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Hilfsmittel für die natürliche Familienplanung (NFP): Zykluscomputer, Zyklus-App & Co


Rechner, Block, Lineal und andere Hilfsmittel für die natürliche FamilienplanungBild: TheAngryTeddy – pixabay.com

Wenn ihr nicht die fruchtbaren Tage online berechnen wollt, könnt ihr auf zahlreiche zusätzliche Tools zurückgreifen. Verschiedene Messmethoden der natürlichen Familienplanung (NFP) bilden dafür die Grundlage – die dazugehörigen (technischen) Hilfsmittel helfen bei der Bestimmung der fruchtbarsten Zeit der Frau: Apps, Zykluscomputer, Thermometer zum Messen der Aufwachtemperatur, Mikroskope zur Untersuchung eines bestimmten Gebärmutterschleims oder Ovulationstests. Das Wissen um die fruchtbaren Tage nutzt euch sowohl für den Kinderwunsch als auch für die Verhütung. Die wichtigsten Geräte und Hilfen zur Ovulationsbestimmung stellen wir euch hier vor.

NFP-Methoden erfordern Übung und Zeit


Natürliche Familienplanung (NFP) bedeutet das Messen und Auswerten der weiblichen Körpersignale, um eine Aussage über den Fruchtbarkeitsstatus treffen zu können – ganz ohne die Zufuhr von Hormonen. Kalender-, Temperatur- und Schleimmethode sind dabei die gängigsten Varianten. Die aufwendige Datenerhebung, die damit einhergeht, schreckt allerdings viele Paare ab (kontinuierliches Messen der Aufwachtemperatur, der Hormonkonzentrationen im Urin, Untersuchung des Gebärmutterhals-Schleims, usw.). Dieses Protokollieren und Auswerten der körpereigenen Daten ist für die Messmethoden der Natürlichen Familienplanung unerlässlich – genauso wie diszipliniertes Üben im Vorfeld.

Zykluscomputer zur Eisprungbestimmung


Ob für Verhütung oder Kinderwunsch: Zyklus- oder Verhütungscomputer übernehmen für euch bei der Natürlichen Familienplanung den nervigsten Teil, nämlich die Datenauswertung und Berechnung der fruchtbaren Phase.

Die Rechner können bestimmte Körpervorgänge deuten, die sich während des Zyklus der Frau ändern. Auf einem Display könnt ihr dann den Fruchtbarkeitsstatus und andere Informationen ablesen.

Unterschiedliche Computermodelle sind dabei für die unterschiedlichen Messmethoden anzuwenden:
  • Hormoncomputer (werten bestimmte Hormongehalte im weiblichen Körper aus),
  • Temperaturtester (werten die Aufwachtemperaturen der Frau aus, um ihre Fruchtbarkeit zu bestimmen),
  • Symptothermale Zykluscomputer (verknüpfen Temperaturwerte mit weiteren Fruchtbarkeitsfaktoren für eine detailliertere Ovulationsbestimmung).

1. Hormoncomputer



Anhand bestimmter Hormongehalte im Morgenurin ermittelt ein entsprechender Zykluscomputer die fruchtbaren Tage der Frau. Die Hormone Östriol-Glucuronid (E3G) und das Luteinisierende Hormon (LH) spielen dabei eine entscheidende Rolle: Ein Anstieg des E3G-Hormongehalts deutet auf den Beginn der fruchtbaren Tage; ein erhöhter LH-Wert kündigt den bevorstehenden Eisprung an.

Die Hormonmessung erfolgt per Teststäbchen, das in den Urin gehalten und anschließend vom Hormoncomputer ausgelesen wird. Die Signalfarben grün und rot zeigen schließlich an, ob die Frau fruchtbar ist oder nicht. Etwa acht Stäbchen pro Zyklus sind für die Messung nötig – Zusatzkosten, die ihr zusätzlich zur Anschaffung des Hormoncomputers mit einkalkulieren solltet.

Als Verhütungsmethode eignen sich Hormonmessungen eher für Paare, die offen für eine Empfängnis sind, aber dennoch verhüten wollen. Denn mit einem Pearl-Index von 6-20 gelten die Computer eher als mittelmäßig sicher.

2. Temperaturcomputer



Zykluscomputer für die Temperaturmethode werten die sog. „Aufwachtemperatur“ (auch Basaltemperatur) aus und bestimmen so die weibliche Fruchtbarkeitsphase. Über ein elektronisches Thermometer am Computer misst die Frau morgens nach dem Aufwachen ihre Basaltemperatur – so wie es bei der Temperaturmethode vorgesehen ist. Die Protokolle werden im Computer gespeichert und automatisch zu einer Temperaturkurve umgewandelt. Der Rechner wertet die Kurve aus und zeigt euch den Fruchtbarkeitsstatus an.

