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12.06.2014 11. Woche
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Stresstest bestanden!

Die Kinder ernst nehmen ist längst nicht so leicht, wie man das selbst im Alltag glauben mag.
Liebe User,
Konflikte gehören zum Alltag einer Familie. Doch der Umgang damit ist sehr unterschiedlich.

Das Grundproblem
Die Mutter aller Konflikte heißt „Stress“. Für mich vor allem, wenn ich meinen Tag oder meine Woche nicht nach meinen Bedürfnissen bzw. Aufgaben strukturieren kann. Das soll heißen, dass ich für jeden einzelnen Tag einen Plan erstelle: wann ich die Kinder vom Kindergarten abhole, wie ich den Einkauf organisiere oder welche Aufgaben ich außerdem an diesem Tag erledigen möchte – beispielsweise die Termine mit meinen Kunden, die ich über mein Kleingewerbe betreue. Wenn einer meiner Töchter krank wird, muss ich den Plan ändern. Einige Dinge kann ich mit den Kindern zusammen erledigen. Andere müssen auf den nächsten Tag warten. Für einen oder auch zwei Tage funktioniert das gut. Doch nach einiger Zeit bleiben immer mehr Aufgaben einfach liegen. Dann genau fängt der Stress an.

Die Kinder tragen immer wieder zur Hektik im Alltag bei: wann und vor allem wie viel Fernsehen dürfen die beiden schauen? Meist wollen die Zwillinge unterschiedliche Sendungen schauen. Doch verlässt leider keiner der beiden das Wohnzimmer, wenn die eigene Sendung noch nicht angefangen hat oder schon zu Ende ist. So kommt es vor, dass die Kleinen dann an einem Tag länger als eine Stunde das Kinderprogramm genießen. Der Vorschlag, wie wir dieses Problem lösen können, kommt von Claire: Wir schaffen den Fernseher ab. Ehrlich gesagt bin von dieser Lösung überhaupt nicht begeistert. Denn ich habe auch meine Serien, die ich gerne schaue. Den Fernseher für einige Zeit im Keller aufzubewahren stellt für uns eine erhebliche Umstellung dar. Ich habe versucht Alternativen vorzuschlagen, doch finde ich diesen Gedanken inzwischen sehr interessant. Wir können die Spiele der Welt­meister­schaft 2014 ja auch öffentlich verfolgen.

Ein neuer Stil in der Kommunikation
Wie das Beispiel zeigt ist es nicht immer leicht, mit den Problemen und Fragen der Kinder umzugehen. Auch die Zwillinge haben Probleme, uns Eltern richtig zu verstehen. Wir versuchen daher, mit den Kindern so zu reden, dass sie uns wirklich verstehen. Vor ein paar Wochen bin auf das Buch „Familienkonferenz“ von Thomas Gordon gestoßen. Wichtig ist ihm, dass die Kinder merken, dass sie als Person ernst genommen werden. Er schlägt im ersten Schritt vor, die Kinder durch Gesten oder durch ein kurze Rückmeldung zum Weiterreden zu ermutigen. Dann wird den Kindern signalisiert, welche Botschaft von ihnen angekommen ist. Im zweiten Schritt folgt eine Rückmeldung, ob man die Information auch richtig verstanden hat.

Meine Kinder habe ich schon immer ernst genommen. Gordon spricht Aspekte bei der Erziehung an, die ich voll und ganz vertreten kann. Für mich ist der neue Kommunikationsstil sehr ungewohnt: Zuerst muss ich nachdenken, was ich den Kinder sagen möchte oder welche Botschaft ich von ihnen empfangen soll. Dann erst kann ich den Kindern auf ihre Fragen antworten. Gerade dieses Nachdenken bringt aber die erforderliche Ruhe in den Alltag. Ich habe nicht mehr den Anspruch, sofort auf eine Aussage zu reagieren. Damit lasse ich mir Zeit. Weiterhin frage ich mich, was meine Tochter mit dem Gesagten gemeint hat. „Papa, darf ich ein Stück Schokolade essen?“ Kann sowohl bedeuten „Ich habe jetzt Hunger“ oder „Ich will jetzt unbedingt Schokolade essen.“ Mein Vorgehen hat sich in diesem Fall geändert. Ich frage, ob ich die Botschaft meiner Tochter richtig verstanden habe und frage zurück: „Du hast Hunger?“ So kann sie mir sagen, ob ich sie richtig verstanden habe. Das Vorgehen von Gordon ist im Alltag gewöhnungsbedürftig. Doch lassen sich so viele Konflikte im Alltag vermeiden, die sonst Kraft und Zeit kosten. Außerdem komme ich viel näher an die Kinder heran. So kann ich besser auf ihre und meine Bedürfnisse eingehen. Für mich ist es einfach Vermeidung von Stress. Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich von diesem Buch so begeistert sein kann.

Liebe Leser, ich wünsche Euch allen eine schöne Woche und freue mich, wenn Ihr nächste Woche wieder meinen Beitrag lest.

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Kommentare von Lesern:

 
Yvonne, Berlin:
13.06.2014 09:25
Kein Fernseher ist doch super! Da ist gleich viel mehr Zeit für all die anderen Sachen, die du so nicht schaffst ;-)!
Mirko, Hannover:
12.06.2014 17:00
Lieber Stefan, was hält denn Deine Frau davon? Trägt sie das mit? Will sie, dass du jetzt mit ihr genauso redest? In der Erziehung mag das ja manchmal gut sein, um den Kindern zu zeigen, wie sie verstanden werden. Aber so ein bisschen geht die Natürlichkeit verloren im Gespräch, finde ich.

Tagebuch Stefan

Stefan
Alter: 40
Wohnort: Dortmund
Beruf: Hausmann
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder (5)
Geburtstag Kind:
Letzter Eintrag: 24.04.2015

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