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Potenz steigern: 5 Mythen


Bild: ©Tabeajaichhalt@pixabay.com

Der Traum von längeren Erektionen oder einem größeren Penis: Bei vielen Männern wird er verursacht durch verklärte Vorbilder, zu wenig Selbstbewusstsein, eine gestörte Selbstwahrnehmung oder negative Erfahrungen. Bei Problemen mit Potenz und Libido leidet weit mehr als das Liebesleben – auch das Selbstvertrauen kann schwer geschädigt werden.

Auf zahlreichen Internetseiten und Blogs findet man diverse Methoden zur natürlichen Penisvergrößerung oder potenzsteigernden Tierpräparaten.
 Was an diesen Gerüchten und Mythen rund um die Männlichkeit dran ist, weiß Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Chefarzt in der Urologie der Asklepios Klinik Altona in Hamburg und Mitglied des medizinischen Beirats der Männergesundheitsplattform GoSpring.de. Im Folgenden klärt er die 5 häufigsten Mythen auf und schätzt mögliche Ursachen für Impotenz ein.


1. Tierische Aphrodisiaka


Dass das zerriebene Horn eines Nashorns potenzsteigernd wirken und sogar Krebs heilen soll, ist in weiten Teilen Asiens ein weit verbreiteter Glaube. Seit Jahrtausenden wird das angeblich aphrodisierende Wundermittel in der traditionellen chinesischen Medizin angewandt und mittlerweile für sehr viel Geld auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Dem Mythos nach, gehen durch die Einnahme des Nashornpulvers die animalischen Kräfte des Tieres auf den Menschen über. Sicherlich kann es durch die Einnahme zu einem sogenannten Placebo-Effekt kommen, doch das Horn ist und bleibt einfach nur Keratin – die Substanz, aus der auch menschliche Haare und Nägel bestehen.

Auch Libellensekret zählt zu den Aphrodisiaka, das die männliche Erektion beschleunigen und die Ejakulation verzögern soll.

Ein weiterer Männlichkeits-Mythos aus dem Tierreich schreibt dem giftigen Kopfdrüsen-Sekret mancher Krötenarten eine potenzfördernde Wirkung zu: Verantwortlich seien das bei der Einnahme ausgeschüttete Adrenalin sowie der darin enthaltene Wirkstoff Bufagin.

2. Baumrinde als Potenzmittel


Das Yohimbin, das aus den Blättern und der Rinde des in Westafrika beheimateten Yohimbe-Baums gewonnen wird, erweitert die Blutgefäße. Vor allem in der Leistengegend verursacht der Stoff eine bessere Durchblutung, sodass die Schwellkörper des Penis mit reichlich Blut befüllt werden und die Erregbarkeit zunimmt. Das Extrakt kann allerdings auch den Blutdruck, die Herzfrequenz und die motorische Aktivität erhöhen. Bei zu hoher Dosierung kommt es neben Herzrasen und Schweißausbrüchen zu Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.


Einschätzung des Experten: Prof. Wülfing weiß, dass die tierischen Mittel wie das Nashornpulver oder Libellensekret sowie pflanzliche Mittel wie Baumrinde, Südfrüchte oder Knoblauch, etc. nicht potenzfördernd sind: „Das sind tatsächlich alles Mythen und müssen ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Nashornpulver ist ganz klar ein Mythos! Yohimbin dagegen ist etwas aus der Mode gekommen. Als es Viagra und Co. noch nicht gab, hat man Yohimbin tatsächlich öfter verabreicht und manchmal auch Erfolg damit gehabt.“

3. Penisvergrößerung mit Vakuumpumpen


Wie der Name der Technik schon verrät, wird bei einer Penispumpe ein Vakuum erzeugt, die zur Folge hat, dass durch den starken Unterdruck im Kolben Blut in den Penis gepumpt und die Schwellkörper befüllt werden. Auf diese Weise wird eine künstliche Erektion erzeugt, die durchaus den Umfang und die Größe des Glieds über einen kurzen Zeitraum steigert. Nach dem Abklingen der Erektion geht allerdings auch der Penis wieder in seinen natürlichen Zustand zurück. Regelmäßiges, teilweise mehrfach tägliches Training, soll die Schwellkörper durch die vermehrte Blutzufuhr dehnen und somit den Penis vergrößern. Die Technik wird gefährlich, wenn Vakuumpumpen zu oft und nicht sachgemäß verwendet werden. Haut, Blutgefäße, Nerven und sogar die Harnröhre können Schäden nehmen.

