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Unfruchtbarkeit beim Mann: Ursachen, Therapie & mehr


Zeugungsunfähigkeit oder Impotenz ist nicht seltenBild: Thomas Brugger - Fotolia.com

Zeugungsunfähigkeit oder Impotenz ist vor allem bei Männern "in den besten Jahren" weiter verbreitet als man gemeinhin glaubt. Wer trotzdem ein Kind will, sollte sich beraten lassen - am besten in einer Kinderwunschsprechstunde.


Wenn Männer Vater werden wollen und es nicht klappt suchen viele den Grund erst einmal bei ihrer Partnerin. "In unserer täglichen Arbeit fällt immer wieder auf, dass Männerdeutlich zurückhaltender mit einer möglichen Fruchtbarkeitsstörung umgehen als Frauen", weiß Dr. Elmar Breitbach, Arzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Deutschen Klinik Bad Münder. Im ersten Moment fällt es sicherlich jedem Paar schwer, eine Zeugungsunfähigkeit in Betracht zu ziehen. Warum sich damit offensichtlich besonders Männer schwertun, hängt vermutlich mit Scham und Vorbehalten gegenüber aufwendigen Untersuchungen zusammen.

Alter und Umwelt beeinflussen die Fruchtbarkeit


Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit gibt es viele. Auf der einen Seite steigt durch erhöhte Lebenserwartung und vorrangige Karriereplanungen das Alter derjenigen, die sich für Kinder entscheiden. Auch bei Männern wirkt sich diese Entwicklung nachteilig aus, denn Spermienqualität und -anzahl nehmen mit den Lebensjahren ab. Auf der anderen Seite kommen äußere Ursachen als negative Einflussfaktoren in Betracht. "Belastungen wie Stress, falsche Ernährung und Umweltschadstoffe haben einen hemmenden Effekt auf die Zeugungsfähigkeit des Mannes", sagt Dr. Breitbach. "Zur Klärung der Ursachen, die eine Schwangerschaft verhindern, empfiehlt sich eine
ausführliche Diagnostik beim Spezialisten." Im Unterschied zu Untersuchungsverfahren bei Frauen gestaltet sich die Suche nach den Ursachen bei Männern deutlich einfacher.

Unfruchtbarkeit beim Mann durch schlechte Spermienqualität


Sind Männer zeugungsunfähig, liegt das in der Regel daran, dass die Qualität ihrer Samenzellen ungenügend ist. Entweder sind zu wenige, zu viele langsame oder zu viele fehlgebildete Spermien vorhanden. Treffen alle drei Probleme zu, sprechen Mediziner von dem OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie). Auch wenn die Spermien auf den ersten Blick fit und schnell erscheinen, kann ein verändertes Gen verhindern, dass sie es durch den Gebärmutterschleim schaffen. Bei einer zu geringen Spermienzahl im Ejakulat (Oligozoospermie) verläuft entweder die Produktion oder der Transport der Samenzellen nicht optimal.

Entscheidende Faktoren für die Spermienqualität und damit die Zeugungsfähigkeit sind:
  • die Menge des Ejakulats,
  • die Spermienanzahl (gemessen in Spermien pro Milliliter),
  • die Wohlgeformtheit der Samenzellen,
  • die Beweglichkeit der Spermien,
  • die Überlebensdauer der Spermien.
Abgesehen vom Alter des Mannes – je älter, desto weniger und langsamer werden die Spermien – gibt es noch weitere Ursachen, die zu einer schlechten Spermienqualität (bzw. verminderten Spermienproduktion) führen. Etwa:
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch,
  • Nikotin,
  • Schadstoffe in der Umwelt,
  • schlechte Ernährung,
  • Stress kann Libido und Spermienqualität negativ beeinflussen,
  • Krankheiten wie Mumps oder Infektionen der ableitenden Samenwege (Chlamydien),
  • ionisierende Strahlung (z. B. durch häufiges Röntgen),
  • bedingt auch Handystrahlung,
  • zu eng sitzende Hosen,
  • häufige Saunabesuche,
  • exzessiver Leistungssport,
  • bestimmte Medikamente.

