd auf die Spermienmenge aus.

Wie bei Frauen lässt auch bei Männern die Qualität der Erbgutträger ab 35 nach. Beim Nachwuchs von Vätern über 45 können zudem deutlich mehr Fehlbildungen oder psychische Erkrankungen auftreten, wie Studien zeigen. Auch beim Mann liegt die Ursache im „Verfallsdatum“ der Stammzellen: Etwa 600 Zellteilungen durchläuft eine Stammzelle, die bei einem 50-Jährigen die Spermien bildet – und mit jeder weiteren Teilung steigt das Risiko für Fehlbildungen im Erbgut. Auch die Anzahl solcher deformierter Spermien steigt mit zunehmendem Alter – dadurch bedingt, dass die hormonell und über das Immunsystem gesteuerte Auslese von nicht intakten Spermien immer eingeschränkter funktioniert.

Um der biologischen Uhr Einhalt zu gebieten, greifen ältere Eltern häufiger auf künstliche Befruchtung zurück. Über Chancen und Risiken von Insemination, In-Vitro-Fertilisation & Co klären wir dich hier auf.

„Passende“ Lebensumstände für werdende Eltern


Neben biologischen Faktoren spielt natürlich auch die jeweilige Lebenssituation eine wichtige Rolle bei der Familienplanung – materielle Absicherung, Karriere, Partnerschaft, Ausbildung sind für viele Paare wichtige Kriterien für oder gegen das Eltern-werden.

Partnerschaft: Seid ihr zufrieden?

Ein stabiles Umfeld ist für Kinder wegweisend. Das Urvertrauen der Sprösslinge wird durch Verwandte und manchmal sogar Bekannte, vor allem aber durch ihre Eltern geprägt. Ein liebevoller und intensiver Umgang mit dem Nachwuchs stärkt das Selbstbewusstsein und wappnet für den weiteren Lebensweg. Sind die Eltern mit sich unzufrieden, läuft auch das Kind Gefahr, emotional langfristig auf der Strecke zu bleiben. Fragt euch daher: Fühlt ihr euch wohl in eurer Beziehung? Wie löst ihr Konflikte?

Wenn sich Paare schon vor der Familienplanung häufig streiten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie als Eltern in noch mehr Konflikte geraten. Denn ein Kind krempelt das Leben völlig um. Sprecht daher über eure Sorgen, Ängste, Bedürfnisse und Vorstellungen für die kommende Zeit als Mutter und Vater. Ein Paar sollte in der Lage sein, Krisen zu bewältigen, um auch für die Zeit mit Nachwuchs gefestigt zu sein. Verlässlichkeit, Offenheit und Sicherheit in eurer Paarbindung sollten dafür das Fundament bilden.

Alltagsmanagement: Verzichten lernen

Vollzeitberuf, Freunde treffen, Sport treiben – für viele bedeutet Alltag geschicktes und vorausschauendes Zeitmanagement. Geraten Planungen ins Wanken, sind Stress und Unzufriedenheit oft vorprogrammiert. Doch gerade Kinder bringen bestehende Organisation und Struktur gern gehörig durcheinander.

Frischgebackene Eltern unterschätzen diese Stolperfalle häufig, wollen die Zeit für ihre eigene Verwirklichung auch mit Nachwuchs nicht aufgeben. Doch die Entscheidung für ein Kind beinhaltet gleichermaßen einen Verzicht auf eigene Pläne. Denn vor allem in den ersten Wochen, Monaten und Jahren beansprucht der kleine Wonneproppen eure gesamte Aufmerksamkeit. Freiräume ergeben sich in der Regel zu Beginn nur, wenn das Baby schläft.

Erkennt ihr euch in diesem Szenario wieder? Ist Zeit bei euch Mangelware, euer Leben voll durchgetaktet? Dann entschleunige den Alltag. Nimm dir schon vor der Familienplanung Zeit für Ungeplantes und fang an zu bummeln. Akzeptiere die Vorstellung, dass du den bisherigen Alltagsansprüchen vorerst nicht gerecht werden wirst. Wenn ihr euch schon vorab ein neues Lebensgleichgewicht schafft, könnt ihr euch besser, aufmerksamer und gelassener auf das Elterndasein fokussieren, das vor euch liegt.

Kind und Karriere unter einen Hut bekommen

Beruflicher Erfolg? Auch darauf wollen viele nicht verzichten. Sei dir aber darüber im Klaren, dass es zumindest schwierig wird, Karriere und Kinderwunsch zu vereinbaren. Der neue Lebensabschnitt wird dich besonders stark beanspruchen, wenn du dich mitten in der Ausbildung oder im Studium oder kurz vor einer beruflichen Umorientierung befindest. Auch aus einer festen Stellung heraus die Karriereleiter weiter zu erklimmen, würde jetzt Anstrengung kosten, die nicht zu unterschätzen ist. Denn wieder gilt: Ein Kind bedarf zu Beginn seines Lebens eurer vollen Aufmerksamkeit. Die berufliche Entfaltung wird zunächst hintanstehen.

Wäge daher ab, was dir wichtig ist: Bist du bereit für ein Kind oder möchtest du deine beruflichen Perspektiven mit voller Kraft verbessern? Wie wird dein Familienmodell von deinem Arbeitgeber unterstützt? Wird dir eine gute Stelle in Teilzeitarbeit ermöglicht? Erkundige dich! Es gibt durchaus familienfreundliche Unternehmen, die Frauen mit Kindern in Führungspositionen fördern, KiTa-Plätze für ihre Mitarbeiter organisieren, Müttern mit Migrationshintergrund Deutschkurse anbieten, u.v.m.
Sprecht auch hier gemeinsam als Paar über Wünsche, Rollenverteilungen, Kompromisse, malt euch die Zukunft im Job aus und wie ihr am sinnvollsten eure Elternzeit aufteilen würdet.

Finanziell abgesichert?

Kinder kosten Geld – laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes rund 600 Euro im Monat. Bis ins Schulalter schlagen dabei z. B. Ausgaben für Baby-Erstausstattung, KiTa-Beiträge oder Schulmaterialien zu Buche. Glücklich können sich dann alle die schätzen, die viel von Familie oder Freunden geschenkt bekommen oder ihren Geldbeutel durch gute Gebrauchtkäufe schonen.

Da aber die Ausgaben für die nötigen Anschaffungen mit jedem Lebensjahr steigen, solltet ihr euch fragen: Wie hoch ist das Haushaltsbudget mit Kind? Welche (staatlichen) Unterstützungen – wie etwa Elterngeld oder Kindergeld – kann ich in Anspruch nehmen? Worauf kann ich verzichten? Und erneut die Frage: Wie teile ich Beruf und Familienzeit mit meinem Partner auf?

Eure Antworten werden euch dabei helfen, den für euch geeigneten Weg für die Familienplanung zu finden.

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