Einschätzung des Experten: „Das mit den Vakuumpumpen halte ich ebenfalls für irreführend”, so Wülfing. “Die Pumpen sind ein etabliertes Hilfsmittel für Patienten mit Erektiler Dysfunktion. Allerdings hören viele rasch wieder mit der Anwendung auf, da die Methodik als zu umständlich empfunden wird damit auch die Spontanität wegfällt. Dass der regelmäßige Gebrauch der Pumpen zu einer Vergrößerung des Penis führt, halte ich definitiv für einen Mythos. Die Pumpe verhindert eventuell, dass der Penis bei ED kürzer und kleiner wird, aber andersrum, sicher nicht“ , erklärt der Urlologe.

4. Größerer Penis und stabilere Erektionen durch Kegel-Training des PC-Muskels


Beckenbodentraining für Männer mit Übungen des US-amerikanischen Arztes Arnold H. Kegel. Der Musculus pubococcygeus, kurz PC-Muskel, kann, wie jeder andere Muskel im Körper trainiert werden. Es handelt sich um den Muskel, der benutzt wird, wenn man beim Urinieren den Wasserstrahl unterbricht oder den Schließmuskel am After anspannt. Er zieht vom Scham- zum Steißbein und umgibt die inneren Anteile der Geschlechtsorgane, wie zum Beispiel die Prostata. Er spielt als Teil der Beckenbodenmuskulatur eine wichtige Rolle. Denn ein starker PC-Muskel stütz Blase und Schließmuskel und kann, insbesondere nach Prostataoperationen, Inkontinenz verhindern.

Durch gezieltes Beckenbodentraining soll der Muskel angeblich soweit gestärkt werden können, dass die Erektion länger andauern kann und härter wird, sowie dass der Samenerguss kontrollierbar wird.
Bei vorzeitiger Ejakulation wirkt ein regelmäßiges Beckenbodentraining vielversprechend, nicht nur zur Stärkung der Muskulatur, sondern auch durch die verbesserte eigene Körperwahrnehmung.

Einschätzung des Experten: Laut Prof. Wülfing verbessern Kegel-Übungen, aber auch Ausdauersport, die Durchblutung und Leistungsfähigkeit, was sich beides positiv auf die Erektion auswirkt, aber nicht auf die Größe des Penis oder seinen Durchmesser: „Alles, was mit ‘Penis wird dicker oder länger’ zu tun hat, ist Quatsch. Das Einzige, was den Penis länger macht, ist, wenn stark adipöse Männer abnehmen. Er wird dann eigentlich auch nicht länger, aber besser sichtbar - also gefühlt länger.“

5. Gesunde Lebensweise beugt eine Erektile Dysfunktion vor


Die Ursachen einer erektilen Dysfunktion sind vielfältig. Die reichen von Stress, über psychische Probleme bis hin zu schwerwiegenden körperlichen Erkrankungen. Eine bewusste Lebensweise mit gesunder, ausgewogener

Ernährung und körperlicher Aktivität steigert nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, es baut auch Stress ab und stärkt das Immunsystem. Typische Zivilisationskrankheiten, wie Übergewicht, Diabetes oder koronare Herzkrankheiten, die oftmals eine ED mit sich bringen, werden auf diese Weise vorgebeugt.