Wie aussagekräftig die Temperaturkurve ist, hängt davon ab, wie zuverlässig die Anwenderin misst. Ihr solltet über mehrere Zyklen hinweg messen und am ersten Tag der Periode mit den Temperaturmessungen beginnen. Außerdem sollten diese immer an der gleichen Körperstelle erfolgen (in der Vagina, im After oder im Mund).

3. Symptothermale Computer



Neuere Computermodelle verknüpfen mehrere Eisprung-Symptome miteinander. Der Vorteil dieser „sympothermalen Methode“: Die Genauigkeit der Methode ist im Vergleich zu den anderen Messvarianten etwas höher, da mehrere Daten für die Eisprungbestimmung genutzt werden.
Grundlage bildet auch hier die morgendliche Basaltemperatur-Messung: Über ein elektronisches Thermometer werden alle nötigen Daten an den Computer gesendet. Neben der Basaltemperatur kannst du den Computer – je nach Modell – auch mit anderen Daten füttern: mit der Konsistenz des Zervixschleims, dem Zustand des Muttermunds, der Konzentration des LH-Hormons im Urin oder dem Zeitpunkt des Mittelschmerzes.

Darüber hinaus lassen sich bei vielen dieser Fertilitätscomputer weitere Extra-Informationen abrufen, z.B.:
  • Daten zum eigenen Body-Mass-Index (BMI),
  • Empfehlungen zur Pflege der Haut
  • oder Prognosedaten zum Kinderwunsch, wie Schwangerschaftsanzeigen oder Hinweise auf eine mögliche Gelbkörperschwäche.
Als Zusatz-Features erinnern manche Rechner z.B. per Weckfunktion an bevorstehende Messungen oder ermöglichen eine Verschlüsselung der persönlichen Daten mittels einer PIN-Abfrage. 

Eisprung-App als Multifunktionstool


In den App-Stores von Google, Apple und Amazon findet ihr immer häufiger auch Fruchtbarkeitstracker und Kinderwunsch-Apps.

Was sind Zyklus-Apps?



Apps zur Zyklusberechnung halten wie die Fertilitätscomputer viele Funktionen und zusätzliche Social-Media-Features bereit (z.B. die Option, eigene Zyklusprofile mit engen Freunden oder der Familie zu teilen) – sie sind quasi die Zykluscomputer 2.0. Dabei reichen die Versionen
  • von einfachen Zykluskalendern, die die Kalendermethode unterstützen,
  • bis hin zu komplexen Fruchtbarkeitsapps, die symptothermalen Computern gleichen.

Wie funktionieren Zyklus-Apps?



Solche Apps zeigen grundlegende Informationen zum weiblichen Zyklus (Menstruation, fruchtbare Tage) und Gesundheitszustand der Frau an, wenn ihr zuvor die entsprechenden Daten eingegeben habt: z.B. die Zeiten für die Einnahme der Pille und des GV, Zervixschleim-Beobachtungen, Körpergewicht, Basaltemperatur, Ergebnisse von Schwangerschafts- und Ovulationstests, u.v.m.

Eure Angaben nutzen die Apps meist für Zyklus-Prognosen. Die Software lernt dabei mit der Zeit aus wiederkehrenden Muster und wird immer genauer. Durch das eigenständige Lernen der Software geben die Apps z.B. Erinnerungen für deine nächste Periode oder Zyklus-Protokolle aus, über die ihr wichtige Informationen erhaltet – durchaus nützlich für den nächsten Arztbesuch.

Weitere Hilfen zur Eisprungbestimmung


Fieberthermometer als BasalthermometerBild: ©kalhh - pixabay.com – Basalthermometer messen die Aufwachtemperatur
Es geht aber auch weniger komplex: Außer der Fruchtbarkeitsbestimmung per Computer oder App können NFP-Methoden auch ohne hochtechnisierte Hilfen angewendet werden.

Als Messgeräte dienen in diesem Fall:  
  • Eisprungtests,
  • Basalthermometer
  • oder Zervixschleim-Mikroskope.
Sie unterstützen euch bei Hormonmessungen und bei der Anwendung der Temperatur- und Schleimmethode. Wir machen euch im Folgenden mit dem Handling der Hilfsmittel vertraut.

Ovulationstest (LH-Test) für Hormonmessungen



Der klassische Eisprungtest beinhaltet einen Teststreifen, den die Frau ca. zehn Sekunden lang in den Urin hält. Farblich oder durch Linienmuster gekennzeichnet, erscheint das Testergebnis danach auf dem Streifen. Ein Zusatzstreifen zeigt euch an, ob der Test korrekt durchgeführt wurde.

