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Eizellen einfrieren beim Social Freezing: Kosten, Verfahren, Risiken und mehr


Befruchtete Eizelle nach der KryokonservierungBild: Bellezza87@pixabay.com

2014 ging das Beispiel um die Welt: Mitarbeiterinnen von Facebook und Apple können sich auf Firmenkosten ihre Eizellen entnehmen und tiefkühlen lassen. “Social freezing” heißt dieser Prozess und ist in den letzten Jahren zu einem regelrechten Schlagwort geworden. Der Eizellvorrat soll gewährleisten, dass junge Frauen ihre Familienplanung verschieben können – bis sie in den Karriere- und Lebensplan passt. Wir klären auf über das Verfahren, die Kosten sowie Erfolgschancen und Risiken der sogenannten Kryokonservierung.

Eizellen einfrieren: Gründe für das Social Freezing


Nach der Kryokonservierung können Frauen ihre (befruchteten oder unbefruchteten) eingefrorenen Eizellen für eine künstliche Befruchtung nutzen. Ursprünglich wurde die Methode des Eizelleneinfrierens für junge Krebspatientinnen entwickelt. Wäre eine Patientin nach einer Chemotherapie nicht mehr fruchtbar, hätte sie durch die Kryo-Behandlung dennoch die Möglichkeit, Kinder zu bekommen.

In den letzten Jahren lassen Frauen auch aus nicht-medizinischen Gründen immer häufiger ihre Eizellen einfrieren. Das „Social Freezing“ wird genutzt, etwa weil die berufliche Verwirklichung zunächst höhere Priorität hat oder der richtige Partner noch nicht gefunden ist.

Eizellen einfrieren: Erfolgschancen abhängig vom Alter


Gut über 90 Prozent der Eizellen überleben die kühle Behandlung, die spätere Befruchtungsquote liegt bei etwa 60-70 Prozent. Entscheidend für den Erfolg ist das Alter der Eizelle und nicht das der Gebärmutter, in der das Ei heranwächst. Im Alter von 20-30 Jahren sollten Frauen daher ihre Eizellen einfrieren lassen. Nach der Ausbildung und dem Einstieg ins Berufsleben könnten Frauen in Ruhe über den Zeitpunkt einer Schwangerschaft nachdenken. Bei über 40-Jährigen steigen bestimmte, mit einer Schwangerschaft verbundene Risiken (für Fehlbildungen), und auch die Chancen, dass eine Kryokonservierung erfolgreich ist, sinken.

Die Wahrscheinlichkeit, ohne medizinische Unterstützung schwanger zu werden, liege laut Angaben der Ärztezeitung bei einer 25-Jährigen bei 23 Prozent pro Zyklus, bei einer 35-Jährigen nur noch bei 16 Prozent. Eine frühe Entscheidung für die Kryokonservierung sei somit ratsam.

Eizellen einfrieren: Ablauf und Verfahren


Vor der Kryokonservierung muss sich eine Frau – wie vor einer künstlichen Befruchtung – einer Hormonbehandlung unterziehen. Der weibliche Körper wird dabei bis zu zwei Wochen hormonell stimuliert, um die Eizellen-Anzahl zu steigern. Genauer erhalten Frauen niedrig dosierte Hormonpräparate, die die Eizellreifung anregen sollen.

Nach dieser Vorbehandlung werden die Eizellen unter Vollnarkose über die Scheide entnommen. Anschließend können die Keimzellen eingefroren werden. Wird später der Entschluss für eine künstliche Befruchtung gefasst, werden die Eizellen aufgetaut und mit männlichen Spermien befruchtet. Schließlich werden die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt.

Zwei Arten der Kryokonservierung


Seit den 90er Jahren haben sich zwei Varianten der Kryokonservierung herausgebildet. Wurde anfänglich das sogenannte Slow Freezing angewendet, findet mittlerweile hauptsächlich das sogenannte Flash Freezing Beachtung.

Slow Freezing



Beim Slow Freezing werden die Eizellen nur um 0,3 °C pro Minute abgekühlt – also sehr langsam. Es dauert also lange, bis die Eizellen einfrieren. Für überschüssige befruchtete Eizellen eignete sich dieser Prozess gut, für unbefruchtete weniger, da diese empfindlicher sind.
Nur etwa aus zwei Prozent der über Slow Freezing eingefrorenen Eizellen konnte sich ein Fötus entwickeln.

Flash Freezing



Heutzutage ist Flash Freezing das bevorzugte Kryo-Verfahren. 2007 wurde die Methode entwickelt. Die Eizellen werden dabei in -196°C kalten, flüssigen Stickstoff getaucht und somit quasi schockgefrostet. Das Verfahren ist nach 20 Minuten abgeschlossen und auch bei unbefruchteten Eizellen öfter erfolgreich als beim Slow Freezing.

Eizellen einfrieren: Risiken des Social Freezing


Eine Untersuchung auf Fertility and Sterility kam zu dem Ergebnis, dass die Gefahr von Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen durch die Kryokonservierung nicht wesentlich erhöht wird.

Beim eigentlichen Eingriff, der Entnahme der Eizellen, kann es wie bei anderen chirurgischen Verfahren zu Komplikationen kommen. Auch die Hormonpräparate, die im Vorfeld der Behandlung eingenommen werden müssen, können Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Bauchschmerzen verursachen. Auslöser dafür ist das sogenannte Überstimulationssyndrom: Die Eierstöcke vergrößern sich, im Bauchraum sammelt sich Flüssigkeit.

Ob die Schwangerschaft über eine Kryokonservierung oder natürlich zustande gekommen ist: Grundsätzlich geht eine Empfängnis im höheren Alter häufiger mit Komplikationen einher (z. B. höheres Risiko für Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes). Ebenso ist aber zu erwähnen, dass viele Schwangerschaften auch bei Frauen über 35 völlig komplikationsfrei verlaufen.

Eizellen einfrieren: Kosten der Kryokonservierung


Social Freezing ist nicht billig! Der Prozess der Eizellenentnahme und -gefrierung kostet für einen Zyklus rund 2.500 Euro. Im Schnitt müssen 20-30 Eizellen tiefgekühlt werden, um höhere Chancen zu garantieren. Dafür sind im Regelfall mehrere Zyklen nötig.

Je nach Verbrauchsmenge kosten die Hormon-Medikamente rund 1.000 Euro. Mancher Anbieter verlangt zusätzlich noch ungefähr 20 Euro monatliche Lagerkosten für die Eizellen. Sollen die Eizellen später genutzt werden, werden dann noch die Beiträge für die künstliche Befruchtung in Höhe von ca. 2.000 Euro fällig. Schnell können da 10.000 Euro zusammenkommen.

Seit Mai 2019 übernehmen für Krebspatientinnen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Kryokonservierung. Ob auch das Social Freezing in Zukunft zur Kassenleistung wird, ist nicht bekannt.

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