Vor allem Ausdauersport eignet sich hervorragend dafür das Herz-Kreislauf-System zu stärken und die Kondition zu verbessern. Tabakkonsum dagegen schädigt nachweisbar die Blutgefäße, was bedeutet, dass Raucher ein höheres Risiko besitzen eine ED zu entwickeln.

Einschätzung des Experten: „Unbedingt mit dem Rauchen aufhören! Das erhält die Erektion auch im Alter. Ansonsten schädigt Rauchen die Gefäße und führt ziemlich sicher irgendwann zu Impotenz“ , rät Prof. Wülfing. Wer rechtzeitig aufhöre und seine Lebensgewohnheiten umstelle, könne in den meisten Fällen eine Verbesserung der erektilen Funktion feststellen.

Impotenz-Ursachen: 4 Fragen an den Experten


Welche körperlichen Ursachen können zu erektiler Dysfunktion führen?

Wülfing: "Eine funktionierende Erektion braucht zunächst ein funktionierendes Nervensystem, das die Reize zum Schwellkörper des Penis leitet. Deswegen kann es bei allen Arten von Nervschädigungen, wie z.B. durch vorausgegangene Operationen (z.B. Prostatakrebs- oder Enddarmkrebs-Operation), Unfälle mit Rückenmarkbeteiligung, Bandscheibenvorfälle, aber auch eigene Nervenerkrankungen (z.B. Multiple Sklerose) zu Erektionsstörungen kommen.

Häufiger sind allerdings die Durchblutungsstörungen. Eine ungestörte und ausreichende Durchblutung der Schwellkörper des Penis ist die wichtigste Voraussetzung für das Eintreten und Aufrechterhalten einer Erektion. Sehr häufig kommt es zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefässe im Penis (Mikroangiopathie), wie z.B: durch Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Deswegen ist die gesunde Lebensführung mit einer guten Gewichtseinstellung, einem Verzicht auf Rauchen und eine gesunde Ernährung kombiniert mit sportlicher Aktivität eine wichtige Voraussetzung für die gesunde erektile Funktion."


Welche Medikamentengruppen bergen generell das Risiko, impotent zu machen?

Wülfing: "Ein negativer Einfluss auf die Erektionsfähigkeit ist für viele Medikamente beschrieben. Häufig sind es Blutdruckmittel, die diese unangenehme Nebenwirkung auslösen können. Aber auch Psychopharmaka können diesen Effekt haben." 

Wie wirken sich Stress, Hemmungen, Ängste, Leistungsdruck und andere psychische Ursachen auf die männliche Potenz aus?

Wülfing: "Eine gesunde und befriedigende Sexualität findet im Idealfall in einem entspannten Umfeld und ohne negative äussere Einflüsse statt. Hier sind die negativen psychischen Einflüsse,wie z.B. beruflicher oder privater Stress, Ängste und Leistungsdruck jeglicher Art unter Umständen sehr hemmend für die Erektion und die Sexualität allgemein."

Inwiefern machen rauchen sowie erhöhter Alkoholkonsum impotent?

Wülfing: "Bei den Genußmitteln ist das Rauchen Risikofaktor Nummer 1 für eine erektile Dysfunktion. Genau so, wie z.B. Blutgefäße des Herzens durch die verstärkte Verkalkungsneigung (Atherosklerose) geschädigt werden können, trifft dieses auch für die Schwellkörper-Gefäße zu - und es kommt zu einer Erektionsstörung. Oftmals tritt diese sogar noch früher auf, als Herzbeschwerden. Die Erektionsstörung ist somit manchmal deswegen fast als „Frühwarnsystem“ für einen Herzinfarkt zu sehen. Für einige Patienten mit Erektionsstörungen ist daher auch die kardiologische Checkup-Untersuchung zu empfehlen. 

Alkoholkonsum ist für die Sexualität manchmal förderlich, weil er luststeigernd wirkt und Hemmungen abbaut. Wird es mit der Menge jedoch übertrieben, kann auch der Alkohol ein echter Erektions-Killer sein."

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