Wie bei den Hormoncomputern wird auch beim Teststreifen die Konzentration des LH-Hormons im Urin bestimmt. Eine Packung enthält 5-7 Teststreifen, mit denen die Frau an aufeinanderfolgenden Tagen den LH-Wert misst. Dabei ist zu beachten, dass die Testerin etwa zwei Stunden vorher nichts trinkt, um den LH-Gehalt im Urin nicht zu verdünnen.

Der digitale Ovulationstest gleicht einem Digitalthermometer. Ein kleines Display zeigt euch entsprechend das Testergebnis an. Der Test funktioniert genau wie der analoge: einfach kurz die Spitze des Stäbchens in den Urin halten und das Ergebnis ablesen.

Einige digitale Ovulationstests messen auch den Hormongehalt anderer Hormone, die für die Eisprungbestimmung wichtig sind, z.B. Östrogen.

Thermometer für die Temperaturmethode



Basalthermometer zum Messen der Aufwachtemperatur unterscheiden sich kaum von den elektronischen Messfühlern der Temperaturcomputer. Ob Computer oder separates Thermometer: Die Aufwachtemperatur muss kontinuierlich jeden Morgen gemessen werden.

Die Auswertung der Daten übernimmt nun allerdings kein Rechner, sondern bleibt allein euch überlassen – dafür spart ihr euch den Kauf eines Temperaturcomputers und zahlreicher Teststreifen.

Die Messwerte werden in ein besonderes Kurvenblatt eingetragen (ganz einfach zum Selbermachen: eine Achse „Basaltemperatur“, die andere Achse „Zyklustag“).

Steigt die Temperatur in der zweiten Zyklushälfte an, lauten die zwei goldenen Regeln (nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO):
  • 1-2 Tage vor dem Temperaturanstieg findet der Eisprung statt.
  • Temperaturanstieg bedeutet an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine um mindestens 0,2 °C höhere Körpertemperatur als in den sechs Tagen davor.
Der Temperaturanstieg wird durch das Geschlechtshormon Gestagen ausgelöst, das nach dem Eisprung gebildet wird und die Wärmeregulierung des Körpers beeinflusst. Diese zweite Zyklusphase hält etwa 13 bis 14 Tage an, bis anschließend erneut die Regelblutung einsetzt.

Achtung: Ein schwankender Zyklus, Schlafmangel, Krankheiten, Reisen oder starker Alkoholkonsum können die Messergebnisse verfälschen.

Mikroskope für die Schleimmethode



Die Schleimhaut am Gebärmutterhals sondert einen Schleim ab, der im Verlauf des weiblichen Zyklus seine Farbe und Konsistenz wechselt. Auch über Veränderungen dieses sog. „Zervixschleims“ können die fruchtbaren Tage der Frau eingegrenzt werden. Während des Eisprungs ist diese Flüssigkeit klar, flüssig und zieht Fäden. Um diese Beschaffenheit festzustellen, steckt die Frau zwei Finger in die Scheide und entnimmt etwas Schleim. Mit den Fingerspitzen oder einem Taschentuch lässt sich dann die Schleim-Konsistenz beurteilen.

Speichel- oder Zervixschleim-Mikroskope sorgen für eine noch genauere Untersuchung des Schleims. Mithilfe der Mikroskope werden in der Fruchtbarkeitsphase sogenannte kristalline Östrogene“ erkennbar – vergleichbar mit einem Farn-Muster. Diese Kristallstrukturen treten in Zervixschleim und Speichel auf und sind direkt vor der Ovulation über den gesamten Sichtbereich des Mikroskops erkennbar.

Die Anwendung dieser Schleimmethode (auch Billingsmethode genannt) erfordert viel Übung und Erfahrung mit den eigenen Körperfunktionen. Gerade weil die Deutung für Laien so schwierig ist, schneiden Eisprung-Mikroskope bei Stiftung Warentest in puncto Sicherheit eher schlecht ab.

Fazit – NFP-Technik allein reicht nicht aus


Egal für welche Zyklus-App, -Computerhilfe oder sonstiges Messgerät ihr euch entscheidet: Verlasst euch nicht blind auf die Technik. Wählt ihr eine NFP-Methode, solltet ihr diese zunächst von Grund auf erlernen, gewissenhaft üben und den weiblichen Zyklus mitverfolgen. Generell bieten Eisprung-App und Zykluscomputer die Möglichkeit, riesige Datenmengen zu wichtigen Fruchtbarkeitsfaktoren anzulegen. Sie ersparen euch außerdem das Protokollieren und Auswerten per Stift und Zettel. Je mehr aussagekräftige Daten ihr überprüfen könnt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, die Methoden der natürlichen Familienplanung sicher anzuwenden – sowohl für den Kinderwunsch als auch für die Verhütung.

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