Weitere Ursachen für eine Unfruchtbarkeit beim Mann


Außer der (zu geringen) Spermienqualität gibt es noch weitere Faktoren, die eine Zeugungsunfähigkeit beim Mann bedingen können – z.B. gestörte Transportwege der Samen in die weibliche Gebärmutter (vor allem bei erektiler Dysfunktion [Impotenz] oder Ausbleiben der Ejakulation). Weitere Faktoren sind:
  • Mangelhafter Harnblasenverschluss: Samenerguss landet in der Blase (im Urin); infolge einer Operation, Diabeteserkrankung, Nervenschädigung oder vergrößerter Prostata
  • Antikörper gegen eigene Spermien bilden sich (immunologische Sterilität)
  • Hormonelle Veränderungen: bei Hormonen der Schilddrüse oder Hirnanhangsdrüse, Testosteronmangel
  • Einnahme von Anabolika (Bodybuilding)

Spermienqualität testen lassen


Am Anfang steht immer ein klärendes Gespräch, in dem es darum geht, die Vorgeschichte des Patienten zu ergründen. So gelten bestimmte Infektionskrankheiten und Operationen oder ein Leistenbruch als mögliche Auslöser. Anschließend erfolgt eine ausführliche körperliche Untersuchung, bei der akute krankheitsbedingte Veränderungen wie zum Beispiel Hodenhochstand oder Entzündungen in den ärztlichen Fokus rücken.

Insbesondere eine Spermaprobe erlaubt eine genaue Aussage darüber, ob der Kinderwunsch im jeweiligen Fall am männlichen Partner scheitert. "Mindestens 50 Prozent der Spermien müssen eine vorwärtsgerichtete Beweglichkeit vorweisen", berichtet Dr. Breitbach. "Außerdem sollte sich die Anzahl der Spermien bei einer gesunden Probe auf über 20 Millionen pro Milliliter belaufen." Damit die Aussagekraft des sogenannten Spermiogramms keinen Schwankungen unterliegt, rät der Experte zu mindestens zwei Analysen in einem Abstand von circa 12 Wochen.

Spermienqualität verbessern: Unfruchtbarkeit-Therapie


Du willst deine Spermienqualität optimieren? Dann achte auf regelmäßige körperliche Betätigung, eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und Mineralien, einen moderaten Alkoholkonsum und vermeide möglichst das Rauchen. Auch Übergewicht, insbesondere ein großer Bauchumfang, wirkt sich negativ auf die Spermienqualität aus. Enge Unterhosen oder Sitzheizungen können schließlich ebenso dazu führen, dass die Qualität der Spermien leidet.

Meditation, Entspannung und der Abbau von Stress können ebenfalls helfen. Vor allem aber sollte „Zeugungsstress" auf ein Minimum reduziert werden. Denn wer sich oder auch seinen Partner zu sehr unter Druck setzt, weil er /sie unbedingt schwanger werden will, hat es ungefähr 30 % schwerer als ein entspanntes Paar.

Im Übrigen erhöht täglicher Sex die Erfolgsaussichten nicht, sondern verringert vielmehr die Spermienanzahl im Ejakulat. Geschlechtsverkehr alle drei Tage scheint bei Zeugungsproblemen empfehlenswert.
Ist eine körperliche Ursache gefunden, richtet sich die Behandlung nach der Diagnose und sollte nach eingehender Beratung durch einen erfahrenen Urologen/Andrologen oder an spezialisierten Kinderwunschzentren erfolgen. Folgende Möglichkeiten gibt es:
  • psychotherapeutische Behandlung,
  • Operation von Krampfadern oder verklebtem Samenleiter,
  • Infektionen: Antibiotikum (für beide Partner),
  • medikamentöse Behandlung bei Hormonmangel oder erektiler Dysfunktion,
  • Vakuumpumpe,
  • Penisimplantat.
Helfen diese Maßnahmen nicht, unterstützen Mediziner die Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle.

Über künstliche Befruchtung passende Samenzellen auswählen


Sofern sich als Resultat eine mangelnde Zeugungsfähigkeit des Mannes zeigt, ermöglichen es medizinische Methoden, gesunde Samenzellen im Labor auszuwählen. "Durch künstliche Samenübertragung (Insemination) können wir zuvor ausgewählte Spermien direkt in die Gebärmutter einbringen", erklärt Dr. Breitbach. Für Männer, bei denen Unfruchtbarkeit durch zu wenige und unbewegliche Spermien zustande kommt, eröffnet die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) gute Chancen. ICSI bezeichnet dabei die im Labor stattfindende Injektion einer Samenzelle in eine Eizelle. Im Anschluss setzt der Mediziner die befruchtete Eizelle zurück in die Gebärmutter. Ob diese oder eine andere Behandlungsmöglichkeit zum Einsatz kommt, hängt von individuell unterschiedlichen Faktoren ab. Jedoch geben die medizinischen Ursachen und Methoden dem männlichen Geschlecht Anlass genug, den Fehler nicht ausschließlich bei der Partnerin zu suchen.

(Quelle der Sachinformationen: Deutsche Klinik Bad Münder)

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